Corontänen-Presseschau – voll veraltet

Da habe ich in der Isolation mal Zeit, endlich den Stapel Zeitschriften und Magazine durchzulesen, der hier so vor sich hinstaubt. In einer „Frankfurter Allgemeinen Woche“, die so alt ist, dass sich darin eine Meldung mit der Überschrift „Neuer Virus in China aufgetreten“ findet – tja und hier sitzen wir nun – findet sich im Wirtschaftsteil das:

Im Jahr 2018 hat Streaming demnach mehr als 300 Megatonnen CO2 freigesetzt – so viel wie ganz Spanien. Besonders pikant finden die Autoren der Studie den Anteil von Pornographie an alledem. 27 Prozent aller gestreamten Videos im Internet seien Pornos. Das Streaming der Sexfilme habe so viel CO2 produziert wie ganz Rumänien.

Ich hoffe, ihr fühlt euch jetzt genauso schlecht wie ich, ihr Umweltsäue!

Gute Nachrichten für alle Fatalisten: Der Artikel kommt zu folgender Conclusio:

Salopp zusammengefasst: Bloß auf Pornos zu verzichten wird das Klima wohl nicht retten.

(Online findet sich das ganze hier, kostet aber Knete. Weil guter Journalismus nich umsonst is, nech?)

Im Wissensteil wird dann übrigens erläutert, warum in Rudeln von Tieren eigentlich alle mit allen Sex haben und das ein evolutionärer Vorteil ist. (Liest man gegen Währung hier.) In diesem Sinne: Sport frei und vielleicht statt Pornos gucken einfach mal in den Wald gehen und ein Rudel Tiere beobachten.

Frohes Eiersuchen.

Social whaat? – Alltag

Ein weiser Mann sagt mir dieser Tage immer wieder, ich soll die Dinge positiv sehen. Na jut.

Was soll ich sagen. In der Redaktion ging bereits letzte Woche die Panik um, nachdem der Chefchef ein Verdachtsfall war. Das fette Arschloch faselte irgendwas von Feldbetten und ich machte mich dünne.

Nun befinde ich mich in der sehr privilegierten Lage, dass meine Arbeit komplett onlinebasiert ist und ich das von egal wo machen kann. Bloß, dass das fette Arschloch immer meint, wir sollen nicht ganze Wochen im Home Office bleiben und wenn dies und das, dann dürfen wir nicht ins Home Office, bla. Letzte Woche konnten wir auf einmal nicht schnell genug verschwinden.

Win für mich: Ich muss seine dumme Fresse nicht sehen und sein dummes Gelaber nicht hören. Dasselbe gilt für die Unperson. Kleiner Nachteil: Weil alle im Home Office vor sich hinwurschteln, kommuniziert niemand und am Ende bleibt alles an mir hängen. Es geht doch nichts übers Gebrülle quer durch die Redaktion à la: Tu dies, zackzack! Wenn ich dafür erst telefonieren oder mailen muss – selbst Chat dauert zu lange, weil ich nicht so schnell tippe, wie ich brülle – mache ichs doch lieber schnell selbst. So habe ich unfassbar viel zu tun, neben der unfassbar geschäftigen Nachrichtenlage. Und wir sind ja so irre gut besetzt, weil ja alle voll gern unter der Fuchtel von Fetti arbeiten… Ich beneide die Kollegen nicht, die „nebenbei“ noch Kinder betreuen müssen. Ich liege nur mit Laptop und Katze – der Fell-Good-Managerin – im Bett rum.

Win für die Katze: Abgesehen davon, dass sie jetzt 24/7 unterhalten wird, ist sie postkastrationslädiert und kann den ganzen Tag auf mir liegen und sich gesund schnurren. (Definitiv kein Win für bequemes Liegen.)

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Win: Social distancing. ENDLICH muss ich mich nicht mehr dafür rechtfertigen, ein ungeselliger Waldschrat zu sein! Endlich fühle ich mich nicht mehr verpflichtet, an sozialen Aktivitäten teilzunehmen. Ist das herrlich. Wer hätte gedacht, dass das mal ein Vorteil sein könnte, ein Assi zu sein. Bett, Rudermaschine, Spaziergang am See – was soll ich sagen: Mir reicht das völlig!

See

Im Grunde hat sich für mich nix verändert – außer, dass ich nicht mehr die 10 Minuten zur Arbeit radeln muss. Wie gesagt: Privilegierte Lage. Ich weiß, dass es viele Menschen gibt, für die sich sehr viel ändert, die noch unfassbar viel mehr zu tun haben, die es unendlich viel schwerer haben, die es mir ermöglichen, mich hier im Bett am Arsch kratzen zu können, die für unser aller Sicherheit und Gesundheit da draußen unterwegs sind. Danke an die. Und dann sind da noch ganz viele Leute, die auf ganz hohem Niveau jammern. Naaa aaach. Ich lass das jetzt.

Ich jammer ein bisschen: Madagaskar fällt flach, das ist ganz schön bitter. Um es mal gelinde auszudrücken. (Win für die Katze.) Sex natürlich auch, aber das wollte ich ja eh nicht mehr, nech? …

In diesem Sinne: Haltet alle durch, genießt die Sonne und bleibt gesund!