Wir mussten reden

– Und, haste das Maul aufgemacht?, fragt mich No. 1a.

No. 1a kennt mich gut. Denn natürlich habe ich das Maul nicht aufgemacht. Laute bilden, Worte, Sätze gar, wenn es mir womöglich zum Vorteil gereichen könnte – never!

Wir mussten also reden.

Die ganze Zugfahrt über ermahne ich mich: Du sollst sie nicht einfach knutschen! Nur weil das in deinem Kopf irgendwie zur Normalität geworden ist, heißt das nicht, dass das auch wirklich normal (oder erwünscht) ist.

Sie ist dann eh irgendwie hektisch und grummelig – keine Gefahr.

Sie schleppt mich in ein fancy Restaurant – ein wahrlich wunderbarer Ort zum Reden.

Sie steigt noch leicht ein, ob ich mit ihr im März zur Buchmesse gehe, bütte bütte. Das Kopfkino geht schon wieder ab, drei Tage mit ihr, na warum nicht…

Und dann patscht sie schön mit dem Finger in die Wunden, ach was, sie geht bis zum Ellenbogen rein. Was wird nu, was machst du, was willst du? Sie weiß genau, wo sie nachfragen muss, um die ganz empfindlichen Nervenbündel zu treffen, zielsicher kitzelt sie meine Existenzkrise aus mir heraus. Verdammt was tu ich nur, wann ist es von „geil, läuft, alles richtig gemacht“ in „verdammt, falsch abgebogen, scheiße, jetzt klebt der Karren an der Wand, war doch alles falsch“ umgeschlagen und was zum Teufel mach ich jetzt nur mit mir?

Ich sitze im fancy Restaurant und heule.

Sie sagt all die Dinge, die alle sagen und die ich selber schon weiß. Ja danke.

Sie macht nicht mal Anstalten, mich ein bisschen zu knuddeln. Ja danke.

Sie spricht No. 2 an, der – bei genauerer Betrachtung (und das sind längst nicht alle Begegnungen) – viel präsenter in meinem Leben ist, als mir lieb ist. Und das viel zu selbstverständlich.

Und sie rührt ewig in dem Thema rum…

Da wechsel ich doch lieber zurück zu meinem „mein Leben ist die reinste Katastrophe“-Geheule. Ist doch viel erhebender!

Ich merke an, dass ich ja auch einfach nicht um Hilfe bitten kann. Das Maul aufmachen und so. Mir käme es nie in den Sinn, irgendwelche Freunde anzurufen, um ihnen mein Leid zu klagen. Sie haben ja auch Besseres zu tun. Und im Zweifel schlimmere Probleme.

Sie fordert mich dringend auf, sie doch bitte anzurufen, bevor ich mich von der Brücke stürze. Oder einfach vorbeizukommen.

Ich würde sie eigentlich gerne fragen, ob ich den Rest des Abends auf ihrer Couch versacken könnte. Mit ihrer Therapiekatze auf der Plautze. Aber ich mache das Maul nicht auf.

Und sie verkündet, dass sie sich schon darauf freut, sich gleich mit ner Kippe in die Wanne zu klatschen.

Nein, ich mache das Maul nicht auf.

Sie fährt mich noch zum Bahnhof, wo sie mich nicht wie üblich knuddelt.

Ich muss das Maul auch nicht mehr aufmachen…

Und No. 1a zieht mir die virtuelle Bratpfanne über den Schädel.

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3, 2, 1, Aufprall (2)

Ich war eigentlich ganz entspannt.

Kein Job in Aussicht? Dann is das halt so.

Keine Ahnung, wo ich ab Dezember wohnen werde? Da findet sich schon was.

Hauptsache, dieser Job hier ist bald vorbei und ich bin dann hier weg. Das hat mir einen enormen inneren Frieden gegeben. Ich hab mich schon gewundert, wann endlich die Schnappatmung einsetzt.

Nun, dafür brauchte es offensichtlich Freunde und Verwandte: Hast du schon? Aber was wenn? Willst du nicht? Solltest du nicht?

SCHNAPPATMUNG! PANIK!

