Zurück zur Isolation

Ich fühle mich von einem ziemlich betrunkenen Typen einfach nur nervig vollgequatscht und fände vier bis fünf bis zwanzig Meter Sicherheitsabstand mehr als angemessen, als meine Begleiter einen imaginären Freund für mich erfinden. Weil ich mal wieder nicht gerafft habe, dass ich angegraben wurde. Weil das ist ja ein vollkommen abwegiger Gedanke… So eine bin ich.

Er bedauert derweil, dass ich schon vergeben bin, weil ich sei ja ne Topfrau. Joa, sagt der Arbeitsgatte. DAS stimmt.
Soooso…

Dennoch, können wir uns bitte alle wieder in Isolation begeben? Ich fühl mich schon betrunken von seinem Atemalkohol…

Ist der Orgasmus der Frau systemrelevant?

Ist der Orgasmus der Frau systemrelevant?“, fragt Steffi Pyanoe von den Potsdamer Neuesten Nachrichten und man – oder zumindest ich – erwartet als Antwort auf die Frage irgendwie doch einen sexy oder gar feministischen Text… So eine spannende Frage, so viele mögliche Antworten.

Das Ergebnis fand ich enttäuschend, ein etwas verschämter Werkstattbericht ohne richtiges Ergebnis und einer witzigen Blaumeisenanekdote, die ich als Fachfrau für Flausch und Fluff natürlich schon kannte. (Ich MAG Blaumeisen!)

Ich weiß, grad ist viel zu tun und so, aber wie unser Volo-Beauftragter sagen würde: „Sehen, hören, fühlen, riechen, schmecken!“ Da muss man dann auch mal an sonem weiblichen Orgasmus lecken! (Uh, der Satz würde ihm gefallen.)

Wie dem auch sei, ohne sehen, hören, fühlen, riechen, schmecken, bloß mit Denken und aus persönlicher Erfahrung heraus stelle ich mir jetzt auch die Frage:

Ist der Orgasmus der Frau systemrelevant?

Wenn man sich die meisten systemrelevanten Berufe so anschaut und mit dem weiblichen Orgasmus vergleicht, könnte man fast sagen: ja. Total unterdurchschnittlich beachtet, total unterdurchschnittliche Anerkennung, total unterdurchschnittliche Bemühungen um die Systemrelevanten. Außer, wenn man sie mal braucht. Dann können sie nicht wichtig genug sein, aber zum Glück braucht man sie nicht so oft, was? Denkste!

Auf der anderen Seite könnte man auch sagen: nein. Denn während systemrelevante Berufe jetzt SO RICHTIG stattfinden, bleiben viele weibliche Orgasmen gerade gewaltig auf der Strecke – es sei denn, sie sind selbst gemacht, aber ob das auf Dauer so das Wahre ist?

Sollte der Orgasmus der Frau systemrelevant sein? Absolut! Orgasmen entspannen, Orgasmen machen glücklich und heben die Laune. Orgasmen senken den Stresslevel, womit man direkt wieder dem Immunsystem was Gutes tut (was übrigens gleichermaßen für den Orgasmus des Mannes gilt). Wie oft haben wir in den vergangenen Wochen gelesen, dass die Corona-Krise gerade für die Frauen eine gewaltige Belastung ist? Arbeit (oft genug in systemrelevanten Berufen), Haushalt, Familie (möglicherweise seit Wochen eingepfercht in der kleinen Wohnung), Kinderbetreuung, Heimunterricht, vielleicht pflegebedürftige Angehörige und dann noch der allgemeine Grundstress: Corona und der ganze Rattenschwanz. Respekt an alle, die da noch Zeit und Energie für Orgasmusherbeiführung haben. Ich – wohlgemerkt im bequemen Bettoffice (immerhin im systemrelevanten Beruf), nur mit Katze, kleinem Haushalt und derzeit zu viel Sport – hab zumindest keine Energie dafür. (Reicht möglicherweise einfache Systemrelevanz? Habe ich bei systemrelevantem Beruf meine Chancen auf systemrelevanten Orgasmus verspielt? *Kurze Panikattacke* Scheint fast so…)

Offiziell systemrelevant ist der Orgasmus (m/w/d) noch nicht. Ich finde, er sollte es unbedingt sein. Ich habe das schon mal gesagt: Sex macht die Welt besser. Wahrscheinlich reicht aber auch schon ein Orgasmus.

