Weihnachts-Männer

Weihnachtsessen mit No. 1a und unseren Muddis. Ich schenke No. 1a, die derzeit nach einem Erzeuger ihrer zukünftigen Kinder sucht, ein Klemmbrett, auf dass ich unsere Männercheckliste – die Originalversion von ganz damals, als wir so adoleszent waren wie geht – geklemmt habe und einen quietschpinken Stift zum Abhaken der einzelnen Punkte. Mit der Hausaufgabe, das Teil auf das nächste Date mitzunehmen und das Gesicht des Glücklichen zu filmen, wenn sie die Liste auspackt und Punkt für Punkt durchgeht.

No. 1a quietscht vor Lachen und die Muddis gucken kariert. Meine Muddi wusste zwar von der Existenz der Liste, kannte ihren Inhalt aber nicht. Die Muddi von No. 1a hört zum ersten Mal von der Sache.

No. 1a liest die Liste laut vor. Selbst ich konnte mich nicht mehr an alles erinnern. Wir lachen Tränen. Ihre Muddi guckt immer karierter. Dann sagt sie zu meiner Muddi: Weißt du, die waren kreuzbrav, nie in der Disco und immer um 11 zu Hause. Hauptsache, die machen so ne Liste für nen Typen, den sie nie hätten aufreißen können! Und meine Muddi antwortet: Wer weiß, wie viele Hausaufgaben die in der Zeit nicht gemacht haben. (Kann ich beantworten: Wir haben eh nie was für die Schule gemacht, Zeitverschwendung! (Französisch ausgenommen…))

Was wir nicht sagen: Dass wir viel zu beschäftigt waren, miteinander zu schlafen, um noch nen Typen mit ins Boot zu holen. Was wir auch nicht sagen: Was wir seitdem angestellt haben. Wir tauschen nur bedeutungsvolle Blicke und gackern noch mehr.

Haach, schönstes Weihnachtsgeschenk.

Advertisements

Adoleszenz reloaded 2

Ich habe mir ganz retro eine CD gekauft. Das erste Mal seit Jahren.
Ich schmeiße sie ein, drehe auf volle Lautstärke. Zapple rum und singe schief. Lese ein bisschen im Booklet. Lasse die Musik laufen und widme mich wieder den ernsthafteren Dingen des Lebens (ich steh ja richtig drin, nech). Lerne Vokabeln. Und habe die Stimme meiner Mutter im Ohr: Wenn du so laut Musik hörst, kannst du dich doch gar nicht konzentrieren!

Woohoool. Und sogar die Haare schütteln dabei!

Dings ehm… erwachsen

Vor einiger Zeit erreichte mich Leserpost (YEAY, Leserpost! 📭). Der junge Mann schrieb (Ich hoffe, er verklagt mich jetzt nicht wegen Datenschutz und Urheberrecht): „Es ist einfach interessant Blogs auf WordPress zu finden von Menschen, die richtig im Leben stehen und sich aber trotzdem immer noch bisschen mit Kleinigkeiten in Sachen Beziehung und Sexualität abmühen.“

Gnihhihihi. Hihi. „Richtig im Leben stehen“. Ich. Haaaach. *Tränenwegwisch* Ich erfreue mich seit Wochen an diesen Worten. In diesem Sinne: Herzlichen Dank dafür.

Die Frau, die wochenlang mit der Anschaffung eines Autos haderte, weil ihr das zu erwachsen war (bin im letzten Monat übrigens mehr als 4000 Kilometer gefahren – und das ausschließlich an den Wochenenden und im Urlaub -, alles Strecken, die ich eh gemacht hätte, nur eben deutlich langwieriger mit der Bahn…), die Frau, die mit eingebildeten Freunden spricht, nicht weiß, was sie werden soll, wenn sie groß ist, ihren Haushalt nicht ordentlich führen kann, die steht also richtig im Leben. Hmhmm.

Aber daran sieht man mal, wie bereichernd der Austausch mit den Lesern so ist: In den vergangenen Wochen habe ich mir immer mal gesagt: Er findet, du stehst richtig im Leben. Eine richtig im Leben stehende Frau macht sowas. Und dann mache ich das.

Irre.

Je vais bien, ne t’en fais pas.

Letztes Jahr war alles furchtbar. Job furchtbar furchtbar. Aber ja schon gekündigt. Aussichten düster. Keine Ahnung, was da kommen würde. Zukunftsängste.

Jetzt habe ich einen neuen Job, irre viel Spaß, einen Chef, der mich schätzt und das sogar sagt (vor Publikum), tolle Kollegen, viel gelernt, ne deutlich bessere Wohnung, viel mehr Freizeit und auch mehr Freiheiten.

Alles toll. Oder?