Byebye, innerer Frieden, es war sehr nett…

Die ewige To-Do-Liste II

  • Job gekündigt ✅
  • Wohnung gekündigt ✅
  • Strom gekündigt ✅
  • mich mit dem DSL-Anbieter abgekaspert ✅
  • beim Arbeitsamt stramm gestanden ✅
  • Kram und Möbel bei eBay-Kleinanzeigen feilgeboten ✅
  • Kram und Möbel erfolgreich losgeworden ✅
  • total beklopptem Termin für ein Vorstellungsgespräch zugestimmt ✅
  • wildes Dienstplangeschacher betrieben, um den Termin wahrnehmen zu können ✅
  • Trip zum Vorstellungsgespräch am Arsch der Heide organisiert ✅
  • 3,5 Überstunden gesammelt ✅

Gestatten: Duracell-Hase.

Amaaaaaazing (also, das meiste davon).

Ok. – Und nun?

Kündigung abgeliefert.

Kurz und schmerzlos.

Der Chef sagte nur: Ok.

Kein: Neiiin, bitte bleib. Kein: Aber waruuum?

Er hats wohl wirklich schon erwartet.

Ich bin ja ein bisschen beleidigt.

Nun geht also kein Weg mehr zurück. Was mach ich n nun?

Mal sehen:

  • Was mit Medien ist echt scheiße. (Erfahrungswert)
  • Was mit Sprachen ist echt scheiße. (Erfahrungswert)
  • Was mit Menschen wär echt scheiße. Ich hasse Menschen. Wirklich. Sehr. Das ist der einzige große Vorteil meines derzeitigen Jobs: Ich kann 90 Prozent des Tages allein vor mich hinmuffen. Ich bin auch nicht teamfähig. Da nerven mich die Menschen nur. Und meistens ist es Zeitverschwendung. (Erfahrungswert – ich habe allerdings auch noch nie versucht, ein Hochhaus zu bauen oder so)
  • Was mit Computern und Software und so is nur so medium. Ich find den Knopf zum Einschalten. Ich kann das Worddokument öffnen. Ende. Beim kleinsten Problem rufe ich hysterisch No. 2 an. Ich bin auch nur sehr bedingt lernbereit. Wie wird das nur, wenn ich 80 bin? (Wird mal ein Erfahrungswert)
  • Was mit den Händen wär auch doof. Erstens sind beide linke und zweitens krieg ich bei Stress direkt fieses Ekzem und kann nix mehr anfassen. Zumindest nix, was irgendwie feucht ist, die Hände feucht macht, die Haut reizt oder an ihr rubbelt. Also nix. (Erfahrungswert) Der Dermatologe hats auch verboten.

Halten wir fest: Ich bin faul und unmotiviert. Da findet sich bestimmt was… Zur Not greife ich auf mein Kunstprojekt zurück.

(Ich klinge wirklich wie ein RTL-II-Hartzer, dem keine Ausrede zu doof ist… Rosige Zukunft voraus.)

Die ewige To-Do-Liste

Da sollte man meinen, dass die To-Do-Liste kürzer wird, je mehr man abarbeitet. Aber nein, ihr Name ist Hydra.

Irgendwas sticht mir immer im Magen. Und wenn es nur die dräuende Arbeitslosigkeit ist.

Bald ist Sonntag und Sonntag entfliehe ich dem Wahnsinn gen Heimat. Da hätte Hydra auch noch ein paar Köpfe (wie zum Beispiel endlich mal mein Kinderzimmer entrümpeln), aber wenn ich mit Pferd, Garten und Schwimmen beschäftigt bin, kann ich sie weiter weg drängen.

Das hat gefälligst amaaaaaazing Entspannung zu werden!

Und wenn ich ganz ehrlich bin: Es ist ziemlich amaaaaaazing nicht zu der bekloppten Arbeit zu müssen… Ich fühle mich tatsächlich deutlich produktiver. Und ob nun ich den Job mache oder der dressierte Affe… Es gibt doch wertvollere Dinge, die zu tun sind.

