Nu reich mir doch mal einer mein Ticket nach Nimmerland!

– Bring nen schönen Weihnachtsbaum mit, wenn du einen siehst, brüllt mir die Mutter hinterher.

Und ich steh im Baumarkt und ja, der Nordmann da ist ja ganz nett, ABER ICH KAUF DOCH JETZT KEINEN WEIHNACHTSBAUM. Das ist so eine erwachsene Handlung. Ich bin da noch nicht bereit für…

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Advent Advent

Ich muss meine Fenster putzen.

Ich hasse Fensterputzerei! Ich hasse es mehr als Feudeln und Einkaufen und das will was heißen. Ich esse eher drei Tage gekochte Hirse als mich bis zum Supermarkt zu schleppen. Und dann vor allem mit dem ganzen Geraffel wieder zurück…

Der einzige Grund, aus dem ich einmal im Jahr meine Fenster putze, ist mein Fensterbilderadventskalender. Der ist zwar schon etwas ausgeblichen, aber goldich und kommt deswegen jedes Jahr an die Scheibe.

Weil ich erst wieder am 5. Dezember frei habe, ist dieses Wochenende last chance to fensterputz.

Mit dem Kaffee in der Hand starre ich auf den Schmutz und hab sowas von keine Lust. Da muss ein Machtwort her.

„Darf man das?!“, verkünde ich. „Keine Serien, bis die Fenster nicht geputzt sind!“

Das gibt einen harten Knacks in der Beziehung zwischen mir und meinem Ich, HALLO?! Gilmore Girls???!!!

Aber ich bleibe hart.

Gibt aber auch noch so viel anderes zu tun. Ich wasche Wäsche, sortiere Klamotten, zelebriere allgemeines Aufräumen, sortiere Papiere, die sich seit dem letzten Prokrastinieren angesammelt haben (also seit der Steuererklärung), miste aus, entsorge versehentlich mein Bachelor-Zeugnis, fische das Bachelor-Zeugnis wieder aus der Altpapiertonne, hänge Wäsche auf, bastele (!) Verpackungen für Weihnachtsgeschenke, repariere die Kommode, koche Hirse, mache den Abwasch, putz die Küche, sauge Staub, putz das Bad, trage den Müll runter, fische abgelaufene Medikamente aus meiner Medizinkiste und irgendwann ist alles erledigt, die Bude blitzt und blinkt. (Ich sollte mir öfter ein Serienverbot aussprechen…) Nur gefeudelt und eingekauft hab ich nicht.

Und endlich investiere ich die 10 Minuten ins Fensterputzen.

Nicht, dass ich sonst ohne Adventskalender dastünde. In diesem Jahr habe ich derer fünf. Meine Mutter schenkt mir immer welche mit Bildern (die Schoki aus den Schokikalendern finden wir bäh und außerdem macht die Migräne), wann immer sie einen niedlich findet, kauft sie den. Die kann man natürlich nicht wegwerfen und muss sie ewig weiterbenutzen, weil die sind ja niedlich. Bis nach Chile hat sie mir mal einen geschickt, da musste ich dann zig Mal (mit äußerst mäßigem Erfolg) erklären, was das denn bitte sein soll und was das bringt. Auch der wurde eifrig wieder zurück nach Deutschland getragen und ist weiter in Benutzung (weil mit Lars dem Eisbären, soooo süß!)

Den Gipfel des Adventskalenderrecyclings haben wir mit dem wundervollen Exemplar von meiner Oma erreicht, den machte meine Mama schon auf, als sie klein war, und vor ihr meine Tanten, der stammt also aus den 50ern.

Womit ich zum eigentlichen Zweck meines Posts komme, die liebe Mia wollte nämlich ein Foto sehen:

My beautiful picture

Kitschig, aber von unschätzbarem emotionalen Wert.

(Ich frage mich, ob der Glitzer noch original ist, oder ob meine Oma den nachträglich hinzufügte/erneuerte… Das wäre untypisch, aber nicht ausgeschlossen…)

Er kommt in meiner frisch gescheuerten Wohnung gleich viel besser zur Geltung!

Gesprächsfetzen

2013, drei Tage vor Weihnachten

Mutti: Brauchen wir dieses Jahr wirklich einen Baum?
Darf man das?: JAAAAAA!!!

Wir adoptierten Manfred, den Nordmann.

2014, Heiligabend:

Darf man das? schmückt Helmut, den Nordmann und fragt: Warum kaufen wir eigentlich immer noch andauernd nen Baum?
Mutti: Letztes Jahr wolltest DU unbedingt einen!

2015, fünf Tage vor Weihnachten:

Darf man das?: Brauchen wir dieses Jahr wirklich einen Baum?
Mutti: JAAAAAAA!!! Ohne wärs doch traurig.

Meet Hakan, the Nordmann.

My beautiful picture

Ich hatte mich ja in Claudia, die kleine kugelige Blautanne,  verschossen… Ich hoffe, sie findet jemanden, der sie so lieben wird, wie ich es getan hätte… :/

Wir Weihnachtsterroristen

No. 2 bestaunt immer noch tapfer unser jahrelang eingeübtes, Tage dauerndes Weihnachtsritual.