Die ganzen letzten Jahre war da diese lähmende Watte im Kopf. Alles war dunkelschwarz. Jetzt lache ich dauernd und lache alles weg. Als ob nichts mehr an mir kratzte. Oder lass ich es einfach nicht mehr an mich ran?

Letztes Jahr war dunkelschwarze Watte, aber ich habe immer noch alles hingekriegt. Dieses Jahr ist Leere und ich tauche noch pünktlich und zuverlässig auf. Aber ich kümmere mich nicht mehr um mich. Fragt mich nicht, wann ich das letzte Mal ne Pediküre gemacht habe. Oder ne Gesichtsmaske. Oder wenigstens meine Augenbrauen anständig gezupft. Meine Wohnung wird auch immer erst dann aufgeräumt, wenns schon an Verwahrlosung grenzt. Und dann dieses Geschirr… Und wann habe ich eigentlich das letzte Mal den Papiermüll weggebracht? (Zum Container, den ich übrigens aus meinem Schlafzimmerfenster sehen kann – IRRE weit weg.) Bin ich einfach nur unsagbar faul oder lähmt mich was anderes?

Ich bin den ganzen Tag unter Menschen. Ich sabbel viel, ich lache viel. Ich bin eigentlich ganz froh, wenn ich abends die Tür hinter mir zumache und Ruhe ist. Und doch fühle ich mich einsamer als letztes Jahr. Da habe ich zwar immer allein vor mich hingearbeitet, aber ich hatte wenigstens noch den liebsten Ex-Kollegen, mit dem ich mindestens einmal die Woche auch nach Feierabend noch rumgehangen habe. Hier treffe ich keinen mehr. Nicht mal Nummern.

Ich habe auf einmal Sehnsüchte, die ich so nicht kannte. Die total schwachsinnig, weil unerfüllbar sind. Aber die mir deutlich zeigen, was ich alles nicht habe.

Mein Ich von vor zwei Jahren würde mich erschießen bei diesem Gejammer auf höchstem Niveau. DAS war ein Drecksleben.

Ich weiß wirklich nicht, was ich hab…

 

Fremdkörper

Ich fahre durch 6 Bundesländer auf 7 Autobahnen vorbei an den letzten Paartausend Jahren deutscher Geschichte, zusammengefasst auf braunen Schildern. Ich lande in einem engen Tal mit einem verlassenen Dorf.

An einer steilen, schmalen Straße steht ein Haus voll rosa. Kitsch. Geraffel. Eine scheußliche Puppensammlung. Selbst das WC ist in einem Rosaton gehalten. Ob der Mann, der das alles finanziert und aufgebaut hat, bei der Innengestaltung ein Wörtchen mitzureden hatte?

Kein Staubkorn liegt herum, alles steht an seinem Platz. Selbst am Garagenfenster hängen frisch gesteifte Gardinen. Besser nirgends zu heftig atmen.

Es ist das Elternhaus meiner Freundin J. Die mir – obwohl wir uns so selten sehen und viel zu wenig reden – wichtig genug ist, um viele Hundert Kilometer zu fahren, wenn sie zum Geburtstag in ihrer alten Heimat lädt.

Auch ihre neuen Freunde aus der großen Stadt am Rhein sind gekommen, sie feiern wild und J. ist aufgedreht und betrunken, wie ich sie in all den Jahren nie gesehen habe. Sie ist wie ausgewechselt, alles nur wegen diesem Stecher…

Ich bin ein bisschen neidisch auf diese Clique, die so offensichtlich so viel gemeinsam erlebt hat und trotz der mittlerweile erfolgten Ankunft im Erwachsenenleben sehr viel 12 bewahrt hat.

Es ist eine milde Nacht, wir sind in einem alten Steinbruch, das Lagerfeuer lodert, sein Licht wird von den steilen Steinwänden zurückgeworfen, über uns leuchtet die Milchstraße am sonst so schwarzen Neumondhimmel.

Ich könnte ewig hier liegen und den Geschichten von J.s alten Freunden aus der Schulzeit hören, Geschichten von einer Kindheit in dem engen Tal, in dem alle Türen offen standen und alle Kinder durch alle Häuser tollten. Ich höre Spitznamen, wie sie sonst nur in Kinderbüchern vorkommen und bei denen ich immer gedacht habe, dass solche Namen im richtigen Leben nicht verteilt werden. Blacky, das Böhnchen, der Dodo.

Kurz vor der Dämmerung laufen wir vom Steinbruch zurück ins Tal und ich erzähle von mir. Ich bin so weit weg von allem wie die letzten Sterne, die über uns glitzern.

sein lassen

Ich habe das Shampoo von SAS im Haar und jetzt rieche ich wie früher, als ich so Zeuch noch in der Drogerie kaufte. Und mein Gehirn macht Erinnerungsglücksrad und ich muss an Barcelona denken. Und habe Lust, No. 1 irgendwas Schnippisches zu schreiben.