Mir stellt sich immer stärker die Frage nach dem Wofür. Und: Will ich wirklich gleich ins nächste Hamsterrad springen? Wofür? Um den Ansprüchen von Staat und Gesellschaft zu entsprechen? Toll!

Ich verstehe und schätze das Prinzip der Solidarität, aber mir ist grad mehr nach dem Prinzip der einsamen Insel…

Fest steht: Ich geh nicht mehr irgendwohin, wo ich eigentlich gar nicht sein will!
Und ne 105%-Stelle nehm ich auch nicht wieder…

Nun gut. Ich sehs mal so: Ich bin endlich aus meinem Trott ausgebrochen, was ja wirklich mehr als überfällig war. Wenn ich daran denke, dass ich vielleicht noch in zehn Jahren in dieser Situation festgesteckt hätte, krieg ich ne nachträgliche Panikattacke. Jetzt dreh ich mich noch ein bisschen orientierungslos im Kreis, aber ich glaube, es wird. In Minischrittchen, aber die sind besser als Stillstand.

ES WIRD SCHON. (Man muss sich auch mal selbst belügen.)

Es wird amaaaaaazing. Irgendwann.

Stopptaste

Mein Papa riet mir nach dem ganzen Drama bei der Arbeit zu einem Urlaub auf Rezept. Einfach mal Abstand nehmen, in mich gehen, nachdenken.

Weil ich mich in der Tat in einem emotionalen Chaos befinde und überhaupt keinen klaren Gedanken fassen kann, tappte ich am Montag zum Doc und schilderte ohne groß zu übertreiben meine Wehwehchen.

Und je länger ich sprach, desto mehr fiel mir ein. Der Schwindel, die Atemnot, die ständigen Kopfschmerzen, die Bauchschmerzen, die Übelkeit, der Haarausfall, der Hautausschlag, das Zähneknirschen, der verkrampfte Nacken, die allabendliche Schlaflosigkeit…

Die Ärztin ließ zig Liter Blut abzapfen und verordnete zwei Wochen wegfahren. Eine davon an nix denken, in der zweiten dann den Plan B entwerfen. Und bei Bedarf wiederkommen.

Das mit dem an nix denken is schon mal gescheitert. Richtig wegfahren lohnt sich nicht, weil ich am Samstag Flauschige-Tiere-Kurs habe und gerade eine Einheit, die ich auf keinen Fall verpassen will. Und ein Kurztrip ist mir im Moment zu anstrengend (was zeigt, wie ausgelaugt ich tatsächlich bin).

Und so lungere ich nach fast vier Jahren zum ersten Mal mehrere Tage am Stück ohne Verpflichtungen in dieser Stadt rum.

Und ich bin ja so gestresst. Ich muss, ich muss, ich muss. Endlich dieses tun, endlich jenes tun. All die Dinge, die ich immer aufgeschoben habe, weil neben der Arbeit und dem Unterwegssein keine Zeit und keine Kraft mehr waren. Das Großreinemachen, der Papierkram, der Behördengang, der Anruf, was muss ich alles bedenken, wenn ich kündige und umziehe, und à propos, ich muss mich bewerben, bewerben, bewerben. Die üblichen Ausreden gelten nicht mehr. Zwei Wochen sind gar nichts. Ich muss, ich muss, ich muss.

Nebenbei habe ich permanent ein schlechtes Gewissen. Ich fühl mich halt wie ein Schwänzer. Schließlich bin ich ja nicht wirklich krank. Die Schmerzen, die Erschöpfung, das is doch Normalzustand.

Einfach in der Sonne liegen und ein Buch lesen, das muss ich mir erstmal zugestehen. Erst, wenn das, das und das erledigt sind! Und dann auch nur mit einem Lehrbuch.

Und dann versacke ich doch wieder vor dem Internet und verliere die Geduld mit mir, weil ich ja schon wieder nix auf die Kette krieg!

Ich stehe stärker unter Strom als an jedem Arbeitstag.

Heute zog ich die Reißleine und setzte mich in den Zug gen Pampa. Gegend, Gegend, Gegend. Sonne. Noch mehr Gegend. Tiere, lebende und plüschige. Sonne und kühles Wasser an den Füßen.

