Schäume

Langsam macht die Pandemie auch mir die Birne weich. Ausgerechnet ich sehne mich nach menschlicher Aufmerksamkeit. Die Katze ist flauschig und süß und so, aber ich könnte halt auch ein bisschen – uneigennützige – Zuwendung vertragen.

Neulich Nacht habe ich von einem Mann geträumt. Keine Ahnung, wer das war, nie gesehen. In meinem Traum war er mir aber sehr vertraut. Deutlich älter als ich, enorm attraktiv, definitiv weit außerhalb meiner Liga. Aus einem Grund, den ich vergessen habe, der rational absurd war, mir aber im Traum total logisch erschien, hatte sich der Typ fünf Jahre lang in seinem Hotelzimmer eingeschlossen. Irgendwie haben eine Hotelangestellte und ich ihn da rausgelockt (mit Lakritzkaffeebohnen? Alles absurd!), und wir haben uns umarmt und geküsst – sehr intensiv geküsst, mit Zunge und so, ausgerechnet ich – und es war warm und vertraut und geborgen und definitiv etwas, was ich nie mit einem Mann hatte.

Seit diesem Traum laufe ich rum wie ein Zombie. Mein ganzer Körper schreit nach Umarmungen und meine Seele nach Zuneigung und Geborgenheit und alles in mir – nicht nur die Eidechse – will Wärme.

Ich sag ja: Mir wird die Birne weich!

Spätsommerdepression

Ich habe das Gefühl, Spätsommerdepression ist meine neue Winterdepression. Letztes Jahr war das Loch ja schon metertief. Dieses Jahr bin ich so tief unten, dass mein Hirn vom Druck zu platzen droht. Keine Übertreibung: Mein Hirn schmerzt permanent. Dumpfer Druckschmerz, der von düsteren Gedanken noch dumpfer wird. Seit Wochen geht das so. Trägt nicht gerade dazu bei, die Stimmung zu heben.

Ich stelle wieder fest: Ich kann mein Leben ändern, auf den Kopf stellen, die Dinge ändern, die ich ändern kann – und das Leben hat nichts besseres zu tun, als mich mit Scheiße zu bewerfen.

Zu allem Überfluss sind mir nun auch noch die Ausreden ausgegangen, es hilft nix, ich muss wieder ins Büro. Und was soll ich sagen: ES IST KOMPLETT SINNLOS. Nicht nur, dass ich meine Zeit verplempere: Es ändert an meiner Arbeitsweise absolut überhaupt gar nichts. Im Gegenteil: Das Redaktionsnetzwerk ist komplett überlastet und unser veraltetes Redaktionssystem macht deshalb regelmäßig komplett die Grätsche, weshalb ich für Dinge, die mit meinem heimischen WLAN (nicht mal besonders fancy) normalerweise 30 Sekunden dauern, manchmal bis zu 10 Minuten brauche. Und das dutzendfach pro Schicht. Es ist also nicht nur Verplemperung meiner Zeit, sondern auch Verplemperung der Zeit der Firma. Ich sach ja bloß. Dazu kommt, dass wir im Großraumbüro doch nur chatten, weil wir aufgrund der Corona-Abstände so weit auseinander sitzen, dass wir brüllen müssten, um uns zu verständigen und damit alle nervten. Also: Alles wie vorher. Privat redet auch keiner mit mir, nicht, dass ich das wollen würde, aber es wirft halt jeden Tag deutlicher die Frage auf: WAS SOLL DAS EIGENTLICH? Und je mehr ich mit meiner Keinen-Bock-hier-zu-sein-Fresse rumlaufe, desto mehr isoliere ich mich selbst. Trägt alles nicht gerade dazu bei, die Stimmung zu heben.

Die Katze findet das auch nicht gut.

Ebendiese Katze und die Pandemie haben meinen unsteten Nomadismus zum Stillstand gebracht. Nicht, dass ich nicht mehr rumziehen wollen würde. Es zieht in mir an mir. Aber ich krieg ja schon bei dem Gedanken, die Katze für ne Woche alleine zu lassen, komplette Schnappatmung. Da sind halt die Prioritäten anders. Und während ich so im Garten liege, die schnurrende Katze auf meiner Brust, meldet sich das leise Stimmchen in mir immer lauter, das sagt: Ich wär schon gern mal irgendwann irgendwo zu Hause. Und das ganz sicher nicht hier. Und mein beschissenes Hirn quält mich mit Wunschvorstellungen von dem, was ich gern hätte – und nie haben werde.

Ich werde mir nie aus eigener Kraft ein Zuhause leisten können und müsste halt aufs Erbe warten, was erstens nicht so erstrebenswert ist und zweitens auch hoffentlich noch so lange dauert, dass ich dann wohl eher keine Katze mehr haben werde, die mich zur Sesshaftigkeit schnurrt.