Gestern nahm er eine kurze Pause, fuhr nach Hamburg, Stadtluft schnuppern, murmelte etwas von einem Termin im DESY. Jaja, Kind, geh und spiel mit den Elektronen.

Kam tatsächlich zurück. Mit einer großen Einkaufstüte in der Hand, die ich nicht mal anfassen durfte, um sie vom Bahnhof zum Auto zu tragen. Verkrümelte sich dann mit meiner Mutter im weihnachtlichen Sperrgebiet… Ist er wohl angesteckt mit dem Weihnachtsgeist… 😉

Heute stieß dann mein Bruder zur wilden Gesellschaft, jetzt wird es nicht nur wahnsinnig, sondern auch noch politisch. Man verständigt sich in einem seltsamen Sprachmischmasch…

No. 2 fragt immer wieder: Ihr steht wirklich auf Weihnachten, oder? Und ich sage immer wieder: HA, wart’s ab!

Er bezeichnete mich und meine Mutter schon als Weihnachts-Islamisten: radikale Anhänger dieser Veranstaltung.

(Dieser Logik folgend nannte er mich die Sex-Islamistin…)

Morgen folgt endlich der Höhepunkt. Ich freu mich drauf 🙂

Kulturschock (2)

No. 2 an den Strand geschleppt.

Die Wettermieze vom NDR hatte ne Handvoll steifer Windstärken versprochen, aber da hat sie wohl geflunkert, pfüüh. LANGWEILIG.

Kalt war’s trotzdem.

Gut, dass es bei Oma immer heißen Kaffee gibt…

Zudem herrscht dort Erleichterung: Endlich schleppt auch Darf man das? mal nen Kerl an, es ist also nicht alles verloren. Und dann auch noch so ein großes, starkes, dunkelhäutiges Exemplar…

Oma macht Witze über „Befruchtung“. No. 2 isst Schokolade, versteht nix, lächelt und nickt.

– Neenee, Oma, wir üben nur.

(Notiz an mich selbst: Keine Sexwitze mehr bei Oma, die kriegt vor lauter Lachen keine Luft mehr… – obwohl… mit 90 gibs auch Schlimmeres als sich totzulachen…)

No. 2 futtert brav ihre Torte (guck, Kind, er ist nicht so ungezogen wie du).

Jetzt da ein Mann im Haus ist, kann der ja auch mal arbeiten, findet Oma und zaubert einen Akkuschrauber aus dem Nachtschrank. Der arme Junge wird auf den Balkon gejagt, sie hat ihren Ehering zwischen die Holzplanken geschmissen. Wir sitzen im Warmen und bewerten seine Handwerkerleistung.

Musser noch üben, findet Oma. Aber kochen kann er? Na, defintiv reproduktionswürdig.

– Hmhmm, wir üben nur.

Meine Cousine stößt dazu mit ihrem Stiefvater im Schlepp, auch keine Kinder von Traurigkeit. Wollen mehr wissen vom Üben und so. No. 2, der inzwischen den Ring retten konnte, versteht nix, lächelt und nickt.

Oma lacht und lacht.

Schön.

Der arme Junge…

Kulturschock

Weil ich den Gedanken nicht ertragen konnte, dass No. 2 an Weihnachten ganz allein in seiner Kammer in Berlin sitzt, habe ich ihn in meine Heimat im Norden beordert.

Hole ihn also am Provinzbahnhof ab.

– Ich wusste gar nicht, dass es so provinziell geht in Deutschland!
– Ha, wart’s ab!

Stopfe ihn ins Auto und fahre ihn durch immer kleiner werdende Dörfer bis in mein Heimatdorf – liebevoll Klein Bullerbü genannt – am Ende der immer schmaler werdenden Straße.

Stelle ihn kurz den Pferden vor (hui, mit einem Satz über den Zaun, sportlich der Junge. Das Pony wollte echt nur kuscheln!).

Dann die volle Packung meine Mutter und ich. Er versteht kein Wort, nur Kichern. Wird erst mit Grünkohl vollgestopft (was ist das? Sieht aus wie Mate!) und dann mit Schokolade. Wird von meinem Papa über die Photovoltaikanlage und den Holzofen informiert. Versteht maximal die Hälfte. Lächelt, nickt und isst Schokolade.

Muss Loriot gucken. Muss sich das Konzept Adventskalender drei Mal erlären lassen. Fragt sich, warum zwei erwachsene Frauen jeweils drei Stück brauchen. Mindestens.

Fragt sich, warum der Weihnachtsbaum noch auf der Terrasse steht, aber ne halbe Tanne auf dem Tisch liegt. Und wundert sich, dass er am Ende des Tages einfach so mit mir in meinem Kinderzimmer verschwinden darf. Und mein Papa ihn gar nicht zum Duell fordert, vierteilt, rausschmeißt, nicht mal ins Gästezimmer verdonnert.

Morgen kriegt er nen Plastiksack übergestülpt, dann geht es an den Strand. Und wenn wir schon da sind auch gleich zu meiner Oma. Das wird ein Spaß 😀

Der arme Junge…