Freibadgedanken

Auf Wohnungssuche in der alten Heimat. Hotel Mama gebucht. Ziehe Bahnen im selben alten Freibad. Dasselbe alte Balzverhalten. Dieselben alten Nasen. Heute mit ihren eigenen Kindern (ich kann mich nicht erinnern, je mit meinen Eltern im Freibad gewesen zu sein. Außer an dem Tag, an dem meine Mutter mich zum Seepferdchen nötigte…)

Befriedigt stelle ich fest, dass ich in Vergleich zu denselben alten Nasen vergleichsweise wenig zugelegt habe. Und Frage mich, ob diese gar nicht mal so fesche Frau von L., der sich doch immer für so unwiderstehlich hielt, eigentlich weiß, was der für ne Arschkrampe ist.

Und ich frage mich, ob er eigentlich möchte, dass jemand seine Kinder so behandelt, wie er mich behandelt hat. Und ob er möchte, dass seine Kinder jemanden so behandeln, wie er mich behandelt hat.

Stelle fest, dass ich überhaupt keinen Bock habe, die ortsüblichen Mieten zu bezahlen. Da kann ich auch ne Kreditrate bedienen. Für so ein spießiges Eigenheim. Also, so spießiges olles Zeug, wie ich es with a little help from my Vaddi vielleicht ansatzweise finanzieren könnte.

Kann man Eiche rustikal eigentlich einfach mit fröhlichem Hellblau überpinseln? So Freibadblau?

Vom Schmieden von Glück

Jeder ist seines Glückes Schmied, heißt es so blöd.

Ich kann mir dabei so schön auf die Finger hauen. Und nochmal drauf. Und nochmal. Und nochmal.

Ich hab da an was gewurschtelt, was mich ein bisschen in eine Richtung bringen könnte, in die ich gerne möchte. Es hat nicht ganz so geklappt, wie ich mir das vorgestellt habe, aber fast. Und jetzt, da es langsam konkreter wird, es an die Umsetzung gehen könnte, hab ich die Hosen voll. Ich sehe nur Probleme und Gründe, es doch nicht zu tun. Und noch ein paar Probleme und überhaupt.

Ich frage mich dann: Willst du einfach alles so lassen wie es ist? Dann bleib doch an diesem Ort, an dem du gar nicht sein willst. Ist ja bequem. Bleib bei diesem Job, den du gar nicht machen willst. Ist ja bequem. Du wirst nie wieder dein Hirn benutzen müssen. Aber immer in Home Office. Das du dir aus reiner Bockigkeit erhältst. Und weil deine Chefin sich zu fein ist, mit dir zu reden. Oder was immer ihre Gründe sind.

Ich hab die Hosen voll und lauter selbst gebaute Probleme. Ich habe eine eindeutige Pro-Contra-Liste mit Übergewichten an den falschen Stellen.

Mein Hirn dreht durch und landet wie immer immer wieder bei derselben Lösung. Einfach sterben. Das wär so praktisch.

Gedankenspiele

Während ich vergangene Woche jemandem predigte, dass es nicht total absurd ist, wenn man noch mal studiert, auch wenn man schon länger deutlich älter als 20 ist, und dass der Abi-Schnitt dann völlig wumpe ist, weil man definitiv alle Wartesemester abgesessen hat, fiel mir ein, dass ich ja für mein damaliges Wunschstudium mittlerweile auch alle abgesessen haben müsste. Abgesehen davon habe ich ja jetzt nen Bachelor mit nem Streber-Schnitt und nen Master, der auch nicht ganz kacke lief. Und ich könnte direkt mit dem Master, den ich eigentlich machen wollte, anfangen. Ich habe zwar absurdes Zeug studiert, als Qualifikation für den MA reicht es aber.

Eigentlich ist es ein bisschen quatschig, ich glaube nicht, dass mich das beruflich weiterbringen würde. Aber… Oarch, ich WILL. Ich habe da Bock drauf. Ich habe Lust, mein Hirn anzustrengen, lernen zu müssen, wissenschaftlich zu arbeiten. Ich habe auf das Programm Lust, weil es in zwei Ländern stattfindet und weil es genau das ist, was mich immer interessiert hat. Ich könnt’s mir leisten. (Ich hab mich ja schon immer gefragt, worauf ich so eisern spare.) Und ich will ja eh hier weg, aber so richtig Alternativen tun sich in diesen Zeiten nicht so auf…

Auch meine chilenische Mitbewohnerin von damals (aaach, das Haus voller Frauen – und Jesus!), will wieder an die Uni, sie hatte sogar schon das Stipendium für Barcelona (halloooo, Schwester, du weißt, ich werde permanent bei dir rumhocken, oder?) in der Tasche und dann kam Corona… Sie schrieb die weisen Worte: Unser Job ist es nicht, Punkte auf einer Liste abzuhaken, die andere geschrieben haben. Unser Job ist es, glücklich zu sein.

Man müsst sich halt trauen. Und die Katze… ins erste Land kann ich sie noch mitnehmen, Dänemark ist für uns Fischköppe ja ein – höhö – Katzensprung. Das zweite Jahr wird schwierig (und da kommt mittlerweile auch eine gewisse Brexit-Problematik ins Spiel…).

