Überdruss

Was ist denn hier los? fragte der Quasselkasper einen Bären.
Überdruss, sagte der Bär. Kennst Du Überdruss Kamerad? Scheißstimmung. Das ist Überdruss.

Aus „Janoschs Traumstunde – Der Quasselkasper“

Ich hab Überdruss. Ich reihe mich ein in die Masse der Leute die gestrichen die Schnauze voll haben von Pandemie.

Ja, ich mag das Homeoffice, mich den ganzen Tag nicht anziehen müssen und 24/7 mit der Katze kuscheln und kaspern. Ja, ich schätze es, dass Menschen Abstand halten müssen, dass ich sie ganz legitim anschnauzen kann, wenn sie mir zu nahe kommen. Nö, an meinem Alltag hat sich kaum etwas geändert, schließlich bin ich kein Ausgeher.

Und doch werd ich wahrscheinlich ein bisschen Pipi in den Augen haben, wenn… also sollte ich irgendwann mal die Impfung kriegen. Mir ist klar, dass das eine falsche Sicherheit vorgaukelt, aber trotzdem würde mich das erleichtern.

Ich hab wirklich Angst, mich mit dem Dreck anzustecken. Meine Lunge eskaliert bei jedem kleinsten Erreger völlig und ich brauche immer Monate, damit ich nach einer Infektion wieder auf dem Damm bin. Ich lese Long Covid und denke: NEIIIIN. Neinneinneinneinnein. Keine Lust. Wirklich so überhaupt gar keine Lust.

Meine Cousine, die wegen schwanger und so sehr bedacht war auf Social Distancing und dann erst vor ein paar Wochen in Quarantäne war, weil ihr Bruder sich angesteckt hatte, alles gut gegangen, kam nun coronapositiv ins Krankenhaus, Komplikationen bei der Geburt, Kaiserschnitt und alles isoliert und ganz allein.

Jetzt steh ich meiner Cousine nicht nahe – ihr erstes Kind ist 8 Jahre alt und ich habe es noch nie gesehen, so nahe stehen wir uns – und aus Babys mach ich mir auch so überhaupt gar nix. Trotzdem: Sowas gönnt man keinem. Und es macht doch noch mal erschütternd deutlich, in was für einem dreckigen Dreck wir da stecken.

Ich mag solche Geschichten nicht mehr hören. Ich hab auch keine Lust mehr, dauernd ne Maske aufzuhaben und ständig drüber nachdenken zu müssen: Kann ich das jetzt machen oder nicht? Ich möchte angstfrei in ein Flugzeug steigen können und ja, auch ein paar Leute sehen. Von mir aus auch ohne Körperkontakt, den mag ich wirklich nur, wenns sexuell ist. Oder wenn ich mal ne Umarmung bräuchte, weil halt grad jemand gestorben ist. Ich möchte wieder spontaner sein können, nicht ständig daran denken müssen, ne Maske mitzunehmen und mich nicht einen großen Teil meiner Arbeitszeit mit komischen Querfickern auseinandersetzen müssen. Und überhaupt: mimimi.

Ich kann mir eigentlich kaum vorstellen, dass wir irgendwann wieder zu dem zurückkehren werden, was wir als „normal“ kennen. Gleichzeitig habe ich ein bisschen Angst davor. Ich will mich eigentlich nicht wieder jeden Tag mit Menschen auseinandersetzen müssen. Ich will nicht wieder komisch wirken, weil ich Körperkontakt vermeide wie die Pest. Ich will eigentlich nicht aus meiner kuschligen kleinen Blase raus. Und dennoch: Genau jetzt habe ich Überdruss.

Depressions-Kater

Kennt ihr das? Dieses Nachhallen nach einer fiesen Kopfschmerzattacke? Es tut nicht mehr weh, aber da ist dieses Ziehen, diese Taubheit, dieses Pech beim Denken. In Form ist anders. Oder ist das ein Migräne-Ding?

Ich habe dieses Nachhallen nach einer fiesen Depressions-Attacke. Komplette Taubheit. Und, nun ja, in Form ist anders.

Da ist mir das Leben komplett entglitten und ich wusste, dass das kein Dauerzustand sein würde. Doch dieses Wissen hat nichts daran geändert, dass es furchtbar war.

Der Zug ist wieder halbwegs in der Spur, denn jeder Sturm geht vorbei. Es ist immer noch ganz schön pustig (und wenn das eine Norddeutsche sagt…), aber die rosarote blaue Pille spielt schon länger nicht mehr mit. Habe eh dauernd vergessen, sie zu nehmen, sie dürfte also eh wenig gebracht haben (außer jeder Menge Kopfschmerzen).