Das leise Stimmchen in mir säuselte in letzter Zeit häufiger vom Haus meiner Großmutter, das ziemlich viel von dem erfüllt, was ich mir wünsche. Wahrscheinlich hat es mir all die Flausen nur in den Kopf gesetzt. Nur, wie so oft, stellt sich die Frage: Wie soll ich da Geld verdienen? Denn natürlich wohnt Oma mitten in der Pampa, hinten im Naturschutzgebiet, kurz vorm Ende. Also: der Welt. Die Zeiten des Home Office hatten da noch mehr Flausen in meinen Kopf gesetzt und jetzt hat mir jemand diesen Stuhl unterm Arsch weggetreten!

Und dann verkündet der Papa, dem das Haus seit Opas Tod gehört, dass er es an den Onkel, dem die Hälfte des Grundstücks gehört, verkaufen will.

Also kann der sich mit dem kompletten Pack die Rente versilbern, oder meine Cousine kann irgendwann den dicken Reibach machen und mein Bruder und ich gucken in die Röhre.

Natürlich kann mein Papa mit seinem Haus machen, was er will und mit dem Geld eh. Ist schließlich seins und nicht das von mir und meinem Bruder. Abgesehen davon scheue ich mich, ein Veto einzulegen, weil ich keine Ahnung habe, wann und ob ich überhaupt je in der Situation sein werde, das Haus auch wirklich nutzen zu können. Wäre dann ja auch dumm. Und trotzdem: Jetzt hat mir noch jemand den Stuhl unterm Arsch weggetreten!

Nicht mal Träume gönnt mir mein Leben noch.

Es fehlt mittlerweile wirklich nur noch ne Kleinigkeit, bis mein Druckkopf platzt.

Mir verursacht schon das Nachrichtengeräusch des Telefons Tinnitus, weil endlich das Ende der Probezeit und damit der Beginn des Urlaubs ansteht und eine Freundin fragte, ob wir wie in alten Zeiten wie immer in der ersten Oktoberwoche nach Frankreich fahren und ich meine klar, ich will, ich habe nur massive Schnappatmung wegen der Katze, aber lass mal machen und dann meint sie aus dem Nichts so: Das geht doch klar, dass wir mit deinem Auto fahren, ne? Und ich so: Bruhahahhaha.

Dann können wir doch ein Auto von deinen Eltern nehmen, findet sie und ich frage mich, welcher erwachsene Mensch ernsthaft auf so eine Idee kommt.

Wie dem auch sei: Das Problem hat sie bei mir abgeladen. Und ich will darüber nicht nachdenken. Kann halt auch kein zuverlässiges Auto stricken, so ganz spontan.

Urlaubsvorfreude im Arsch und vielleicht lieg ich auch einfach drei Wochen mit der Katze im Bett. Mir erscheint das sehr attraktiv.

So wird der große Kackekuchen permanent mit so kleinen Kackestreuseln bestreut, die für sich genommen total unbedeutend sind, aber um mein Fass herum grad Überschwemmung machen. Und ich hab einfach keine Lust mehr. Also so gar keine.

Snowflake

Der große Häuptling gewährte mir in seiner großen Güte und Gnade eine Sonderregelung, mit der ich bis Ende Juli im Home Office bleiben darf. (Was genau im August an der Situation so anders sein soll – außer dass die Ansteckungsgefahr NOCH ein bisschen größer ist, so wie die Dinge laufen – weiß ich auch nicht so genau.) Er tat das natürlich nicht ohne ekelhafte Großkotzigkeit, sonst wäre er nicht großer Häuptling. Er wolle „die Gelegenheit nicht ungenutzt lassen, darauf hinzuweisen“, dass er in keiner Weise verpflichtet ist, mir das in seiner großen Güte und Gnade zu gewähren. 🤢 Und das alles in einer Mail, der man anmerkte, dass er eigentlich gar nicht mehr so genau weiß, wer ich bin. Weil wir uns genau einmal gesehen haben, weil meine Anwesenheit in der Redaktion bisher kein Stück notwendig war, aber ich denke, bis nächsten Sonntag werden sich dringende betriebliche Gründe manifestiert haben, deretwegen ich UNBEDINGT da sein muss.

*Scrollt durch Stellenanzeigen*

Derweil höre ich, dass das Haus mit dem Blick auf den Pazifik und die vorbeiziehenden Wale und den krächzenden Langschnabelsittichen oben an den 383 Stufen verkauft werden soll. Es ist wie ein zweiter Verlust nach dem Verlust des Home Office. Dass mir dieser wunderherrliche, inspirierende Ort für mich verloren gehen soll.

