The other shoe

Es ist alles ein bisschen unwirklich.

Ich fühle mich… wohl.

Ja, ich bin in der tiefsten Provinz, aber es ist eigentlich ganz schön. Die Stadt ist niedlich, die Gegend ist ein Träumchen und überall ist Wasser.

Es dauert deutlich länger, bis hier mal was ankommt – egal was; von der Post, über Nachrichten, MODE, Erkenntnis, die 2000er, dieses Internet bis hin zu Smartphones. Man sieht hier wirklich selten Smombies… Was zum einen am Durchschnittsalter und zum anderen an diesem Internet aus dem letzten Jahrtausend liegen dürfte.

Jedenfalls sorgt das alles für eine enorme Entschleunigung und die Leute sind irgendwie entspannter. Kreativer in ihrer Freizeitgestaltung. (Was wirklich unterhaltsam ist.) Und immer gut gelaunt. Eine unaufdringliche Freundlichkeit, die meine norddeutsch reservierte Toleranzgrenze nie unterschreitet.

Die Arbeit ist auch ganz gut. Es ist mir oft zu viel Regionalgeblubber, aber es ist auch mal ganz angenehm, nicht nur für andere Journalisten, die sich gegenseitig mit dem langweiligsten Kram hochschaukeln können, zu schreiben, sondern wirklich mal zu sehen, was für die Leute wichtig ist. Und was ihnen wichtiger sein sollte.

Ich lerne irre viel, endlich ist mein Hirn mal wieder richtig satt. Ich habe Spaß. Vor allem mit den Kollegen. Die ganze Redaktion muss uns Onliner hassen, dauernd sind wir am Quatschen, Kichern, Dünschiss verkünden. Ich krieg noch Falten vom vielen Lachen. Ja, G nervt manchmal, wenn er wieder den Erklärbär gibt, ja, S spaltet ständig Haare und ja, SL könnte ruhig mal das Maul aufmachen, wenn ihn was stört und aufhören, so zu tun, als könnt ich nix und mich zu übergehen, aber alles in allem mag ich die Jungs. Vor allem den schönen L

Ich habe endlich eine vernünftige Wohnung, ich kann auf dem Balkon (!) in der Sonne rumschlunzen, ich habe freie Wochenenden (!!!) und Geld ist auch nicht so das Problem.

Alles ist irgendwie ok.

Und ich traue dem Frieden nicht. Ich warte immerzu darauf, dass mich endlich wieder die dicke Scheiße niederknüppelt. Es kann doch nicht so einfach gewesen sein.

Aber vielleicht reicht es auch einfach, dass meine Oma gestorben ist…

Werbeanzeigen

Abschied von Peter

Wann Peter Teil meiner Familie geworden ist, weiß ich nicht mehr. Wann ich Teil seiner Familie geworden bin, weiß ich noch ungefähr. Irgendwann in der sechsten oder siebten Klasse, als No. 1a und ich uns gefunden haben.

Peter war der einzige Mensch, der noch exzentrischer war, als wir gern gewesen wären. Der uns in unserer Exzentrik bestärkt hat und wir ihn in seiner.

Peter, der Autogramme gab, nachdem ihn ein Kellner mal für einen bekannten Schauspieler gehalten hat – dem er tatsächlich ähnlich sah.

Peter, der irgendwann mal im Garten meiner Eltern stand, um No. 1a abzuholen und dann zum regelmäßigen Gast wurde – nur um barfuß durchs Moos zu laufen.

Peter, der jedes Weihnachten in meinen Haaren wuschelte und nach seiner Frage, was ich denn im letzten Jahr so getrieben habe, glückselig seufzend feststellte: „Du bist ja so ne Zielstrebige!“

Ach echt?

Peter, Vater von drei Kindern, Opa von sieben Enkeln und so schwul, dass das Klischee alt aussah.

Der das Glück hatte, dass sowohl seine eigene Familie als auch die Familie seines Freundes es total ok fanden, dass sie ein Paar waren.

Ein Paar, das mir Hoffnung gemacht hat, dass irgendwann mal ein ungezwungener Umgang mit allen möglich ist.

Peter, dessen einzige Sorge nach der Krebsdiagnose die war, dass er fett werden könnte.

Dass er sterben könnte, war nicht geplant.

Bin ich nicht einverstanden mit!