Schön.

Nun sitz ich hier und muss schon wieder. Hab einen ganzen Tag verloren. Ich blöde Kuh.

Reif für die Klapse.

Von Tropfen und Fässern

Wow, diese Woche endete in einem Debakel. Ziemlich unamaaaaaazing.

Die Nummer vom Chef… Der berühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. Nach monatelangem Desinteresse nun also der Arschlochmove.

Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr frage ich mich, was ich eigentlich noch hier mache. Ich frage mich, wie man mich überhaupt noch erträgt: Ständig motze ich über die Arbeit.

Die Arbeitszeiten und der Wunsch nach Reduzierung auf ein „normales“ Maß, der beim Chef auf taube Ohren stößt. Wenigstens mehr Urlaubstage? Nein. Wie wärs denn stattdessen mit einem angemessenen Gehalt? Auch nicht. Kriegen wir wenigstens einen Verzicht auf arbeitsrechlich nicht so okee Dienstplanakrobatik hin? Nur so teilweise.

Und ob ich nun Einsatz bringe oder nicht: egal. Ich erwarte ja nicht, dass man mir permanent erzählt: „Das hast du aber fein gemacht“. Aber wenn es egal ist, ob ich mich voll reinhänge, Dienst nach Vorschrift mache oder sogar grobe Fehler fabriziere, weil einfach null Rückmeldung kommt – eben auch keine negative – und den Dienst nach Vorschrift mitunter auch ein dressierter Affe machen könnte, dann nagt das schon gewaltig an der Motivation. Und das nicht nur bei mir. Die Stimmung bei uns ist mies, alle sind frustriert. Dass der einzig vernünftige Kollege genau deswegen jetzt seinen Hut genommen hat, machts nicht besser.

Der Volontär gab den Todesstoß. Der Typ ist einfach unerträglich. Alle hassen ihn, aber es stört ihn nicht. Er hält sich für ultra-wichtig und allen überlegen. Und Frauen erst recht. Ich habe schon mehrfach mit dem Chef über das total inakzeptable Verhalten dieses Idioten gesprochen. „Jaaa, stimmt, aber er kann was. Das zählt.“ Ja, er kann was. Habe ICH ihm beigebracht. Und er ist faul. Ist egal. Aber Hauptsache, ICH krieg den Anschiss, wenn ich einmal pünktlich nach Hause gehe.

Ach, und ich verlange ja keine plüschige Kuschelecke und nen Kickertisch und nen Pool oder so, aber einmal die Woche könnte ne Putzfrau übers Klo gehen, oder? Ach, zu teuer, können wir auch selber machen? Hmhm. Genau.

Und für den Job bin ich in eine Stadt gezogen, die mich überhaupt nicht reizt. In der ich auch nach mehreren Jahren nichts lebenswertes gefunden habe.

Ich habe echt Schiss vor der Arbeitslosigkeit. Aber ich glaube, es ist Zeit für einen Schnitt. Im Grunde lasse ich mir schon viel zu lange viel zu viel gefallen.

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In other News und weils hier um den amaaaaaazing Scheiß der Woche gehen sollte: Ich habe auch mit etwas Spaßigem begonnen.

Meine Oma (nicht die mit dem Leibeigenen, die andere) hat ich vor einiger Zeit dazu bequatscht nächstes Jahr mit ihr nach Norwegen zu kommen, einmal will sie noch, aber alleine traut sie sich nicht. Das wird anstrengend, aber is ja schlimm, wenn man zu einer Reise eingeladen wird 😉

Ich war vor ein paar Jahren schon mal mit ihr in Norwegen und schon da hat mich gestört, dass ich allerhand verstanden hab, aber über mehr als ein bisschen Geradebreche nicht herauskam. Deswegen gönnte ich mir nun einen Norwegisch-Kurs. Kann ja so schwer nicht sein, ist ja praktisch wie Plattdüütsch mit Schweizer Aussprache, sprach sie und kämpfte schon in Lektion zwei mit der Grammatik.

Ich habe Spaß 🙂