P.M.S.

Ich hasse. Ich sitze da und hasse. Ich brüte meinen Hass, ich kultiviere meinen Hass, ich kanalisiere meinen Hass in Gewaltfantasien.

Dann ist Ostern. Ich gucke in den blaublaublauen Himmel und in die immer gelberen Rapsfelder. Ich höre die krächzenden Kraniche, die maulenden Möwen, die schwatzenden Schwalben, den gackernden Gänsen, den Spatzen mit dem Sprung in der Platte, den größenwahnsinnigen Meisen, den zirpenden Bachstelzen, dem winzigen Zaunkönig, der den dicken Max markiert, und dem Kleiber, der höflich klopft. Soifz.

Dann ist Dienstag. ICH HASSE. HASSE. HASSE.

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Barcelona!

J. und ich haben unseren Urlaub in Barcelona klargemacht. Ich freue mich, auf unterwegs sein. Gleichzeitig packt mich so eine Welle von Nostalgie und die Frage: Krieg ich das hin?

Es ist eigentlich albern. Barcelona war im Grunde eine gute Zeit. Schön. Intensiv. Lehrreich. Persönlichkeitsbildend. Barcelona hat einen großen Platz in meinem Leben und in meinem Herzen. Ich denke oft sehnsüchtig daran. Und dennoch war ich seit zehn Jahren nicht mehr dort (oh Hilfe, WIE alt ich bin…). Obwohl nichts dagegen gesprochen hätte, einfach mal vorbeizugucken. Nichts hat mich aufgehalten.

Jetzt hat man mich praktisch dazu verdonnert und ich freu mich. Und ich hab nen Kloß im Hals. Eine völlig irrationale Ohnmacht. Mir fallen plötzlich Dinge ein, die ich völlig vergessen hatte. Orte, von denen ich gar nicht mehr wusste, dass ich da mal war. Ganz viel Katalanisch, das ich nie wieder gebraucht habe. Splitter einer Darf man das?, die so gar nicht mehr ist.

Ich bin gespannt, ob ich dieser Begegnung mit meinem alten Ich gewachsen bin. Und ich kann’s kaum erwarten, das Stückchen alte Heimat zu sehen.

Back to the 90ies

Was tun, wenn man krank daniederliegt und das Hirn für Leistung nicht zu gebrauchen ist? – Seichte Unterhaltung lesen. Aus meinem Fundus ungelesener Bücher fischte ich eine Anthologie aus dem Jahr 1999. Thema: natürlich der Jahrtausendwechsel. Witzig, diese 90er. Niedlich, dieser Ausblick auf die Zukunft – und diese kuriosen Ängste, die mit dem neuen Jahrtausend verbunden waren (in einer Geschichte schickt der Autor seinen Protagonisten auf Zeitreisen und am Ende landet der just im Jahr 2019 – das leider (oder zum Glück?) so ganz anders geraten ist). Und hach, dieses Internet. Gnihihi, dieses Internet. Gemaule über die „Scheiß-Medien“, inklusive Übergriff auf ein Kamerateam. Jaja, auch das war schon da, nur ohne diesen Verstärker „Internet“. Und wann haben Drogen eigentlich aufgehört, so hip und arty zu sein?

Ich bin mir nicht so sicher, ob die Welt seitdem gewachsen oder geschrumpft ist…

The obvious choice of song would be:

Aber aus Gründen gibt’s den:

Grüßchen aus den 90ern!

My beautiful picture

 

Weihnachts-Männer

Weihnachtsessen mit No. 1a und unseren Muddis. Ich schenke No. 1a, die derzeit nach einem Erzeuger ihrer zukünftigen Kinder sucht, ein Klemmbrett, auf dass ich unsere Männercheckliste – die Originalversion von ganz damals, als wir so adoleszent waren wie geht – geklemmt habe und einen quietschpinken Stift zum Abhaken der einzelnen Punkte. Mit der Hausaufgabe, das Teil auf das nächste Date mitzunehmen und das Gesicht des Glücklichen zu filmen, wenn sie die Liste auspackt und Punkt für Punkt durchgeht.

No. 1a quietscht vor Lachen und die Muddis gucken kariert. Meine Muddi wusste zwar von der Existenz der Liste, kannte ihren Inhalt aber nicht. Die Muddi von No. 1a hört zum ersten Mal von der Sache.

No. 1a liest die Liste laut vor. Selbst ich konnte mich nicht mehr an alles erinnern. Wir lachen Tränen. Ihre Muddi guckt immer karierter. Dann sagt sie zu meiner Muddi: Weißt du, die waren kreuzbrav, nie in der Disco und immer um 11 zu Hause. Hauptsache, die machen so ne Liste für nen Typen, den sie nie hätten aufreißen können! Und meine Muddi antwortet: Wer weiß, wie viele Hausaufgaben die in der Zeit nicht gemacht haben. (Kann ich beantworten: Wir haben eh nie was für die Schule gemacht, Zeitverschwendung! (Französisch ausgenommen…))

Was wir nicht sagen: Dass wir viel zu beschäftigt waren, miteinander zu schlafen, um noch nen Typen mit ins Boot zu holen. Was wir auch nicht sagen: Was wir seitdem angestellt haben. Wir tauschen nur bedeutungsvolle Blicke und gackern noch mehr.