Oder was meint ihr?

Fassaden

Diese Isolation ist wirklich voller Vorteile.

Hier, allein mit der Katze, muss ich wenigstens keine Fassaden aufrecht erhalten. Abgesehen von so simplen Dingen wie Haare kämmen und Klamotten überziehen muss man für die Welt da draußen auch ne Rüstung anlegen und die Fassade hochziehen.

Kann ich mir alles sparen. Ich muss nicht die fröhliche Quasselstrippe voller dummer Antworten und Peniswitzen geben. Ich muss mich nicht mit meiner Hässlichkeit, meiner unfassbaren Nutzlosigkeit und meiner menschlichen Unerträglichkeit beschäftigen.

Weil sie hier, in der Isolation, egal sind.

Außer vielleicht die Nutzlosigkeit. Nutzlos bin ich immer noch.

Harte Realität

Sex, Sonne, mein Pony, Fohlen, flauschige Hunde, Familie, Frühling – war alles superschön. War alles natürlich viel zu kurz. Wurde nicht nur durch den sehr unfreundlichen Reifenplatzer unterbrochen, sondern schließlich endgültig durch die Rückkehr ins Bett Office.

Was man nie tun sollte: Die Kollegen fragen, wies denn so war letzte Woche. Dann müsste man nicht die Geschichten von freidrehenden Chefs hören, die sich kritische Anmerkungen verbitten, denn wenn man mit dem, was die Chefs sagen, nicht einverstanden ist, möge man sie doch bitte einfach ignorieren, oder – noch besser – trotzdem einfach tun, was sie sagen, weil meistens haben sie ja doch ein bisschen Recht. Ohne jetzt sagen zu wollen: Haben sie meistens nicht (haben sie meistens wirklich nicht) – warum stellt man Leute für einen bestimmten Job ein, den man selber eben nicht kann, wenn man dann ihre Expertise nicht hören will? Dann sollen sie den verfickten Scheiß doch einfach selber machen.

Moarr. Es ist unfassbar ermüdend. Mit jeder solcher Bemerkungen fühlt sich mein Job nutzloser an und das ist unfassbar unbefriedigend. Weil ich ihn eigentlich gut kann. Aber man zwingt mich dazu, ihn schlecht zu machen.

Es hat keine 24 Stunden gebraucht, um mich in einen Zustand enormer physischer und psychischer Erschöpfung zurückzuwerfen. Mein Hirn hat schon wieder die Psychoquatschscheiß-Spule am Laufen wegen der Sexgeschichte, ich hab Sonnenbrand von der Sonne, mein Pony fehlt mir, (wenigstens die Fohlen und die Hunde haben mir nix getan), die Familie ist nur in geringen Dosen zu ertragen, der Frühling macht mir Schnupfen (danke Raps, sah wieder hübsch aus, kannst das Blühen wieder einstellen) und in der Stadt ist er auch nur maximal ein Drittel so schön, der olle Reifen ist geplatzt und jetz hab ich Panik vor dem armen Auto und dann die Drecksarbeit und potenzielle neue Arbeitgeber, die da schreiben: Sorry, es ist Apokalypse, wir können grad nix entscheiden… Nun ja.