Besonders fies ist eigentlich, dass ich mir das sogar fast leisten könnte. Abgesehen davon, dass es für Ausländer nicht ganz einfach ist, Grundstücke in Chile zu kaufen: Moarrr. Geht schon allein wegen der Katze nicht. Und: Das Geld, mit dem ich für eine Weile wie die Bohemienne leben könnte, als die ich mich dort sehe, wäre dann futsch.

Und dann denke ich: Alte, du hast dieses Geld auf Kante, schmeiß doch den Quatsch hin und überleg dir zwei Jahre lang was Besseres! Du kannst immerhin drei Sachen, die andere nicht können. Immerhin haben diese Skills dir im letzten Monat zwei kleinere Projekte nebenher eingebracht, für die die Auftraggeber zu doof waren und die ich mit einer halben Stunde Arbeitsaufwand geklärt habe – und mit denen ich mir allerhand Chichi gegönnt habe, den ich sonst erstmal nicht angeschafft hätte.

Und dann kommt die Stimme der Vernunft und sagt: Und wenn dir nichts Besseres einfällt? Passiert ja schon seit Jahren nicht. Und diese Jobs fallen gelegentlich vom Himmel, zuverlässig beschaffen kannste dir das nicht.

Ich bin ein fucking millenial snowflake und ich will mich bitteschön auf ganz hohem Niveau beklagen und dass gefälligst meine Bedürfnisse beachtet werden und mein Bedürfnis ist halt grad Home Office, kann doch nicht so schwer sein!

Mimimi.

Isolation und Hormone

Fünf Nächte, fünf Mal sehr heiße Sexträume. Unterschiedliche Partner unterschiedlichen Geschlechts mit sehr unterschiedlichen Stilen. Und alles sehr, sehr geil.

Selbst für meine Verhältnisse ist das eine ziemliche hohe Frequenz  – und es sorgt für eine enorme Masturbationsfrequenz. Einmal muss ich ja quasi nachm Aufwachen – und eigentlich jedes Mal, wenn ich dran denke.

Gar nicht mal so unanstrengend.

Fragt sich, wies kommt? Bin auch nicht untervögelter als sonst. Und ich mein, hey, Vögeln mit No. 3 war erst Anfang Februar. Nun ja. Befriedigend ist anders.

Sind’s die Hormone? Wer weiß. Mein Zyklus stammt ja von nem Planeten, auf dem Zeit sehr variabel ist. Ich kann es nicht immer eindeutig zuordnen.

Ist es die Isolation? Dabei ist ja gar nicht so viel anders. Aber: Ich kann meine sexuellen Energien nicht mehr so direkt am Arbeitsgatten und am Nerd ablassen.

Man weiß es nicht. Aber sobald die Sofa-Apokalypse beendet ist, muss einer dran glauben!

(Over und Finger in den Schritt.)

Alpwach

Ich träume, dass mein Vater sturzbetrunken versucht, sich umzubringen. Nur halt viel zu betrunken ist. Ich bugsiere ihn die Treppe hoch und ins Bett und wache auf. Unfassbar erschöpft.

Die Erkenntnis, dass die Zeit, in der das die Realität war, vorbei ist, nimmt kein Gramm Last von mir. Der Kampf hat sich nur verschoben. Aber er bleibt da.

Von Dumpfbirnen

Der Kaffee hat mein Hirn weich gemacht. Und meine Muschi feucht. Ich kann immerzu nur an leidenschaftlichen, harten Sex mit No. 3 denken.

Zurechnungsfähigkeit geht gegen 0. Also erhöre ich sein immer mal wiederkehrendes Flehen und schreibe ihm zurück…

Natürlich ist er direkt ganz aus dem Häuschen und fantasiert auch ordentlich von leidenschaftlichem, hartem Sex mit mir. Und wann wir das denn wohl mal wieder en persona machen könnten. Ich denke an unsere letzte Begegnung und lasse das mal offen.

Was ihn nicht davon abhält, gleich GANZ hart in die Fantasiererei einzusteigen. Weil er mir so sehr vertraut – mehr als jeder anderen Frau – sage er manchmal – natürlich im Scherz – dass ich Potenzial als feste Freundin hätte. (Mir kommt das Gesäusel doch wieder sehr bekannt vor, und an seinem Beziehungsstatus hat sich auch nichts geändert– obwohl er mal wieder sicher ist, dass die Trennung imminent ist!)

„Also, ich sehe dich halt so“, schreibt er. „Ich weiß nicht, ob du mich jemals so gesehen hast.“ Weil ich ein viel zu weiches Herz habe, erläutere ich ihm erneut, dass ich mir das NICHT vorstellen kann, weil er einfach zu ehrlich zu mir war und mir Zeug erzählte, dass man einer festen Freundin eher nicht erzählt.