Ach, mein Spatzenhirn und seine Ideen. Das wird mich lange umtreiben. Jetz hab ich ja auch noch die Bewerbungsfrist um Monate hinter mir gelassen und damit noch Monate Zeit, darüber nachzudenken. Eigentlich Blödsinn, aber…

Hochzeitsvorbereitungen

Das darf ich eigentlich noch gar nicht verraten, schreibt der Bräutigam. Aber du wirst in das Amt des Protostrators befördert. Am byzantinischen Hof eine Art Hofmarschall. Heißt, du darfst bei Vollzug der Ehe die Kleider halten und Erfrischungen reichen.

Oh, wie ehrenvoll. Ich freu mich drauf! Darf ich auch Ratschläge geben und anfeuern?

Also, über Ratschläge bin ich nie erbost… Anfeuern war noch nie nötig… wenn ich einmal in Wallung gekommen bin… du verstehst?

Solange du mich nicht als Fluffer brauchst…

Prima, du hast dich gerade freiwillig gemeldet!

Ich kann zumindest nicht behaupten, nicht qualifiziert zu sein.

Wie stellst du dir deine Tätigkeit denn konkret vor? Einschlägige Arbeitserfahrungen?

 

Ich kann Empfehlungsschreiben einreichen…
Ich denke, ich werde da Absprachen mit der Braut treffen müssen. Wann braucht sie deine Erektion, wann will sie ne Pipi-Pause… Das müssen wir abgleichen mit: Wie lange kannst du?

 

Er wechselt einfach das Thema: Happy Valentinstag!, wünscht er.

Crazy shit

Es ist offiziell: Ich bin völlig bekloppt. Ich fahre nach … Madagaskar. (Hier einen bekloppten „I like to move it move it“-Dance einfügen.) Heute kam die Reisebestätigung. (Move it move it!)

Ich bin völlig bekloppt. Ich reise allein, ich werde mich zwei Wochen lang auf dem Pferderücken fortbewegen. Beziehungsweise wohl nach dem dritten Tag vom Pferd klatschen wie ein nasser Sack, ich untrainierte Wurst.

Ich bin völlig bekloppt. Das ganze war null geplant und ist aus einer spontanen Schnapsidee heraus entstanden. Einfach mal gemacht. Weil: Öy, Madagaskar! Da habe ich immer mal wieder drüber nachgedacht. Wegen weil, ihr wisst schon: Lemuren!!! Fossas!!! So viel Flausch! Aber von einfach mal nach Antananarivo fliegen hat man noch nix gesehen. Und dann muss man ja doch irgendwie ne Tour buchen oder ein Auto mieten und man weiß eigentlich nicht so recht, wohin. Aufm Pferd sieht man allerhand und alles anders und die mögliche Menge an bescheuerten Touris ist doch recht begrenzt.

Warum ich das mache? Weil ich es kann!

Ich verdiene nicht genug Geld, um mir ernsthaft Gedanken über „mein Haus, meine Yacht, meine Giraffe“ machen zu können. Abgesehen davon: Wo soll denn mein Haus bitte stehen? Weiß ja gar nicht, wo ich mal wohnen will, wenn ich groß bin. Das macht es auch mit der Yacht schwer, die braucht ja auch nen Liegeplatz. Und so ne Giraffe… nun ja, die ist schon recht sperrig. Trotzdem kriege ich genug Geld, um jeden Monat fast die Hälfte meines Nettogehalts aufs Sparkonto schieben zu können. Und da stapelt es sich und ich denk so: Was mach ichn mit all der Knete? Und weil mir nix einfällt, fahr ich halt nach Madagaskar. Und dann vielleicht noch nach Mauritius. Und wenn dann nicht mein Urlaub bald alle wäre, würde ich da unten noch weiter machen. Aber ich hab da ja noch ein, zwei andere Pläne fürs nächste Jahr.

Ich hab noch bis Ostern Zeit, mich meinem „Move it move it“ und dem: BIST DU EIGENTLICH VÖLLIG BESCHEUERT, DU BESCHEUERTE BESCHEUERTE?! hinzugeben. Aber wie ich heute vom der guten Ophelia lernte: „Wenn du etwas tun willst und Angst der einzige Grund ist, der dich davon abhält: Tu es trotzdem.

Also, meine lieben Lemuren, nehmt euch in acht! Ab April wird kampfgeflauscht.

Confieso que he vivido

Übel gejetlagged mit viel Kaffee in der Hand und Streichhölzern zwischen den Augenlidern melde ich mich zurück aus Chile. Und meine Freundin J. nagelt mich sofort auf unseren bisher noch vagen Planungen für unseren Barcelona-Trip fest. Sie will ihren runden Geburtstag dort feiern, ich habe ihr versprochen, dass ich ihr meine Hood zeige.

Claro, sage ich, es bleibt dabei. Und muss ein bisschen irre grinsen. Stimmt, ich habe da mal gewohnt. So wie ich in Chile gewohnt habe. Und in Kanada. Du bist ganz schön irre, denke ich. Da biste grad mal 31 und hast in vier Ländern auf drei Kontinenten gewohnt. (Und sonst schimpfe ich mich immer furchtbar alt…)

Doch, ich hab da schon viel richtig gemacht. Viel Glück gehabt. Viele Chancen beim Schopf gepackt. War hier und da ein bisschen unvernünftig. Oarch, ich habe gelebt. Und ich bin noch längst nicht fertig!