Zeit in Zeiten von Corona

Ich habe die Vorzüge der Isolation ja hier schon ausgiebig gepriesen. Ich bleibe dabei: im Großen und Ganzen ein Win.

Wäre da nicht das ewige Gedankenkarussell, das da durch Ereignisse vor dem ganzen Gedöns in Gang gesetzt wurde und von dem ich eigentlich gedacht hatte, dass man es relativ schnell anhalten könnte. Oder zumindest mal das zugrunde liegende Problem aus einer anderen Perspektive zu betrachten könnte – woraufhin es sich in Luft aufgelöst oder zumindest weiterentwickelt hätte. Vielleicht sogar in ein – igitt – Happy End.

Jetzt sitze ich hier seit Wochen mit meinem Gedankenkarussell und der Perspektivenwechsel ist dank Reiseentfehlung nicht in Sicht. Mir würde helfen, zu wissen, wann ich mich dann wieder an die Lösungsbetrachtung setzen könnte, aber: Keiner weiß gar nix. Und eigentlich weiß mein gesunder Menschenverstand: Das vernünftigste wäre, wenn der Zustand noch ein ganzes Weilchen aufrecht erhalten würden.

Eins kann ich sagen: Vom Wälzen werden Probleme nicht leichter. Und die Zeit wird nicht kürzer.

Geist und Fleisch sind schwach…

Keine Sorge, ihr müsst mich nicht schütteln und ohrfeigen, das erledige ich gerade schon selbst.

Warum?

Weil ich wieder No. 3-rückfällig geworden bin. Er platzte in meinen enormen Probleme- und Geilheitsbuildup und ehe ich’s mich versah, saß ich im Zug nach Berlin, statt meine freien Tage wie geplant wieder an der Ostsee zu verbringen. Ist ja so ähnlich.

MIR-IST-NICHT-ZU-HELFEN.

Der Herr meinte, er sei allein zu Haus, hatte sich aber dummerweise in der Woche vertan. Und ich dachte schon, ich sei ausreichend angekotzt, als ich in Neukölln aus der S-Bahn stieg. Ich hasse Berlin. Warum bin ich noch gleich nicht an die Ostsee gefahren?

Plan B: Wir nehmen uns ein Hotelzimmer. Natürlich auf meine Rechnung, ist ja klar, der Herr hat ja nie Knete und es ist Monatsende. Nächstes Mal lädt er mich ein, hmhmm. Na klar. Nächstes Mal fahr ich an die Ostsee, Mister!

Immerhin: Wir vögeln wie in den ganz alten Zeiten, wild und verzweifelt und sehr, sehr geil. Mit dem einzigen Unterschied, dass er anfangs arg Probleme hat, seine Erektion zu halten, er sei nervös, meint er. „Weil du es bist.“ Hmhmm.

Wir ziehen ein bisschen um die Häuser, wälzen unsere Probleme wie in den guten alten Zeiten, ich REDE und der ein oder andere Knoten platzt.

Ungefähr drei Minuten kuschle ich mich an ihn, ein absolutes Novum und zum Glück ist er dann direkt wieder zu aufgegeilt zum Kuscheln. Nicht, dass das einreißt.

Wir machen wild rum und vögeln wirklich kurz sehr wild und er tut hinterher ganz verzweifelt: „Warum komm ich bei dir immer so schnell? Du machst mich einfach zu geil!“ Hmhmm.

Er springt unter die Dusche, ich widme mich meinem Buch, er kommt aus der Dusche und präsentiert die dünnste aller Ausreden, warum er jetzt gleich kurz nach Hause muss. Er schreibt mir aber gleich, dann trinkt er einen Kaffee und wir vögeln weiter. Sagt er.

Ich linse über den Buchrand, hmhmme und er zieht seiner Wege. Never heard of him again.

Nicht, dass ich ernsthaft damit gerechnet hatte, dass er an dem Abend noch mal wiederkommt… Aber wenigstens eine winzige weitere Ausreden-SMS? Hm? Im Gegensatz zu ihm habe ich noch nie ne Szene gemacht oder irgendwelche Erklärungen oder Versprechungen verlangt. Ich sage zu allem hmhmm und lasse das Kind spielen. Aber diesmal bin ich wirklich sauer.

Und ein bisschen traurig um unser meist recht produktives Probleme-Wälzen. Ich war so kurz davor, den ganzen Schrankinhalt vor ihm auszubreiten (oder zumindest fast den ganzen), noch ein, zwei Mal ficken und raus damit. Da hat er einiges zerschlagen mit der Nummer.

Naja, ist vielleicht besser so.

Und ich bin wirklich froh, wieder in der kuschligen Provinz zu sein. Und dafür habe ich diese wundervollen Herbsttage verplempert. Gnagnagna.