Ich habe dieses Nachhallen und mein gelähmter Kopf grübelt viel zu viel. Und ich weiß nicht, ob es mein allgemeiner Winterblues ist, das entglittene Leben oder das social Distancing… Obwohl, das eher nicht, das hat ja kaum was an meinem Leben geändert. Das Einzige, womit ich wirklich hadere, ist, dass ich den Arbeitsgatten und den Kollegen M. nicht werde knuddeln können, wenn es an den Abschied geht. Nicht cool!

Also, ich weiß nicht, ob es mein allgemeiner Winterblues ist oder das entglittene Leben, aber ich bin im Moment extrem einsam. Das ist ein bisschen ungewöhnlich, weil ich schließlich gern allein bin und Soziales viel zu oft als unangenehme Verpflichtung wahrnehme und vielleicht hat es doch mit dem social Distancing zu tun. Nicht die Möglichkeit zu haben, selbst wenn ich wollte – umgekehrte Psychologie…

Ich will auch einfach Mal wieder ordentlich gevögelt werden und bin total vertrocknet und da beschuldige ich definitiv das social Distancing und das ist wirklich albern, als ob ich ohne Pandemie mehr Sex gehabt hätte. Hier draußen in der Provinz, mit der Visage und den Extra-Kilos, deretwegen ich nicht mehr so entspannt nackig rumlaufe wie Anno dazumal.

Aber es ist nicht nur der Sex. Mir ist nach Nähe. Ich glaub, die Katze hat mich versaut. Ich möchte kuscheln und mich verstanden fühlen, ich will mich jemandem anvertrauen können und wenn ich ganz ehrlich bin, will ich einfach nicht mehr immer die sein, die immer alles hinkriegt und das natürlich allein, weil 💪 Ich möchte mich auch einfach mal dem Gefühl der Überforderung hingeben und darauf vertrauen können, dass sich irgendwer anders kümmert. Um Zeug und um mich. Und es ist ein bisschen schmerzhaft, dass die eiskalte Realistin in mir mich dafür auslacht, was sind das denn für alberne Illusionen. Und dann fühle ich mich wieder so wahnsinnig erschöpft, weil ich weiß, dass ich es auch das nächste Mal wieder selber wuppen muss. Und das übernächste Mal. Und das da drauf. Und eh immer.

Manchmal will ich einfach nur aufn Arm.

Zurück zur Isolation

Ich fühle mich von einem ziemlich betrunkenen Typen einfach nur nervig vollgequatscht und fände vier bis fünf bis zwanzig Meter Sicherheitsabstand mehr als angemessen, als meine Begleiter einen imaginären Freund für mich erfinden. Weil ich mal wieder nicht gerafft habe, dass ich angegraben wurde. Weil das ist ja ein vollkommen abwegiger Gedanke… So eine bin ich.

Er bedauert derweil, dass ich schon vergeben bin, weil ich sei ja ne Topfrau. Joa, sagt der Arbeitsgatte. DAS stimmt.
Soooso…

Dennoch, können wir uns bitte alle wieder in Isolation begeben? Ich fühl mich schon betrunken von seinem Atemalkohol…

Ist der Orgasmus der Frau systemrelevant?

Ist der Orgasmus der Frau systemrelevant?“, fragt Steffi Pyanoe von den Potsdamer Neuesten Nachrichten und man – oder zumindest ich – erwartet als Antwort auf die Frage irgendwie doch einen sexy oder gar feministischen Text… So eine spannende Frage, so viele mögliche Antworten.

Das Ergebnis fand ich enttäuschend, ein etwas verschämter Werkstattbericht ohne richtiges Ergebnis und einer witzigen Blaumeisenanekdote, die ich als Fachfrau für Flausch und Fluff natürlich schon kannte. (Ich MAG Blaumeisen!)

Ich weiß, grad ist viel zu tun und so, aber wie unser Volo-Beauftragter sagen würde: „Sehen, hören, fühlen, riechen, schmecken!“ Da muss man dann auch mal an sonem weiblichen Orgasmus lecken! (Uh, der Satz würde ihm gefallen.)

Wie dem auch sei, ohne sehen, hören, fühlen, riechen, schmecken, bloß mit Denken und aus persönlicher Erfahrung heraus stelle ich mir jetzt auch die Frage:

Ist der Orgasmus der Frau systemrelevant?

Wenn man sich die meisten systemrelevanten Berufe so anschaut und mit dem weiblichen Orgasmus vergleicht, könnte man fast sagen: ja. Total unterdurchschnittlich beachtet, total unterdurchschnittliche Anerkennung, total unterdurchschnittliche Bemühungen um die Systemrelevanten. Außer, wenn man sie mal braucht. Dann können sie nicht wichtig genug sein, aber zum Glück braucht man sie nicht so oft, was? Denkste!

