Bett, mon amour

Seit zwei Wochen dauernd auf den Füßen. Arbeiten und noch arbeiten, Flauschige-Tiere-Kurs, Flauschige-Tiere-Kurs und anschließend Party, arbeiten und noch mehr arbeiten, nach der Arbeit noch vier Stunden im Zug, tot ins Hotelbett knallen, zum sinnlosen VorstellungsVerkasperungsgespräch gehen, vier Stunden im Zug und danach noch zur Arbeit, Flauschige-Tiere-Kurs und anschließend Ersatzdroge.

Und JETZT liege ich endlich, endlich im Bett. Werde mich die nächsten 40 Stunden maximal zum Klo begeben. Und NICHT in den Kalender gucken. Denn nach diesem einen freien Sonntag, warten noch mal knapp drei Wochen ohne freien Tag auf mich. Mindestens. So genau will ich es nicht wissen.

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Abschied von Peter

Wann Peter Teil meiner Familie geworden ist, weiß ich nicht mehr. Wann ich Teil seiner Familie geworden bin, weiß ich noch ungefähr. Irgendwann in der sechsten oder siebten Klasse, als No. 1a und ich uns gefunden haben.

Peter war der einzige Mensch, der noch exzentrischer war, als wir gern gewesen wären. Der uns in unserer Exzentrik bestärkt hat und wir ihn in seiner.

Peter, der Autogramme gab, nachdem ihn ein Kellner mal für einen bekannten Schauspieler gehalten hat – dem er tatsächlich ähnlich sah.

Peter, der irgendwann mal im Garten meiner Eltern stand, um No. 1a abzuholen und dann zum regelmäßigen Gast wurde – nur um barfuß durchs Moos zu laufen.

Peter, der jedes Weihnachten in meinen Haaren wuschelte und nach seiner Frage, was ich denn im letzten Jahr so getrieben habe, glückselig seufzend feststellte: „Du bist ja so ne Zielstrebige!“

Ach echt?

Peter, Vater von drei Kindern, Opa von sieben Enkeln und so schwul, dass das Klischee alt aussah.

Der das Glück hatte, dass sowohl seine eigene Familie als auch die Familie seines Freundes es total ok fanden, dass sie ein Paar waren.

Ein Paar, das mir Hoffnung gemacht hat, dass irgendwann mal ein ungezwungener Umgang mit allen möglich ist.

Peter, dessen einzige Sorge nach der Krebsdiagnose die war, dass er fett werden könnte.

Dass er sterben könnte, war nicht geplant.

Bin ich nicht einverstanden mit!

Stopptaste

Mein Papa riet mir nach dem ganzen Drama bei der Arbeit zu einem Urlaub auf Rezept. Einfach mal Abstand nehmen, in mich gehen, nachdenken.

Weil ich mich in der Tat in einem emotionalen Chaos befinde und überhaupt keinen klaren Gedanken fassen kann, tappte ich am Montag zum Doc und schilderte ohne groß zu übertreiben meine Wehwehchen.

Und je länger ich sprach, desto mehr fiel mir ein. Der Schwindel, die Atemnot, die ständigen Kopfschmerzen, die Bauchschmerzen, die Übelkeit, der Haarausfall, der Hautausschlag, das Zähneknirschen, der verkrampfte Nacken, die allabendliche Schlaflosigkeit…

Die Ärztin ließ zig Liter Blut abzapfen und verordnete zwei Wochen wegfahren. Eine davon an nix denken, in der zweiten dann den Plan B entwerfen. Und bei Bedarf wiederkommen.

Das mit dem an nix denken is schon mal gescheitert. Richtig wegfahren lohnt sich nicht, weil ich am Samstag Flauschige-Tiere-Kurs habe und gerade eine Einheit, die ich auf keinen Fall verpassen will. Und ein Kurztrip ist mir im Moment zu anstrengend (was zeigt, wie ausgelaugt ich tatsächlich bin).

Und so lungere ich nach fast vier Jahren zum ersten Mal mehrere Tage am Stück ohne Verpflichtungen in dieser Stadt rum.

Und ich bin ja so gestresst. Ich muss, ich muss, ich muss. Endlich dieses tun, endlich jenes tun. All die Dinge, die ich immer aufgeschoben habe, weil neben der Arbeit und dem Unterwegssein keine Zeit und keine Kraft mehr waren. Das Großreinemachen, der Papierkram, der Behördengang, der Anruf, was muss ich alles bedenken, wenn ich kündige und umziehe, und à propos, ich muss mich bewerben, bewerben, bewerben. Die üblichen Ausreden gelten nicht mehr. Zwei Wochen sind gar nichts. Ich muss, ich muss, ich muss.

Nebenbei habe ich permanent ein schlechtes Gewissen. Ich fühl mich halt wie ein Schwänzer. Schließlich bin ich ja nicht wirklich krank. Die Schmerzen, die Erschöpfung, das is doch Normalzustand.

Einfach in der Sonne liegen und ein Buch lesen, das muss ich mir erstmal zugestehen. Erst, wenn das, das und das erledigt sind! Und dann auch nur mit einem Lehrbuch.

Und dann versacke ich doch wieder vor dem Internet und verliere die Geduld mit mir, weil ich ja schon wieder nix auf die Kette krieg!

Ich stehe stärker unter Strom als an jedem Arbeitstag.

