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Älter als ich je werden wollte und komplett desillusioniert. Allgemeines Meh. Allgemeine Niedergeschlagenheit. Und allgemeine Hoffnungsosigkeit.

So meh wie selten, ohne wirklich einen Grund ausmachen zu können. Außer das generelles Meh um Job, Wohnsituation, Helikopterkatzenmuttiangst und was will ich eigentlich, jedenfalls nicht das hier.

Darauf also Schnaps und Prost.

Gedankenspiele

Während ich vergangene Woche jemandem predigte, dass es nicht total absurd ist, wenn man noch mal studiert, auch wenn man schon länger deutlich älter als 20 ist, und dass der Abi-Schnitt dann völlig wumpe ist, weil man definitiv alle Wartesemester abgesessen hat, fiel mir ein, dass ich ja für mein damaliges Wunschstudium mittlerweile auch alle abgesessen haben müsste. Abgesehen davon habe ich ja jetzt nen Bachelor mit nem Streber-Schnitt und nen Master, der auch nicht ganz kacke lief. Und ich könnte direkt mit dem Master, den ich eigentlich machen wollte, anfangen. Ich habe zwar absurdes Zeug studiert, als Qualifikation für den MA reicht es aber.

Eigentlich ist es ein bisschen quatschig, ich glaube nicht, dass mich das beruflich weiterbringen würde. Aber… Oarch, ich WILL. Ich habe da Bock drauf. Ich habe Lust, mein Hirn anzustrengen, lernen zu müssen, wissenschaftlich zu arbeiten. Ich habe auf das Programm Lust, weil es in zwei Ländern stattfindet und weil es genau das ist, was mich immer interessiert hat. Ich könnt’s mir leisten. (Ich hab mich ja schon immer gefragt, worauf ich so eisern spare.) Und ich will ja eh hier weg, aber so richtig Alternativen tun sich in diesen Zeiten nicht so auf…

Auch meine chilenische Mitbewohnerin von damals (aaach, das Haus voller Frauen – und Jesus!), will wieder an die Uni, sie hatte sogar schon das Stipendium für Barcelona (halloooo, Schwester, du weißt, ich werde permanent bei dir rumhocken, oder?) in der Tasche und dann kam Corona… Sie schrieb die weisen Worte: Unser Job ist es nicht, Punkte auf einer Liste abzuhaken, die andere geschrieben haben. Unser Job ist es, glücklich zu sein.

Man müsst sich halt trauen. Und die Katze… ins erste Land kann ich sie noch mitnehmen, Dänemark ist für uns Fischköppe ja ein – höhö – Katzensprung. Das zweite Jahr wird schwierig (und da kommt mittlerweile auch eine gewisse Brexit-Problematik ins Spiel…).

Ach, mein Spatzenhirn und seine Ideen. Das wird mich lange umtreiben. Jetz hab ich ja auch noch die Bewerbungsfrist um Monate hinter mir gelassen und damit noch Monate Zeit, darüber nachzudenken. Eigentlich Blödsinn, aber…

Das ganz große Pfffft

Manchmal setzt man große Hoffnungen in Dinge, Menschen, Ziele, Möglichkeiten. Ich kann vor allem letztere stundenlang in meinem Spatzenhirn durchspielen: Was wäre wenn und wäre wenn nicht wunderbar?

Manchmal warte ich Wochen und Monate oder sogar noch länger auf das große Finale. Das Wenn.

Manchmal – viel zu oft – kommt statt des großen, sehnlich erhofften großen Wumms nur ein niedliches Pfffft. Ein Anruf. Ein Gespräch. Ein nie geführtes Gespräch. Eine verpasste Gelegenheit. Ein minimal verändertes Vorzeichen. Pfffft. Die Spannung löst sich, die Hoffnung verpufft in Sekunden.

Manchmal bringt es eine Enttäuschung mit sich.

Manchmal kehrt einfach die natürliche Ordnung der Dinge zurück.

Manchmal ist das ganz große Pfffft genau das, was nötig war. Und mit ein ganz bisschen Bitterkeit gibt es süße Gewissheit.

Die Kühe (heilig oder dumm?)

Es ist so abgelutscht, aber so sieht’s aus: Ich bin mit der Gesamtsituation unzufrieden. Von der Sexsituation brauchen wir gar nicht reden, sie ist nicht existent. Mi.

