Rauschen

Der Doc bescheinigte mir schweres Leck-mich-am-Arsch-Syndrom mit schlechter Prognose und hoher Rezidiv-Gefahr. „Ich kann Sie auch die nächsten sechs bis neun Monate rausnehmen, müssen Sie wissen, wie Sie das bei der Arbeit kommunizieren.“ So verlockend das ist, aber „huhu, entfristet mal meinen Vertrag, ich komm dann nächstes Jahr wieder“ ist wenig realistisch.

Aber gut, allein die Tatsache, dass ich mich die nächsten zwei Wochen nicht mit dem Quatschladen auseinandersetzen muss und dass dem Frühling wieder eingefallen ist, dass er dran ist, ist eine ziemliche Erleichterung. Ich schlappe durchs Dorf zur Apotheke und zum Briefkasten und genieße die Dorfkindvibes. Mitten auf der Straße latschen, weil da eh nur Viertelstarke auf ihren Fahrrädern rumgurken. Vögeln beim „vögel mich, vögel mich“-Rufen lauschen. Den Geruch von Geistesgestörten (also frisch gemähter Rasen, frische Farbe, Grillwurst), die mich für geistesgestört (altes Hippiekind) halten, atmen. Frühling in the village eben.

Und dann fällt mir das Spatzenhirn in den Rücken. Es denkt: Gut, dass du nicht mehr in der Stadt bist, denn dann würdest du jetzt anfangen, an Barcelona zu denken. Und dann würdest du anfangen, an das letzte Mal Barcelona zu denken. Barcelona mit J. Und dann würdest du daran denken, dass morgen vor einem Jahr die Monate aufgebraucht waren.

Was für ein mieses kleines Arschloch mein Spatzenhirn ist!