Heute zog ich die Reißleine und setzte mich in den Zug gen Pampa. Gegend, Gegend, Gegend. Sonne. Noch mehr Gegend. Tiere, lebende und plüschige. Sonne und kühles Wasser an den Füßen.

Schön.

Nun sitz ich hier und muss schon wieder. Hab einen ganzen Tag verloren. Ich blöde Kuh.

Reif für die Klapse.

Keine Zeit

Ich hab keine Zeit für Scheiße. Arbeit, Nummern, Stadt. Nöhööö. Ich hatte amaaaaaazing Urlaub, Lunger jetz noch amaaaaaazing in der Heimat. (Post-Recycling, man ersetze Brombeeren durch Himbeeren).

Sonst nix.

Noch schnell eine Notiz an mich selbst: Personenbezogene Entscheidungen erst NACH einer eventuell irgendwann mal eintretenden Menstruation treffen…

Vom Leben am Arsch der Welt

Liebe Freunde.

Ihr wisst alle, dass ich am Arsch der Welt wohne. Ihr wisst alle, dass ich viel arbeite. Dass ich oft an den Wochenenden arbeite. Oder meinen Kurs habe. Oder beides.

Verzeiht mir bitte, wenn ich, wenn ihr mich fragt, ob wir uns mal sehen wollen, nicht gleich verkünde: ja klar, nächstes Wochenende! Sondern eher: Hm, ja, in zwei Monaten könnte es klappen. Kurzfristige Absage möglich.

Kommt mir dann nicht mit: Du willst es also gar nicht wirklich. Sag doch gleich, dass du keinen Bock hast!

Ja, manchmal möchte ich meine freie Zeit dazu nutzen, einfach mal rumzuliegen und mit den Zehen zu wackeln. Muss ich mich dafür rechtfertigen?

Meistens würde ich euch wirklich gerne sehen.

Aber leider wurde das Beamen noch nicht erfunden. Ich muss den Zug oder den Bus nehmen. Da ich aber in der Regel bis 23 Uhr arbeite, kann ich nach der Arbeit nicht noch los. Die Bahn schlägt dann eine Verbindung vor, die einen vierstündigen Aufenthalt an einem Bahnhof vorsieht, an dem nachts gerne Typen rumlaufen, die so wenig Haare auf dem Kopf haben wie Hirn darin.

Wenn ich erst am nächsten Tag losfahre, bin ich trotzdem stundenlang unterwegs und von meiner Freizeit – unserer gemeinsamen Zeit also – bleibt kaum etwas übrig.

Damit Fahrzeit und Freundezeit in einem vernünftigen Verhältnis zueinander stehen, muss ich mir mitunter extra Urlaub nehmen.

Bitte versteht, dass ich meine wenigen Urlaubstage lieber für Leute investiere, die auch mal auf den Gedanken kommen, an den Arsch der Welt zu kommen. Dann im Zug zu sitzen, wenn ich noch bei der Arbeit hocke. Damit wir die Zeit optimal nutzen können.

Vielen Dank.

Grummel.

Jugendwahn

Man fragte mich, warum ich das mache: Mich mit Typen treffen, die ich kaum kenne, von denen ich im Grunde schon von Anfang an weiß, dass ich sie eher nicht wiedersehen möchte, mit ihnen vögele, sie am Ende wider besseres Wissen doch wiedersehe und weiter mit ihnen vögele.

Mir fielen spontan ein paar Dinge ein, wie Lust an der Lust, Blödheit, Triebgesteuertheit, Einsamkeit…

Wenn ich ganz ehrlich mit mir bin, hat es aber wohl am ehesten mit meinem Selbstbild zu tun.

Ich war schon immer überzeugt davon, hässlich wie die Nacht zu sein. Ich habe Männer nicht mal angeguckt, aus Angst, sie könnten zurückgucken. Oder eben nicht gucken. Beides schmerzhaft. Auch meinen Körper fand ich eher nicht so toll. Als Teenie habe ich mich regelmäßig in Jeans am Strand gegart und auf die Frage, warum ich mir das antue, sagte ich: Wenn ich die Hose ausziehe, krieg ich ne Anzeige wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses.

Ich habe erst mit 20 langsam die Hüllen abgelegt. Mal geguckt. Und festgestellt: Die Männer laufen mir zwar nicht hinterher, aber wenn ich es darauf anlege, habe ich schon eine gewisse Wirkung auf sie. Daraus habe ich eine Menge Selbstbewusstsein gezogen.

Ich fühle mich gut, wenn jemand mich geil findet – obwohl ich keinem Schönheitsideal entspreche. Es macht mir Spaß, zu sehen, wie die Jungs sich anstellen, nur weil ich nackt bin. Und ich genieße einfach den Sex.

Nun habe ich ja viel Zeit verloren – nicht nur, weil ich spät angefangen habe, sondern auch, weil ich dann lange rotzbrav war.

Also müssen Typen her, schnellschnell, denn jetzt tickt die biologische Uhr – nicht wie bei anderen Frauen, die plötzlich dringend ein Kind haben müssen, nein, sie zeigt an: Kurz vor körperlichem Verfall. Du wirst diese Figur, diese Haut, diese Haare, diese Energie nicht ewig haben. Nicht alles ist schlecht an meinem Körper, aber alles hat ein Verfallsdatum. Irgendwann ist sexy alle.

Was mach ich dann mit meiner Lust, meiner Blödheit, meinem Trieb, meiner Einsamkeit und meinem Spiegelbild?