Meine Beziehung zu mir selbst ist an einem ziemlichen Tiefpunkt, vielleicht verbringe ich zu viel Zeit mit mir. Ich finde mich noch scheißer als sonst, ein Wunder, dass mich je irgendein Mensch ertragen hat. Da werde ich immer allen vor, sie seien Arschlöcher und dann bin ich selber eins. Und nicht nur innerlich – auch äußerlich bin ich ekelig. Dass ich mein Gesicht ganz gerne umtauschen würde, ist nix Neues. Aber derzeit finde ich mich auch noch unförmig und fett. Bin ich eigentlich schon ein Weilchen, seit ich den Job wechselte, habe ich ganz schön zugelegt. Aber seit ich mich nicht ehr anziehen muss, fällt es natürlich besonders auf. Jetzt quäle ich mich mit deutlich verschärftem Sportprogramm und … freudloser Ernährung. Seit ich nicht mehr einkaufen gehe – das habe ich schon immer gehasst und mittlerweile ist der Wahnsinn nicht mehr zu ertragen – findet auch nix mehr Ungesundes in die Wohnung. Keine Impulskäufe, nur noch gesundes Zeug. Ich hab Hunger. Und wenn man dann so am Kalorienzählen ist und feststellt, wie wenig eigentlich diese ewige Quälerei mit diesem Sport ins Gewicht fällt, warum mach ich das eigentlich? Und die Waage macht auch keinen Mut. Miii.

Auch dass ich meinen Job zum Brechen finde, ist keine Nachricht. Es ist … freudlos. Seelenlos. Schmutzig. Es ist nicht das, was ich mal machen wollte. Ich wollte immer Journalistin werden und jetzt sitz ich da und arbeite nach Schema F den schmutzigen Stuss ab, den das fette Arschloch und sein Herrchen, der Chefchef, so wollen. Zu was anderem komme ich ja nicht und selbst dabei werde ich noch aufgehalten, weil Fetti mir permanent dazwischen quakt. Keine Ahnung aber richtig große Fresse. Der sitzt in seiner Blase und denkt, er ist geil, weil er in der Isolation den Hass nicht mitbekommt, der ihm von allen Seiten entgegenschlägt. ALLE außer seinem Herrchen hassen ihn. Sogar die Unperson ist genervt – und hat offenbar Angst vor ihm (wie ich aus zwei sehr nervösen Telefonaten gestern und einer beinahe verzweifelten Nachricht heute schloss). Er ist respektlos, dumm, inkompetent, ein Arschloch und absolut kritikunfähig. Wenn man weit weg ist, kann man Einwände ja besser ignorieren. Als ich ihn vergangene Woche nachäffte und ihn mehrfach im Gruppenchat aufforderte, seine Fehler oder Versäumnisse zu korrigieren – wie er das eben immer so tut – kam irgendwann ein bockiges: Mach doch selber! (Lustig, genau das, was ich immer denke.) Moarrr.

Es ist furchtbar ermüdend. Es stresst mich viel mehr, als es sollte. Der Jobmarkt ist leergefegt und zu allen offenen Bewerbungen bekam ich die Nachricht: Sorry, Corona, wir können grad keine Personalentscheidungen treffen. Ich höre hier von mehreren Kollegen: Ignorier Fetti einfach, nimm’s nicht so schwer. Den schweren Typen kann man allerdings schwer ignorieren. Und dann kommt immer: „Fetti schätzt dich sehr, das sagt er immer wieder, du bist seine heilige Kuh. Er kann’s nur nicht zeigen.“ Haha, DAS stimmt allerdings. Ich bin eher ne dumme Kuh. Dass ich mir seinen dummen Dummfug immerzu gebe und das bei dem Gehalt… Mit mir kann man’s ja machen und am Ende reparier ich immer den Blödsinn der Anderen und er setzt sich die Lorbeeren auf. Ganz dumme Kuh – mit zu hohen Ansprüchen an ihre Arbeit. Moarrrr.

Und dann hab ich nach meinem unerfreulichen Abenteuer auf der Autobahn auch noch Panik beim Autofahren (im Sinne von: Ich dreh völlig durch bei jeder Bodenwelle) und mag nirgendwo hin. Zugfahren is ja auch keine Option. Miiii.

Das Schlimmste ist, dass ich im Grunde eine ziemlich klare Vorstellung davon habe, wie mein Leben aussehen sollte. Das ist nicht mal wahnsinnig fancy. Aber wahnsinnig anders, als das, was grade stattfindet.

Ich habe schon vor Jahren geschrieben: „Man sagt ja immer so megaklug, man müsse sich nur klar darüber werden, was man wirklich will. Tja, im Haus am See auf der Veranda sitzen und schreiben ist halt einfach nicht realistisch. Davon werden keine Rechnungen bezahlt. Ich muss halt was anderes wollen…“

Ich nehm auch n Haus an der Ostsee übrigens, das wird dann sicher einfacher.
Was zu dieser Fantasie dazugehört: Die Katze aufm Schoß. Den Punkt haben wir immerhin schon mal abgehakt, wir wollen ja mal nicht so tun, als gäbe es hier keine Fortschritte. Problem eins: Das ist ein ganz schönes Luxuskätzchen, ich möchte mir lieber nicht so genau ausrechnen, was eigentlich teurer ist, mein oder ihr Futter. Also, die zu bezahlenden Rechnungen sind höher geworden. Problem zwei hat mit meiner Beziehung zu mir selbst zu tun: Ich finde einfach generell alles kacke und komplett belanglos, was ich schreibe. Es gibt nichts, was ich irgendjemandem zum Lesen gäbe – einfach weil ich vor Scham im Boden versänke.

