Bleibender Eindruck

No. 1a zeigt ihrem neuen Stecher ihre Geburtsstadt Lübeck. Ich schlappe als nörgelnder Sidekick nebenher (diese Stadt und ich, wir werden nie wieder auf einen grünen Zweig kommen).

Sie erklärt ihrem Typen aus der Provence die Geschichte von der Marienkirche und dem Teufel. Und dass es Glück bringen soll, die Teufelsfigur vor der Kirche anzufassen. Er piekst den Teufel halbherzig in den Oberarm. Ich erläutere ihm vor einer kompletten französischen Reisegruppe in meinem breitesten Bauernquébécois: Naaan, faut qu’t’touches icitte! und lange der Figur in den Schritt. Kichern und betretenes Schweigen. Er guckt sich völlig ungerührt noch mal den Teufel an und sagt: Sieht aber an den Hörnern viel abgegriffener aus als im Schritt… Aber da gefällts ihm sicher VIEL besser!

Am Ende findet er auch noch, ich hätte viel mehr Klasse als No. 1a – weil ich nach dem Verzehr eines Salmi-Lollis nicht wie sie überall Schokolade im Gesicht hatte…

Möglicherweise kann man mit dem Typen fast vielleicht ein bisschen arbeiten…

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Sagen Sie jetzt nichts.

Disclaimer: Meine Eltern waren Bewohner des Dorfes 1004. Ich bin ÜBERHAUPT NICHT indoktriniert. Meine Fotoauswahl ist TOTAL unvoreingenommen.

Peace! 🌸

Ach Barcelona

Zehn Jahre sind vorbei und doch ist kein Tag vergangen. Wir haben sofort wieder zusammengefunden, mein Barcelona und ich.

Allein der Metro-Geruch weckt die Erinnerung daran, welche Linie wo hält. Ich wusste gar nicht, dass ich das mal so genau wusste. Aber ja, ich erkenne jede Station wieder. Ihren Klang, ihre Wege.

Jede Durchsage weckt die alten Katalanisch-Kenntnisse, die ich (fast) nie wieder gebraucht habe. So nachhaltig, dass ich ohne drüber nachzudenken nach dem blauen „El Periódico“ greife – der katalanischsprachigen Ausgabe der Zeitung.

Ich stapfe durch die regennassen Straßen, atme den besonderen Duft der Stadt und genieße die besondere Stimmung bei grauem Himmel. Das sonst so fröhliche Barcelona wirkt düster und morbide und doch verleiht dieses Wetter ihm gleichzeitig diese einzigartige Eleganz, diese leise Überlegenheit.

Und überall der Duft von Flieder…

Neinnein, das ist kein Pipi in meinen Augen, das ist der Regen.

Ich lausche dem Spanisch der Katalanen und obwohl es das Spanisch ist, das ich ganz am Anfang mal gelernt habe, klingt es irgendwie seltsam nach all den Jahren Chilenisch. Es mündet in die ultimative Verwirrung, als ich wafle con frutillas statt gofre con fresas bestelle und erst der zentralamerikanische Kassierer das Missverständnis einigermaßen aufklären kann.

Und dann kommen sie zurück: Die Sonne in den Häuserschluchten, die kreischenden Halsbandsittiche.
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Ich erinnere mich an den unsinnigsten Kram, unzählige winzige Momente in Barcelona. Und ich suche die Erinnerung. Ich wandere durch mein Viertel, ich tappe in meine Bäckerei, bestelle dümmlich grinsend ein Croissant und betrachte die hässlich braune Einrichtung, an der sich nichts geändert hat. Ob sie wenigstens das überteuerte Eis im Kühler mal ausgetauscht haben?

Ich denke ganz viel an No. 1 und erinnere mich stets daran, dass ich unsere gemeinsame Zeit in Barcelona gerade ganz böse idealisiere. Und ich denke an all die Dinge, die er mir gezeigt und ermöglicht hat und dann bin ich irgendwie ganz schön dankbar und ein bisschen fehlt er mir…

Ich schwelge in Tortillas de patata, Patatas bravas und kurioserweise in Pa amb tomàquet, dem ich sonst nie so viel abgewinnen konnte – vor allem, nachdem ich Hunderte davon zubereitet habe…

Ich mache mit J. ganz viel Touri-Quatsch, den ich nie so gemacht habe, stelle fest, dass viel mehr Touris da sind als früher mal und dass sie noch mehr abgezogen werden als früher mal.

Und der Kreis schließt sich an den Treppen zum Museu Nacional d’Art de Catalunya, auf denen ich damals schon einmal saß, an einem meiner letzten Tage in Barcelona, auf die Plaça d’Espanya guckte und flennte.

J. fragt mich sehr ernsthaft, ob ich sie wohl noch zum Flughafen bringe, mit einem Augenzwinkern davon ausgehend, dass ich wohl bleiben werde. Sie fragt mich, warum ich eigentlich damals meine Sachen gepackt habe.

Ja, es gab Gründe. Es gibt aber eigentlich keinen, warum ich nicht zurückgekehrt bin…

Ach, Barcelona, meine Alte. Wir sehen uns wieder. Nicht morgen, nicht nächste Woche, aber bald!

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Karma

No. 3 kommt ja immer mal wieder mit „ichvermissdichso“-Mimimi. Ich bin vor ein paar Wochen aus reinem Eigennutz son bisschen drauf eingegangen, weil ich am Freitag relativ früh am Flughafen in Berlin sein muss und ich deshalb dort übernachten möchte.

HALLO, Fuckboy.

Dann hab ich ihn also ein bisschen lauwarm köcheln lassen, um ihm dann mitzuteilen: Sorry, die J. kommt auch schon am Vorabend nach Berlin, ich schlafe dann mit ihr. Byebye.

„Warum hast du mir denn überhaupt erzählt, dass du nach Berlin kommst, wenn du mich gar nicht sehen willst?!“ und lauter derlei verbales Fußaufstampfen. Ausgiebig.

Ach, ich habs ja verdient.