„Traurig“, findet er das und vielleicht wird er mich ja eines Tages überzeugen können. So viel zum Thema Scherz.

Seine Lösung für alles: Wir müssen uns einfach mehr sehen! Schließlich haben wir eine ganz besondere Verbindung!!! (Ja, irgendwie ja, aber ich habe auch ein ganz besonderes Bedürfnis, ihn zu erwürgen. Und mich irgendwie auch.)

Ich mache ihm da keine Hoffnungen, was ihn nicht weiter aufhält. Was interessieren ihn meine mäßigenden Wort von vorgestern, wenn er heute schreiben kann: „Kannst du dir vorstellen, mich deiner Mutter vorzustellen?“

W… Waaa?

Er findet, das sei unvermeidlich. Früher oder später würden wir sowieso zusammenkommen.

Ach sooooo. Na wenn das so ist…

Ich will ja nicht lügen. In meinem Spatzenhirn finden durchaus auch so Zulunftsfantasien mit ihm statt. Allerhand blödsinniges Zeug mit viel befriedigendem Sex.

Aber: 1. Handelt es sich um ganz allgemeine Zukunftsfantasien, die ich eh habe, angereichert um guten Sex, den ich auch mit jemand anders haben könnte, so ich mir mal die Mühe machte, nen Stecher aufzutreiben.

2. Bin ich in der Lage, zu berücksichtigen, was war und was ist.

Conclusio: IN YOUR FUCKING DREAMS!

Wobei ich nicht ausschließen möchte, mich gegebenenfalls doch noch mal auf Rumfickerei mit ihm einzulassen. Weil ich wirklich sehr, sehr untervögelt bin. Aber ausschließlich nach meinen Bedingungen und auf seine Kosten. Heiraten muss er schon ne Andere.

Traumunbedeutung

Während ich mit unbefriedigend mäßig produktivem Husten rumliege und für Sex viel zu schlapp bin, träume ich halt von Sex. Fünf Sexträume in nur einer Nacht, das ist ganz schön anstrengend. Auch nach dem Aufwachen noch.

Interessant dabei: Es war schon sehr, sehr sexy und höchst befriedigend, aber auch viel Zeug dabei, was ich mir in Echt gar nicht vorstellen könnte. So zum Beispiel hübsch zusammengezuppelt (neiß), mit einem sehr heißen Kerl (neiß), mit einer perfekten Dosis Gemeinheit (neiß), sehr arschbetont (neiß), viel Publikum (oh näää!). Wobei mich das im Traum kein bisschen störte, im Gegenteil.

Während ich nach dem Aufwachen darüber nachdenke, dass ich offensichtlich drei Pornos zu viel gesehen habe, fällt mir ein, dass das auch immer wieder mal in meinen wachen Sexfantasien eine Rolle spielt…

Jetzt finde ich mich irgendwie seltsam…

Guter Vorsatz – frommer Wunsch?

Etwas will ich dann doch noch von 2017:

Eine würdige No. 8.

Jemanden, der mich anmacht, mit dem ich mich sexy fühle, den ich sexy finde, der meinen Körper und mein Hirn fickt, der mich aus meiner comfort zone treibt, der meine Kreativität weckt, bei dem ich mich fallen lassen kann.

Weiter nix.

Ich habe wieder Lust auf Lust.

Wenn Sex nur noch im Traum stattfindet…

Ich habe keinen Sex mehr, also träume ich davon.

Sehr seltsam, was sich mein Unterbewusstsein da zusammenfabuliert.

Erst liege ich mit einem mir unbekannten russischen Mitbürger im Bett und lese Tolstois „Anna Karenina“. Er sagt, wenn ich das ernsthaft zu Ende lese, wird er nicht mit mir ficken. Wir hatten dann großartigen Sex…

(Lieber unbekannter Russe: Du hast Recht, wenn man den Tolstoi zu Ende liest, dann ist es allein schon zeitlich nicht mehr möglich, noch Sex zu haben. Außerdem habe ich schon mal versucht, den zu Ende zu lesen… Ich halte mich dann doch lieber an den Film. Den mit Sophie Marceau, nicht den mit dieser nervigen, verhungerten Hollywood-Schranze.)

In der nächsten Traumszene finde ich mich mit No. 3 und einer Prostituierten im pinken Body im Bett meiner Großmutter wieder…

Liegt es an meiner Winterdepression, der Tatsache, dass No. 3 mir bei unserem letzten Kontakt etwas auf die Nerven gegangen ist, oder an dem abwegigen Setting, dass ich nicht mal bei dem Gedanken an ihn tatsächlich Bock auf Sex kriege?