Aber ich lasse das lieber.

Ich führe ein Gespräch, auf das ich eigentlich keine Lust habe, bekomme 1000 dumme Fragen gestellt und reagiere mega gereizt. Stelle fest, dass ich prämenstruell bin.

Also lasse ich das lieber.

Ich sehe auf Facebook einen Artikel über Erektionsstörungen und will ihn No. 3 schicken. *Kicher*

Aber ich lasse das lieber.

Ich kann auch ganz gut Sachen nicht machen.

Und zum Schluss ein Fazit

So, es ist der letzte Freitag im Jahr. Damit geht auch das Projekt amaaaaaazing year zu Ende. Wider Erwarten hielt ich durch. Um das Fazit gleich vorwegzunehmen: Nein, das Jahr war nicht grade amaaaaaazing. Es war zwar nicht so eine Katastrophe wie 2016. Aber es war wirklich nur eine Steigerung auf ziemlich niedrigem Niveau.

Was ich mitnehme: Viele Momente, die ganz ok waren. Ich habe mich oft dabei erwischt, wie ich darüber nachdachte, ob ich das jetzt im Blog verwursten kann. Erst hab ich gedacht: Du hast sie ja nich mehr alle, lebst du jetzt nur noch für deinen Blog, oder watt? Und dann wurde mir klar, dass ich da nur drüber nachdenke, weil ich grad was Gutes erlebe. Das ist schon was Wertvolles. Ein Bewusstsein, das ich hoffentlich auch über das Ende des Projekts bewahren kann.

Mal sehen, 2017 habe ich:

  1. Mich daran gefreut, dass ich wieder etwas habe, das mich intellektuell fordert. Der Flauschige-Tiere-Kurs geht auch in neuem Jahr weiter, an einem neuen Standort, mit neuen Leuten und etwas anderer, aber gleichbleibend hoher Motivation.
  2. Mich daran gefreut, dass ich auch dann meinen Galgenhumor bewahre, wenn’s dicke kommt. Ach komm, und guten Sex hatt ich auch (danke Lila für die Erinnerung). Und ich hab das goldigste Hasi von der Welt (grad erst zweieinhalb goldige Stunden mit ihr telefoniert <3)
  3. Mich darüber gefreut, dass ein Abschied vom Helene-Fischer-Terrornachbarn absehbar wurde. Was lange gärt und so.
  4. Mich über die Überwindung mehrer unappetitlicher Infektionen gefreut. Und schon mal auf die Rückkehr von No. 2 mit Spezialitäten aus seiner Heimat. War megalecker!
  5. Mich über mehr Sozialkontakte gefreut. Habe tatsächlich im Exil einen wertvollen Menschen getroffen, der mir nun glatt fehlt. Ach ja, und am Ballett hab ich mich erfreut. Schööön.
  6. In Erinnerung an Budapest-mon-amour geschwelgt und mich auf Irland gefreut. Mit der Befürchtung vor dem regennassen Kältetod lag ich allerdings leider nicht soo falsch.
  7. IRLAND!!!
  8. Und weil’s so schon war: Noch mal Irland. Irisch und Linksverkehr.
  9. Das Nichtstun genossen.
  10. Einfach eine weitere Woche überstanden. Eine der wenigen Wochen, in denen mir nicht so richtig was Dolles eingefallen ist.
  11. Mich mal schadengefreut an der Dussligkeit des (Ex!!!) Chefs. Und mich echt gefreut an den ersten Zeichen des Frühlings.
  12. Kurz alte Zeiten genossen und Herztöne für mich entdeckt. Sollte ich mich mal wieder mehr mit beschäftigen.
  13. Mich über einen unerwartet freien Tag enorm gefreut. Ich kann mich überhaupt nicht erinnern, aber ich muss den wirklich nötig gehabt haben.
  14. Mich auf eine Zeit in der Heimat gefreut.
  15. Das endgültige Verschwinden des Nachbarn gefeiert. Schlaaaaf, oh süßer Schlaf!
  16. Mich ein bisschen kindisch-gemein verhalten und es genossen. Gnihihi.
  17. Bücher!!! Ach, und Yoga. Mach ich viel zu wenig in letzter Zeit. Man kommt zu nix als arbeitsloser Assi.
  18. Mich an Überwundenem, Verlorenem und Überstandenem gefreut. Und dann kam das olle Jojo.
  19. Mich schon wieder kindisch-gemein verhalten. Naja, damals war ich noch 29, JETZT bin ich ja viel erwachsener.
  20. Ein Koala! Hach, süß.
  21. Mich vorgefreut auf ein Konzert von den Punker-Jungs. War wie immer… interessant.
  22. Mich darüber gefreut, dass der Sommer wenigstens kurz seine Existenz andeutete und die Eidechse mal ihre Glieder strecken konnte.
  23. Mich an Normalität, Freizeit und Freunden gefreut. Kann mich wieder nur an die Hälfte erinnern. Ist das traurig.
  24. Pfeeeeeeerdeeeee!!!
  25. Und noch mal!
  26. Die Ehe für alle gefeiert. Hach, das war fein! Darauf nochn Sekt.
  27. Einen schönen Heimatbesuch gemacht.
  28. Mich auf den Sommerurlaub vorgefreut. Und dann war er noch besser als erhofft!
  29. Noch mal ne schöne Zeit in der Heimat gehabt.
  30. Beschlossen mit dem Nettsein aufzuhören. Hm, gut, dass ich mich daran erinnere. Ich habe schon Fortschritte gemach. Einmal mehr einfach nö gesagt. Aber da ist noch Luft nach oben.
  31. Angefangen, Norwegisch zu lernen. Macht immer noch Spaß. Ich muss mich allerdings immer wieder dran erinnern, dass ich noch keine fünf Monate dabei bin und ich es vielleicht nicht mit meinem Spanisch vergleichen sollte. Dafür habe ich auch mehr als fünf Monate gebraucht…
  32. Mir zwei Wochen Drückebergerkrankheit gegönnt, um endlich die Kräfte zu sammeln, um den Scheißjob zu kündigen. Was ein Befreiungsschlag. Wahnsinn, das Gewicht, das in den Wochen von mir abgefallen ist.
  33. Mich am Nichtstun in Kombination mit Heimat gefreut. Haaaaach. Wackle jetzt noch entspannt mit den Zehen.
  34. Mich von erstem Ballast befreit.
  35. Alle Stricke gekappt. Ich Wahnsinnige! Im Nachhinein kann ich sagen, dass ich einiges überstürzt habe. Es hätte nicht alles SO wahnsinnig laufen müssen. Aber es war SO NÖTIG.
  36. Mich darüber gefreut, dass ich nicht zur Mörderin wurde.
  37. PIZZA!!!
  38. Mich an meiner chilenischen Blase gefreut.
  39. Die Bundestagswahl ohne Kratzer überstanden. Und mich an der wertvollen Person aus dem Kurs gefreut. Hach, mein Lachsschnittchen.
  40. Mich über Freunde gefreut. Leute, die ohne dass man damit rechnet einfach da sind, sind doch die geilsten.
  41. Mich am Sonnenuntergang auf der Elbe gefreut. Und meiner emotionalen Lösung von No. 3. Er ist mir mittlerweile tatsächlich völlig wurscht.
  42. Mich nochmal über Freunde gefreut. Auch wenn ich den konkreten Anlass schon vergessen hab.
  43. Mich über meine Betriebskostenabrechnung gefreut. Gäld! Hat auch nur sechs Wochen gedauert, bis ich es bekam. Und ich war schon wieder schadenfreudig. Weil die von der Konkurrenz halt nich so schlau sind wie ich.
  44. Mich noch mehr schadengefreut, weil auch die Kollegen im mittlerweile Ex-Laden nix können. Ich lese nicht, was sie treiben. Ich habe seit meinem letzten Arbeitstag nicht ein einziges Mal geguckt, was da so produziert wird, ob sich die Jungs noch eingekriegt haben, obs wen Neues gibt oder ob der Laden vor die Hunde geht. Is mir wurscht.
  45. Mir bewusst gemacht, dass es immer schlimmer geht.
  46. Hach, der große Bruder. Wir sind irgendwie wacklig zusammengerückt…
  47. Mich über das Geburtstagsgeschenk vom großen Bruder gefreut. Eheh, das wird super. Also… Sollte jemals wieder gutes Wetter sein.
  48. Den Wahnsinn endgültig hinter mir gelassen.
  49. Den Amaaaaaazing-Freitag einmal ausgelassen, weil’s mich mal wieder hart getroffen hatte. Dann aber doch noch nen süßen Igel nachgeschoben.
  50. Mich auf die Party beim liebsten Ex-Kollegen vorgefreut. Die nett war, aber unsexy
  51. Mich über die Wintersonnenwende gefreut.
  52. Und mich über Weihnachten gefreut. Immer wieder schön.

Wie man sich so ein Jahr schönreden kann, wenn man den ganzen Dreck zwischendurch weglässt…

Damit ist die Reihe offiziell beendet. Wie erwähnt: Sie hatte ihre Vorteile, eine literarische Bereicherung war sie aber sicher nicht. Und in meinem Blog wird es kein „Muss“ mehr geben. Im Leben darf jedoch gerne weiter vieles amaaaaaazing sein. Und – ein Vorsatz fürs neue Jahr – glorious.

I feel glorious, glorious
Got a chance to start again

Guten Rutsch, everyone.