Haach, schönstes Weihnachtsgeschenk.

Adoleszenz reloaded 2

Ich habe mir ganz retro eine CD gekauft. Das erste Mal seit Jahren.
Ich schmeiße sie ein, drehe auf volle Lautstärke. Zapple rum und singe schief. Lese ein bisschen im Booklet. Lasse die Musik laufen und widme mich wieder den ernsthafteren Dingen des Lebens (ich steh ja richtig drin, nech). Lerne Vokabeln. Und habe die Stimme meiner Mutter im Ohr: Wenn du so laut Musik hörst, kannst du dich doch gar nicht konzentrieren!

Woohoool. Und sogar die Haare schütteln dabei!

Dings ehm… erwachsen

Vor einiger Zeit erreichte mich Leserpost (YEAY, Leserpost! 📭). Der junge Mann schrieb (Ich hoffe, er verklagt mich jetzt nicht wegen Datenschutz und Urheberrecht): „Es ist einfach interessant Blogs auf WordPress zu finden von Menschen, die richtig im Leben stehen und sich aber trotzdem immer noch bisschen mit Kleinigkeiten in Sachen Beziehung und Sexualität abmühen.“

Gnihhihihi. Hihi. „Richtig im Leben stehen“. Ich. Haaaach. *Tränenwegwisch* Ich erfreue mich seit Wochen an diesen Worten. In diesem Sinne: Herzlichen Dank dafür.

Die Frau, die wochenlang mit der Anschaffung eines Autos haderte, weil ihr das zu erwachsen war (bin im letzten Monat übrigens mehr als 4000 Kilometer gefahren – und das ausschließlich an den Wochenenden und im Urlaub -, alles Strecken, die ich eh gemacht hätte, nur eben deutlich langwieriger mit der Bahn…), die Frau, die mit eingebildeten Freunden spricht, nicht weiß, was sie werden soll, wenn sie groß ist, ihren Haushalt nicht ordentlich führen kann, die steht also richtig im Leben. Hmhmm.

Aber daran sieht man mal, wie bereichernd der Austausch mit den Lesern so ist: In den vergangenen Wochen habe ich mir immer mal gesagt: Er findet, du stehst richtig im Leben. Eine richtig im Leben stehende Frau macht sowas. Und dann mache ich das.

Irre.

Je vais bien, ne t’en fais pas.

Letztes Jahr war alles furchtbar. Job furchtbar furchtbar. Aber ja schon gekündigt. Aussichten düster. Keine Ahnung, was da kommen würde. Zukunftsängste.

Jetzt habe ich einen neuen Job, irre viel Spaß, einen Chef, der mich schätzt und das sogar sagt (vor Publikum), tolle Kollegen, viel gelernt, ne deutlich bessere Wohnung, viel mehr Freizeit und auch mehr Freiheiten.

Alles toll. Oder?

Die ganzen letzten Jahre war da diese lähmende Watte im Kopf. Alles war dunkelschwarz. Jetzt lache ich dauernd und lache alles weg. Als ob nichts mehr an mir kratzte. Oder lass ich es einfach nicht mehr an mich ran?

Letztes Jahr war dunkelschwarze Watte, aber ich habe immer noch alles hingekriegt. Dieses Jahr ist Leere und ich tauche noch pünktlich und zuverlässig auf. Aber ich kümmere mich nicht mehr um mich. Fragt mich nicht, wann ich das letzte Mal ne Pediküre gemacht habe. Oder ne Gesichtsmaske. Oder wenigstens meine Augenbrauen anständig gezupft. Meine Wohnung wird auch immer erst dann aufgeräumt, wenns schon an Verwahrlosung grenzt. Und dann dieses Geschirr… Und wann habe ich eigentlich das letzte Mal den Papiermüll weggebracht? (Zum Container, den ich übrigens aus meinem Schlafzimmerfenster sehen kann – IRRE weit weg.) Bin ich einfach nur unsagbar faul oder lähmt mich was anderes?

Ich bin den ganzen Tag unter Menschen. Ich sabbel viel, ich lache viel. Ich bin eigentlich ganz froh, wenn ich abends die Tür hinter mir zumache und Ruhe ist. Und doch fühle ich mich einsamer als letztes Jahr. Da habe ich zwar immer allein vor mich hingearbeitet, aber ich hatte wenigstens noch den liebsten Ex-Kollegen, mit dem ich mindestens einmal die Woche auch nach Feierabend noch rumgehangen habe. Hier treffe ich keinen mehr. Nicht mal Nummern.

Ich habe auf einmal Sehnsüchte, die ich so nicht kannte. Die total schwachsinnig, weil unerfüllbar sind. Aber die mir deutlich zeigen, was ich alles nicht habe.

Mein Ich von vor zwei Jahren würde mich erschießen bei diesem Gejammer auf höchstem Niveau. DAS war ein Drecksleben.

Ich weiß wirklich nicht, was ich hab…