Auf der anderen Seite könnte man auch sagen: nein. Denn während systemrelevante Berufe jetzt SO RICHTIG stattfinden, bleiben viele weibliche Orgasmen gerade gewaltig auf der Strecke – es sei denn, sie sind selbst gemacht, aber ob das auf Dauer so das Wahre ist?

Sollte der Orgasmus der Frau systemrelevant sein? Absolut! Orgasmen entspannen, Orgasmen machen glücklich und heben die Laune. Orgasmen senken den Stresslevel, womit man direkt wieder dem Immunsystem was Gutes tut (was übrigens gleichermaßen für den Orgasmus des Mannes gilt). Wie oft haben wir in den vergangenen Wochen gelesen, dass die Corona-Krise gerade für die Frauen eine gewaltige Belastung ist? Arbeit (oft genug in systemrelevanten Berufen), Haushalt, Familie (möglicherweise seit Wochen eingepfercht in der kleinen Wohnung), Kinderbetreuung, Heimunterricht, vielleicht pflegebedürftige Angehörige und dann noch der allgemeine Grundstress: Corona und der ganze Rattenschwanz. Respekt an alle, die da noch Zeit und Energie für Orgasmusherbeiführung haben. Ich – wohlgemerkt im bequemen Bettoffice (immerhin im systemrelevanten Beruf), nur mit Katze, kleinem Haushalt und derzeit zu viel Sport – hab zumindest keine Energie dafür. (Reicht möglicherweise einfache Systemrelevanz? Habe ich bei systemrelevantem Beruf meine Chancen auf systemrelevanten Orgasmus verspielt? *Kurze Panikattacke* Scheint fast so…)

Offiziell systemrelevant ist der Orgasmus (m/w/d) noch nicht. Ich finde, er sollte es unbedingt sein. Ich habe das schon mal gesagt: Sex macht die Welt besser. Wahrscheinlich reicht aber auch schon ein Orgasmus.

Oder was meint ihr?

Fassaden

Diese Isolation ist wirklich voller Vorteile.

Hier, allein mit der Katze, muss ich wenigstens keine Fassaden aufrecht erhalten. Abgesehen von so simplen Dingen wie Haare kämmen und Klamotten überziehen muss man für die Welt da draußen auch ne Rüstung anlegen und die Fassade hochziehen.

Kann ich mir alles sparen. Ich muss nicht die fröhliche Quasselstrippe voller dummer Antworten und Peniswitzen geben. Ich muss mich nicht mit meiner Hässlichkeit, meiner unfassbaren Nutzlosigkeit und meiner menschlichen Unerträglichkeit beschäftigen.

Weil sie hier, in der Isolation, egal sind.

Außer vielleicht die Nutzlosigkeit. Nutzlos bin ich immer noch.

Harte Realität

Sex, Sonne, mein Pony, Fohlen, flauschige Hunde, Familie, Frühling – war alles superschön. War alles natürlich viel zu kurz. Wurde nicht nur durch den sehr unfreundlichen Reifenplatzer unterbrochen, sondern schließlich endgültig durch die Rückkehr ins Bett Office.

Was man nie tun sollte: Die Kollegen fragen, wies denn so war letzte Woche. Dann müsste man nicht die Geschichten von freidrehenden Chefs hören, die sich kritische Anmerkungen verbitten, denn wenn man mit dem, was die Chefs sagen, nicht einverstanden ist, möge man sie doch bitte einfach ignorieren, oder – noch besser – trotzdem einfach tun, was sie sagen, weil meistens haben sie ja doch ein bisschen Recht. Ohne jetzt sagen zu wollen: Haben sie meistens nicht (haben sie meistens wirklich nicht) – warum stellt man Leute für einen bestimmten Job ein, den man selber eben nicht kann, wenn man dann ihre Expertise nicht hören will? Dann sollen sie den verfickten Scheiß doch einfach selber machen.

Moarr. Es ist unfassbar ermüdend. Mit jeder solcher Bemerkungen fühlt sich mein Job nutzloser an und das ist unfassbar unbefriedigend. Weil ich ihn eigentlich gut kann. Aber man zwingt mich dazu, ihn schlecht zu machen.