Immerhin die Katze kuschelt intensiv (sie hat offensichtlich Nachholbedarf nachdem ich tagelang außer Haus war), aber eigentlich würde ich mich grad schon gern bei jemandem in die Arme hängen und intensiv mimimin. Aber mehr als 30 Jahre Social Distancing hinterlassen ihre Spuren: Ich wüsste nicht, bei wem. Ich weiß auch ganz ohne Körperkontakt nicht mehr, wen ich noch vollheulen soll. Ich dreh mich ja permanent im Kreis und eigentlich haben sie’s alle nu schon 1000 Mal gehört. Ich hab schon das Gefühl, dass ich mittlerweile alle auf die Nerven geh. Und mich nerven die meisten „guten“ Ratschläge, besten Dank, wenn’s so einfach wär, meinste, ich hätt das nicht schon längst gemacht?!? (Mein Favorit: Such dir einfach nen neuen Job. Muha. Ja. Mit Betonung auf EINFACH. Wär ich auch NIE alleine drauf gekommen.) Gute Ratschläge ohne Anführungszeichen sind selten.

Und wenn dann doch mal Körperkontakt möglich wäre, erstarre ich zur Salzsäule. Mein Name ist Eisprinzessin, halten Sie 1,5 Meter Abstand!

Vieles mag ich außerdem gar nicht erzählen. Da komm ich mir noch blöder vor, als ich eh schon bin.

Hmpf ach. Mimimi. Ich hab keine Lust mehr auf den ganzen Quatsch. Ich möchte bitte mehr Kurzarbeit für mehr Frühlingsspaß und so. Und wenn wir grad bei Wünsch-dir-was sind…

Corontänen-Presseschau – voll veraltet

Da habe ich in der Isolation mal Zeit, endlich den Stapel Zeitschriften und Magazine durchzulesen, der hier so vor sich hinstaubt. In einer „Frankfurter Allgemeinen Woche“, die so alt ist, dass sich darin eine Meldung mit der Überschrift „Neuer Virus in China aufgetreten“ findet – tja und hier sitzen wir nun – findet sich im Wirtschaftsteil das:

Im Jahr 2018 hat Streaming demnach mehr als 300 Megatonnen CO2 freigesetzt – so viel wie ganz Spanien. Besonders pikant finden die Autoren der Studie den Anteil von Pornographie an alledem. 27 Prozent aller gestreamten Videos im Internet seien Pornos. Das Streaming der Sexfilme habe so viel CO2 produziert wie ganz Rumänien.

Ich hoffe, ihr fühlt euch jetzt genauso schlecht wie ich, ihr Umweltsäue!

Gute Nachrichten für alle Fatalisten: Der Artikel kommt zu folgender Conclusio:

Salopp zusammengefasst: Bloß auf Pornos zu verzichten wird das Klima wohl nicht retten.

(Online findet sich das ganze hier, kostet aber Knete. Weil guter Journalismus nich umsonst is, nech?)

Im Wissensteil wird dann übrigens erläutert, warum in Rudeln von Tieren eigentlich alle mit allen Sex haben und das ein evolutionärer Vorteil ist. (Liest man gegen Währung hier.) In diesem Sinne: Sport frei und vielleicht statt Pornos gucken einfach mal in den Wald gehen und ein Rudel Tiere beobachten.

Frohes Eiersuchen.

Mistress Scarlett II

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Mistress Scarlett überwacht GENAUESTENS meine Tätigkeiten im Bett Office. Bitte auf jeden Fall Müdigkeit vorschützen und alle Aufmerksamkeit ihrem weichen Fell widmen!!! Für ihre Überwachungstätigkeiten legt sie sich am liebsten auf meine Brüste – da hat man den besten Überblick.

Beim leisesten Fehlverhalten erhebt sie sich mit gestrengem Blick und ihre Krallen bohren sich unerbittlich und höchst treffsicher tief in meine Nippel… Regelmäßig.

Ich bin in harter Hand.

Zeit in Zeiten von Corona

Ich habe die Vorzüge der Isolation ja hier schon ausgiebig gepriesen. Ich bleibe dabei: im Großen und Ganzen ein Win.