In meinem Kopf geistert in letzter Zeit immer stärker der Gedanke herum, aus dem was ich mit diesem Blog und um ihn herum so treibe, mehr zu machen. Irgendwas aus ihm heraus zu entwickeln, womit ich vielleicht Geld verdienen könnte. Weil es mir Spaß macht. Weil es mehr „ich“ ist als mein Beruf, der so anders ist als das, was ich wollte. Ich kannte diesen Teil von mir nicht, bevor ich das hier gemacht habe. Und mir meine Blase hier geschaffen habe. Und ich muss sagen: Es gefällt mir sehr.

Nun sind mein Blog und ich ja nicht gerade Freunde. Er ist ein bockiges Biest und macht, was er will und ist nie das geworden, was ich wollte, das er wird. Und wenn ich mir was anderes für ihn überlegt habe, hat er sich das auch anders überlegt. Nur anders als ich. Wie in drei Teufels Namen soll ich hier was … öhöm.. „Vernünftiges“ draus machen? (Ich und vernünftig ist ja ein Oxymoron.)

Außerdem ist mein Blog meine heilige Kuh. Es ist ja doch eine Hassliebe. Ich kann nicht mehr ohne ihn. Auskotzen, rummuffeln, Gedanken ordnen, Gedanken von Lesern ordnen lassen, Zeug halt. Er ist meine Spielwiese. Ich will hier nix müssen.

Natürlich bin ich auch vollkommen ideenlos. Was, was ich anbieten könnte, wäre so speziell, dass man dafür Geld verlangen könnte. Und selbst wenn ich eine Idee hätte, mein Ich fände sie scheiße.

Nun ja. Mit der Gesamtsituation unzufrieden und so.

Danke und auf Wiedersehen.

Da soll man sich ja vorstellen, wie die Dinge aussehen, wenn man ein Ziel, das man sich gesetzt hat, schon erreicht hat.

Ich kann das supergut. Viel zu gut. In meinem Kopf fand schon ein ganz anderes Leben statt, als das, das ich jetzt habe. Für meine Verhältnisse ziemlich realistisch. Anderer Ort, schöner für mich, viel schöner für die Katze, anderer Job, vielleicht nicht perfekt, aber anders und Chefredakteure sind eh immer bekloppt. An Sex denk ich lieber gar nicht mehr.

Trotzdem hat mir die Vorstellung gefallen, ich fand mein Ziel erreichbar.

Ist es nicht! Sagt das Leben und knallt mir die Tür in die Fresse.

Und ich fühl mich, wie bei hoher Geschwindigkeit vom Fahrrad geklatscht, mit der Fresse auf den Asphalt und noch n Stück weitergeschliddert.

Fazit und so

Normalerweise kommt ja am Ende des Jahres immer mein Fazit und maule, wie schlimm wieder alles war. Also, letztes Jahr war kurz ok, aber sonst immer alles schlimmschlimmschlimm. Kurze Selbstmitleidserenade.

Dass das dieses Mal mit einem Tag Verspätung kommt, ist ziemlich symptomatisch. Ich krieg N-I-X gebacken. Ich bin körperlich und emotional komplett erschöpft. Wenn es nach mir ginge, würde ich nur noch rumliegen.

Was eigentlich ganz gut anfing als dieses sogenannte 2019, begann bereits im Februar irgendwie meh zu werden und während ich noch dachte, das ruckelt sich schon noch wieder zurecht, begann eine unaufhaltsame Abwärtsspirale, die sich bis heute fortsetzt. Und ich kann nur zusehen und in all meiner Erschöpfung nichts tun.

Ja, es gab schlimmere Jahre. Schlimmer als 2016 will ich mir lieber gar nicht vorstellen, auch wenn ich es für durchaus möglich halte. Aber so ausgelaugt war ich noch nie.

Immerhin habe ich eine ständige Begleitung beim Rumliegen: die schwarze Prinzessin. Auch wenn sie schon wieder Grund ist, mir Sorgen zu machen. Ganz schlimm: Das schlechte Gewissen, dass ich sie wegen Madagaskar eeeeewige 18 Tage verlassen werde.

Einen Ausblick auf dieses 2020 wage ich gar nicht. Was weiß denn ich, was da kommt. Ich hoffe, Veränderung. Ich fürchte: nicht.

