Ganz neue Verhandlungstaktiken

Eine häufige Situation dieser Tage: Leute, die mich nicht kennen, fragen die Leute, die mich vorstellten: Aber spricht sie Spanisch? Oder sie reden mit mir, als wäre ich komplett verblödet.

Meine Freunde klären dann auf: Nein, sie kann ganz toll Spanisch, sie versteht alles, sie spricht perfekt.

Nach spätestens einer halben Stunde gibt sich keiner mehr Mühe, alle haben gemerkt: Sie versteht den schlimmsten Assi-Slang, selbst wenn drei Leute gleichzeitig auf sie einreden. Sie spricht ihn selbst. Und alle so: Wahnsinn, du sprichst ja irre gut Spanisch. Und gar kein Gringa-Akzent.

Ja nu, ich hab mir jahrelang den Arsch dafür aufgerissen. Außerdem war es praktisch DAS Ziel meines Studiums, so zu reden, als wär es meine Muttersprache.

Wie dem auch sei, ich bilde mir tierisch was ein auf mein Spanisch. Mich bringt keine Gesprächssituation aus der Ruhe.

So wandert Darf man das? fröhlich pfeifend über den Bauernmarkt in der Provinz und sucht nach den schönsten, reifsten Avocados. (Oooh, diese Gaumenfreude, frisch geerntetes, vollständig durchgereiftes Obst zu mampfen… Ich werde demnächst an einer Überdosis Pfirsich versterben… Exkurs Ende.)

Was suchen Sie, caserita? (wörtlich: Hausfrauchen; immer höchst liebenswürdig in ihren Diminutiven, diese Chilenen), quatscht ein Verkäufer das Hausfrauchen (höhö) von der Seite an.

Avocado, sagt das Hausfrauchen, will ihm dann aber verklickern: Die Avocados in seiner Auslage sind mir viel zu klein, um dafür die Moneten rauszukramen.
„La tiene muy chica“, sage ich und in dem Moment, in dem mir der Satz aus dem Mund purzelt, stelle ich selbst fest, dass ich ihm gerade mitgeteilt habe, dass er nen kleinen Schwanz hat.

Der Blick… Unbezahlbar.

Ich habe dann aus lauter schlechtem Gewissen drei Miniatur-Avocados mitgenommen. Für einen unschlagbaren Preis…

Steig auf den Vulkan, haben sie gesagt.

Die Aussicht ist atemberaubend, haben sie gesagt.

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Seit Wochen keine Wolken, haben sie gesagt.

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Man sieht den Krater qualmen, haben sie gesagt.

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Und in all dem Dunst, Regen und Hagel schreitet man dann hin und atmet Schwefelduft. Hach, die gute Bergluft.
Übrigens möchte ich Bürotussis wie mir keinesfalls empfehlen, morgens am Strand zu liegen und dann nachmittags auf einen Vulkan zu stiefeln. Und das in einer Gegend, in der man nicht an jeder Ecke Kokablätter kaufen kann (die machen das Ganze doch deutlich einfacher, stelle ich fest).
Aber ja, war wieder alles ganz schlimm. Urwald und Wasserfälle und so. Schlimmschlimmschlimm.

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Alma mater

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Früher, also ganz damals, hatte ich einen Heidenrespekt vor Universitäten. So viel Wissen und Weisheit auf einen Haufen, da war ich immer ganz ehrfürchtig. So schlau werd ich NIE, dachte ich ganz niedlich. Als ich dann selbst hintappte, stellte ich fest: Die sind auch nich schlauer als ich. Einige sogar – ühüü – weniger schlau. Eigentlich viele. Ühüüüüü.

Meine chilenische Uni schafft es allerdings immer noch, ein bisschen respekteinflößend auszusehen (und vielleicht bin ich ein ganz kleines bisschen nostalgisch… Sooo viele Erinnerungen).

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Die Intello-Fakultät (also meine):

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Praktischerweise direkt neben dem Platz, auf dem Polizei und Studenten regelmäßig Steine und Tränengas austauschen. Es heißt, die Geisteswissenschaftler seien die krawalligsten. Sicherlich die politischsten.

Sogar aufm Klo:

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Inklusive Rechtschreibfehler. So viel zu Wissen und Weisheit…

Wie son Kleinkind

(Aber ein sehr, sehr glückliches.)

Nur kurz am Busbahnhof, Fahrkarten gen Süden kaufen.

Einen Chirimoya-Saft, einen Kaffee lateinamerikanischer Röstung (*glücklichstöööhn*), eine Käse-Empanada, eine Gemüse-Empanada, einen vegetarischen Completo, einen großen Mote con huesillo und aaach, noch einen Chirimoya-Saft später stelle ich fest: Ich brauch keine Fahrkarte mehr. Kann alleine hinrollen.