Wäre da nicht das ewige Gedankenkarussell, das da durch Ereignisse vor dem ganzen Gedöns in Gang gesetzt wurde und von dem ich eigentlich gedacht hatte, dass man es relativ schnell anhalten könnte. Oder zumindest mal das zugrunde liegende Problem aus einer anderen Perspektive zu betrachten könnte – woraufhin es sich in Luft aufgelöst oder zumindest weiterentwickelt hätte. Vielleicht sogar in ein – igitt – Happy End.

Jetzt sitze ich hier seit Wochen mit meinem Gedankenkarussell und der Perspektivenwechsel ist dank Reiseentfehlung nicht in Sicht. Mir würde helfen, zu wissen, wann ich mich dann wieder an die Lösungsbetrachtung setzen könnte, aber: Keiner weiß gar nix. Und eigentlich weiß mein gesunder Menschenverstand: Das vernünftigste wäre, wenn der Zustand noch ein ganzes Weilchen aufrecht erhalten würden.

Eins kann ich sagen: Vom Wälzen werden Probleme nicht leichter. Und die Zeit wird nicht kürzer.

Erkenntnisse in Zeiten von Corona

Während ich so die Isolation genieße, arbeite, sonne, sportle, schimmle, sind die Missionare fleißig und unverantwortlich weiter in Aktion, verteilen Viren und schwachsinnige Ideen und klären mit einem simplen Stück Altpapier eine uralte Frage, die ich da hatte:

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Also, warum Jesus starb und wieder auferstand, interessiert mich nicht die Bohne, nur wie es zur Gleichzeitigkeit von „Jesus lebt!“ und „Jesus ist für dich gestorben!“ kommen konnte, hat mich beschäftigt. Ich hatte das mit der Wiederauferstehung verdrängt. Furchtbar überzeugend das alles.

Und damit zurück ins Boffice.

Boffice

Habe ich mal  erwähnt, wie herrlich ich es in meinem Bettoffice finde? Einfach mega der Win. Das fette Arschloch bekomme ich nur noch sehr gedämpft mit und man merkt, wie schwach er auf einmal ist ohne die Rückendeckung vom Chefchef. Da der Chefchef statt wie vorher durch Fetti mit mir zu kommuniziert, jetzt einfach direkt mit mir telefoniert, bekomme ich manchmal sogar gegenläufige Ansagen. Fetti ist einfach nicht gut im Long-Distance-Speichellecken. Der traut sich offenbar schon gar nicht mehr, sich direkt an mich zu wenden, sondern schickt ausgerechnet die Unperson vor. Und selbst die lässt sich dazu hinreißen, über ihn zu lästern, wenn sie seine Direktiven weitergibt. Und auch sie bekommt sehr unterschiedliche Ansagen von Fetti und dem Chefchef.

Alles sehr, sehr possierlich.

Meine Linie: Einfach machen, was ich denke. Löpt.

Jedenfalls, meinetwegen kann das ewig so weitergehen. Ich fürchte nur, Fetti wird das nicht gefallen, weil er sich kaum noch durchsetzen kann.

Der Arbeitsgatte fragt mich zum 1000. Mal, warum ich mir nicht eigentlich nen ganz anderen Job suche.

Die Nymphomane Laterne erzählt von ihrer verschnupften Pornostimme und fragt: Sexhotlines dürfen doch noch arbeiten, oder? Ich hab da eine Idee für einen Nebenjob.

Kannste ja im Home Office machen, antworte ich und frage: Warum mache ich das eigentlich nicht???

Ihre berechtigte Frage: Ja, warum eigentlich nicht?

Kann man auch ungekämmt im Bett machen. Oder in Schlabberklamotten aufm Balkon. Oder, fürs praktisch echte Rumgestöhne, auf dem Rudergerät. Hier oder woanders.

Hmmmm.