Das neue Jahr begann für mich mit einer besonders heftigen und schmerzhaften Menstruation – was auch immer man da reininterpretieren will. Begleitet war sie wie üblich von einem wilden Sextraum – was auch immer man da reininterpretieren will. Protagonist: Der Arbeitsgatte. Was auch immer man da reininterpretieren will.

Es wirkte wirklich realistisch und lebhaft – so sehr, dass ich noch den ganzen relativ ereignislosen Feiertagsdienst (ereignisloser Neujahrsdienst, wo gibts denn sowas! Nächstes Jahr gebt ihr euch wieder mehr Mühe, ok? Ohne unschuldige Affen zu töten, bitte!) immer wieder Bilder davon vor Augen hatte.

Und obwohl es in meinem Traum wirklich wild und sehr, sehr sexy war: Je mehr ich drüber nachdenke, desto weniger kann ich mir Sex mit dem Arbeitsgatten vorstellen. Ich kann mir einfach keine Situation vorstellen, in der wir uns wirklich ernst nehmen. Das fänd ich beim Vögeln dann halt schon schön. Man muss die Situation nicht ernst nehmen. Aber den Partner.

Und somit kann ich wieder jemanden von der Vögelliste streichen. Was eigentlich nichts zu bedeuten hat, denn: Ich habe grade überhaupt keine Energie für sowas. Und meinen Körper mag ich auch grad keinem vorführen.

Wie dem auch sei. Frohes Neues und so.

Wurmloch

Es fing an mit einem leisen Selbstzweifel. Weiß nicht mal mehr warum.

Dann die komplette Überforderung. Totalversagen. Vollständige Blockade. Und die Frage, was ich hier eigentlich mache. Wozu das alles? Und dann mach ich das ja auch noch alles falsch.

Versagerin auf der ganzen Linie. Nix erreicht. Auf dem Weg nach Nirgendwo.

Ganz viel Wut und Frust. Wegen mir und anderen.

Und plötzlich Angst. Wovor, warum? Keine Ahnung.

Aber es reicht, um mir den Magen zusammenzuschnüren und den Schlaf zu rauben…

Die Vorderseite der Medaille (2)

Eigentlich tragisch. Da ging der schöne L., der nutzlose F. wurde gegangen, der Arbeitsgatte nimmt sich Burnout und fällt wer weiß wie lange aus –  und wer weiß für wie lange er zurückkehrt… Und nun hat auch noch die rundum tolle J., die zwar Regio-Kram macht, aber auch für dieses Internet höchst nützlich ist – und nebenbei superliebst – gekündigt.

Der ganze Laden zerkloppt sich selbst.

Immerhin: Weil ich nicht wieder die Letzte sein will, die den sinkenden Kahn verlässt, bin ich endlich wieder im Bewerbungs-Flow.

Back to the 90ies

Was tun, wenn man krank daniederliegt und das Hirn für Leistung nicht zu gebrauchen ist? – Seichte Unterhaltung lesen. Aus meinem Fundus ungelesener Bücher fischte ich eine Anthologie aus dem Jahr 1999. Thema: natürlich der Jahrtausendwechsel. Witzig, diese 90er. Niedlich, dieser Ausblick auf die Zukunft – und diese kuriosen Ängste, die mit dem neuen Jahrtausend verbunden waren (in einer Geschichte schickt der Autor seinen Protagonisten auf Zeitreisen und am Ende landet der just im Jahr 2019 – das leider (oder zum Glück?) so ganz anders geraten ist). Und hach, dieses Internet. Gnihihi, dieses Internet. Gemaule über die „Scheiß-Medien“, inklusive Übergriff auf ein Kamerateam. Jaja, auch das war schon da, nur ohne diesen Verstärker „Internet“. Und wann haben Drogen eigentlich aufgehört, so hip und arty zu sein?

Ich bin mir nicht so sicher, ob die Welt seitdem gewachsen oder geschrumpft ist…

The obvious choice of song would be:

Aber aus Gründen gibt’s den:

Grüßchen aus den 90ern!

My beautiful picture

 

Throwback Wednesday

Vor einem Jahr fragte Jule mich: „Wenn du am 31. Dezember 2018 auf das Jahr zurückblickst, worauf möchtest du besonders stolz sein?“ und ich antwortete: „Dass ich meinen Superjob super mache.“

Und ich habe nicht dran geglaubt. Ich habe nicht daran geglaubt, dass ich einen Job finden würde, den ich auch nur ok finden würde…
Vielleicht habe ich nicht DEN Superjob, aber er ist schon ziemlich gut. Und ich mache ihn schon ziemlich gut.

Vor einem Jahr forderte Jule mich auf: „Gib deinem Jahr 2018 einen Claim!“ und ich schrieb: „Alles neu!“

Das trifft’s ganz gut.

Kurios. Aber schön kurios. 🙂