Es hat keine 24 Stunden gebraucht, um mich in einen Zustand enormer physischer und psychischer Erschöpfung zurückzuwerfen. Mein Hirn hat schon wieder die Psychoquatschscheiß-Spule am Laufen wegen der Sexgeschichte, ich hab Sonnenbrand von der Sonne, mein Pony fehlt mir, (wenigstens die Fohlen und die Hunde haben mir nix getan), die Familie ist nur in geringen Dosen zu ertragen, der Frühling macht mir Schnupfen (danke Raps, sah wieder hübsch aus, kannst das Blühen wieder einstellen) und in der Stadt ist er auch nur maximal ein Drittel so schön, der olle Reifen ist geplatzt und jetz hab ich Panik vor dem armen Auto und dann die Drecksarbeit und potenzielle neue Arbeitgeber, die da schreiben: Sorry, es ist Apokalypse, wir können grad nix entscheiden… Nun ja.

Immerhin die Katze kuschelt intensiv (sie hat offensichtlich Nachholbedarf nachdem ich tagelang außer Haus war), aber eigentlich würde ich mich grad schon gern bei jemandem in die Arme hängen und intensiv mimimin. Aber mehr als 30 Jahre Social Distancing hinterlassen ihre Spuren: Ich wüsste nicht, bei wem. Ich weiß auch ganz ohne Körperkontakt nicht mehr, wen ich noch vollheulen soll. Ich dreh mich ja permanent im Kreis und eigentlich haben sie’s alle nu schon 1000 Mal gehört. Ich hab schon das Gefühl, dass ich mittlerweile alle auf die Nerven geh. Und mich nerven die meisten „guten“ Ratschläge, besten Dank, wenn’s so einfach wär, meinste, ich hätt das nicht schon längst gemacht?!? (Mein Favorit: Such dir einfach nen neuen Job. Muha. Ja. Mit Betonung auf EINFACH. Wär ich auch NIE alleine drauf gekommen.) Gute Ratschläge ohne Anführungszeichen sind selten.

Und wenn dann doch mal Körperkontakt möglich wäre, erstarre ich zur Salzsäule. Mein Name ist Eisprinzessin, halten Sie 1,5 Meter Abstand!

Vieles mag ich außerdem gar nicht erzählen. Da komm ich mir noch blöder vor, als ich eh schon bin.

Hmpf ach. Mimimi. Ich hab keine Lust mehr auf den ganzen Quatsch. Ich möchte bitte mehr Kurzarbeit für mehr Frühlingsspaß und so. Und wenn wir grad bei Wünsch-dir-was sind…

Corontänen-Presseschau – voll veraltet

Da habe ich in der Isolation mal Zeit, endlich den Stapel Zeitschriften und Magazine durchzulesen, der hier so vor sich hinstaubt. In einer „Frankfurter Allgemeinen Woche“, die so alt ist, dass sich darin eine Meldung mit der Überschrift „Neuer Virus in China aufgetreten“ findet – tja und hier sitzen wir nun – findet sich im Wirtschaftsteil das:

Im Jahr 2018 hat Streaming demnach mehr als 300 Megatonnen CO2 freigesetzt – so viel wie ganz Spanien. Besonders pikant finden die Autoren der Studie den Anteil von Pornographie an alledem. 27 Prozent aller gestreamten Videos im Internet seien Pornos. Das Streaming der Sexfilme habe so viel CO2 produziert wie ganz Rumänien.

Ich hoffe, ihr fühlt euch jetzt genauso schlecht wie ich, ihr Umweltsäue!

Gute Nachrichten für alle Fatalisten: Der Artikel kommt zu folgender Conclusio:

Salopp zusammengefasst: Bloß auf Pornos zu verzichten wird das Klima wohl nicht retten.

(Online findet sich das ganze hier, kostet aber Knete. Weil guter Journalismus nich umsonst is, nech?)

Im Wissensteil wird dann übrigens erläutert, warum in Rudeln von Tieren eigentlich alle mit allen Sex haben und das ein evolutionärer Vorteil ist. (Liest man gegen Währung hier.) In diesem Sinne: Sport frei und vielleicht statt Pornos gucken einfach mal in den Wald gehen und ein Rudel Tiere beobachten.

Frohes Eiersuchen.

Mistress Scarlett II

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Mistress Scarlett überwacht GENAUESTENS meine Tätigkeiten im Bett Office. Bitte auf jeden Fall Müdigkeit vorschützen und alle Aufmerksamkeit ihrem weichen Fell widmen!!! Für ihre Überwachungstätigkeiten legt sie sich am liebsten auf meine Brüste – da hat man den besten Überblick.

Beim leisesten Fehlverhalten erhebt sie sich mit gestrengem Blick und ihre Krallen bohren sich unerbittlich und höchst treffsicher tief in meine Nippel… Regelmäßig.

Ich bin in harter Hand.