Und das war nur das Frühstück…

Rülps.

Und nun das Fazit.

Normalerweise beginne ich um diese Jahreszeit das große Gemaule. Alles schlimm. Dieses Jahr ist so vieles anders.

Ja, schlimm: Die Oma ist gestorben. Die Eltern sind total ausgeflippt. Die Muddi ist im Krankenhaus verschollen (es ist übrigens fast GAR NICHT stressig, wenn man nach einer riskanten OP nix von der Muddi hört. Für euch getestet.) Ich war ewig totsterbenskrank.

War schon doof.

Dafür bin ich endlich umgezogen. In eine zwar abgelegene, aber doch sehr, sehr nette Gegend. Am See. Herrlich.

Ich habe endlich einen neuen Job. Der ist jetzt zwar nicht das Anspruchsvollste, was ich tun könnte, dafür habe ich Spaß. Mit meinem geliebten G. Dem schönen L. Dem fabelhaften F. Dem stilltiefen Wasser M. Dem uncharmanten Herrn B. Dem fetten (seine Worte!) G. Dem völlig irren Chef. Und ja, irgendwie auch dem Nerd. Hassliebe. Meine verrückten Jungs…

Ich war viel unterwegs. In Polen und auf Usedom. In diesem komischen Sachsen. In Russland. In Norwegen. Beim Schneewittchen hinter den sieben Bergen. Auf Rügen. Und auf Usedom – und dann auch gleich wieder in Polen. In München. Und eh dauernd in Hamburg und in Schleswig-Holstein. Und ja, auch in Berlin. Und am Mittwoch geht’s gleich weiter mit diesem Unterwegs.

Ich war viel am Wasser. Hier am See. An der Ostsee überall. An der Nordsee, am Nordmeer, an der Barentssee. Am Stettiner Haff. An der Elbe, der Oder, der Moskwa, der Newa, der Isar, dem Siebenbergebach.

Ich hatte viel Sonne. Schon allein wegen diesem irren Sommer. Und der Mitternachtssonne in St. Petersburg. Und der Mitternachtssonne in Norwegen. Nehm ich mehr von. Diese Woche noch 🙂

Ja, doch, war ganz ok, dieses 2018. Wer hätte das gedacht. Nur das mit dem Sex war irgendwie… Lassen wir das…

Was will ich von diesem 2019? Mehr Unterwegs! Chile ist klar, geplant sind Buchmesse und endlich, endlich wieder Batzelooona. Vielleicht Portugal? Auf jeden Fall zur Eheschließung des liebsten Exkollegen. Und irre viel Hamburg. Und was immer noch so anfällt 🙂
Im Job: Mal sehen, wie der Chef sich rührt. Er hatte ja „Großes“ mit mir vor. Ich habe eine Ahnung, was er plant, DEN Zahn muss ich ihm ziehen. Ich habe einen anderen… Wir werden sehen… Vielleicht wird’s dann weniger schimpansig…
Und das mit diesem Sex… lassen wir das. Ich bezweifle, dass das unter diesen Vorzeichen noch was wird.

In diesem Sinne: Frohes Neues!

Ich habe ein Suchtproblem

Nachmittags noch schnell ans Meer gefahren. Aus reiner Starrsinnigkeit INS Meer gegangen, weil ich gesagt hatte, dass ich am nächsten warmen Tag noch mal reingehe, weil ich das das ganze Jahr noch nicht gemacht habe. Obwohl – oder gerade weil – es so warm war.

Schön, wenn man seine Gliedmaßen wieder spürt…

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Und das Hinterland ist ja auch ganz nett…

Am nächsten Morgen wieder zurück gefahren. Gedacht: Scheiße, das war einfach zu geil. Und nachmittags wieder ans Meer gefahren. Kräftiger auflandiger Wind. Viel zu starke Brandung zum Schwimmen. Viel zu gefährlich. Bis zum Ende der Sandbank gewatet, dort, wo sich die Wellen brechen.

Mich in die Wellen gestemmt und die Gischt um die Ohren spritzen lassen. Die Brandung prügelt einen warm. Das ist Leben!

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(Dümmlich grinsend geschrieben)

Liebe Kinder. Bitte nicht nachmachen. Bei starkem Wind geht man nicht mal in die Ostsee! Das ist gefährlich! Ich war maximal hüfttief im Wasser und habe doch ne Menge Salzwasser gefressen und obwohl ich nur „stand“ war ich am Ende 200 Meter von der Stelle entfernt, an der ich ins Wasser gegangen war. Und dann unterkühlt man und dann ist Sense und so…