Krönchen richten, Krönchen richten…

Jule stellt wie immer die schwierigen Fragen.

Rückblick auf 2017:

  1. Wenn dein Jahr 2017 verfilmt werden würde, welchen Titel würde der Film tragen?
    „Abreißen, liegenlassen“
  2. Welchen Tag aus 2017 möchtest du gerne nochmal erleben?
    Den. „Gegend, Gegend, Gegend. Sonne. Noch mehr Gegend. Tiere, lebende und plüschige. Sonne und kühles Wasser an den Füßen.“ Nehm ich in Dauerschleife.
  3. Was hast du dieses Jahr besonders gut gemacht?
    Überlebt. Weitergemacht. Keine größeren Katastrophen produziert.
  4. Welche drei Menschen hatten 2017 ein besseres Jahr, weil es dich gibt?
    J. aus dem Flauschige-Tiere-Kurs. Hat sie selber gesagt: Wenn 2017 was Gutes hatte, dann, dass ich dich getroffen habe. ❤
    Darüber hinaus wirds schwierig.
    Vielleicht die Herzoginfreifraugräfin vonundzu, ihres Zeichens Vermieterin von No. 2. Er trägt der Endsechzigerin immer ihre Wasserflaschen und wird auch sonst für gröbere Arbeiten und Computerprobleme rangepfiffen und wann immer ich mich im Haus aufhalte, muss ich als Dolmetscherin und Kulturbotschafterin fungieren. Sie verstehen sich zwar schon irgendwie, aber auch nicht immer 100 pro. Jedenfalls werde ich natürlich immer wieder ausgequetscht wie eine Zitrone und eines Abends zitierte sie uns gegen 22 Uhr (!) per Whatsapp (!) zu einem Glas Wein in ihr Wohnzimmer. „Sie können doch so gut Französisch“, sagte sie zu mir und berichtete mir, sie wolle mit ihren beiden älteren Schwestern nach Paris und da einiges reservieren, nur ihr Französisch reiche nicht. Also bekam ich ihre Kreditkarte in die Hand gedrückt, reservierte artig Ausstellungstickets und Restauranttische und ihr fiel immer noch mehr ein. Dann telefonierte sie mit ihren Schwestern und prahlte damit, was sie nicht alles online bewerkstelligt habe. Sie hatte wochenlang Oberwasser, jaja, was die kleine Schwester nicht alles kann (ich und No. 2 grinsten und schwiegen). Und ich bekomme jetzt regelmäßig Biokosmetik und abgelegte Blusen und Strickjacken (feinster Zwirn) angedreht. Sie hatte einen netten Paris-Urlaub 😉
    Über die dritte Person muss ich noch sinnieren.
  5. Was hat sich 2017 für dich unerwartet zum Guten verändert? Und was war dein Anteil daran?
    Den Helene-Fischer-Nachbarn losgeworden. Da habe ich mit meinem Rumgemaule bei der Hausverwaltung zu beigetragen.
    Den Kotzjob losgeworden. Die Kündigung hab ich ganz allein geschrieben 😉

Ausblick auf 2018

  1. Wenn du wüsstest, dass dir nichts Schlimmes passiert und du alles schaffst, was du dir vornimmst, welchen Vorsatz würdest du für 2018 fassen?
    Habe ich unbegrenzt Kohle? Ein Haus am See erstehen und einen Roman verfassen (und mal wirklich dranbleiben und nicht nach der Hälfte sagen: Was für eine banale Scheiße!). Und dann werd ich NATÜRLICH reich und berühmt.
  2. In der Silvesternacht hast du eine Rakete in den Himmel geschickt, die schöner war, als alle Raketen zuvor. Das war eine Wunderrakete. Denn über Nacht ist ein Wunder passiert: Dein größer Traum ist in Erfüllung gegangen. Was ist jetzt, am 01.01.2018, anders?
    Jemand hat mir versehentlich mehrere Millionen Euro überwiesen und will das Geld nicht zurück?
    Nein, im Ernst. Natürlich läuft in meinem Leben grad nix nach Plan und ich hätte da einige Änderungsvorschläge. Und natürlich wäre das schön, wenn sich dafür zügig ne Lösung findet. Aber dafür sind eigentlich keine Wunder nötig. Es sind alles Dinge, die sich schon irgendwie lösen lassen. Und bei denen es sehr befriedigend wäre, wenn ich selbst zu dieser Lösung komme.
    Wobei so Knete natürlich einiges erleichtern würde 😉
  3. Ein neuer Laden öffnet seine Pforten. Dort gibt es allerlei Charaktereigenschaften zu kaufen. Du kannst dir für 2018 eine dazukaufen oder eine bestehende stärken. Welche landet in deinem Einkaufswagen? Und warum?
    Darüber hab ich jetz lange rumgegrübelt.
    Erst dachte ich, oooch, das wär nett, wenn ich nicht mehr so naiv wäre.
    Dann dachte ich, ich wär gern mutiger.
    Dann fiel mir ein, dass ich zu diesen Frauen gehöre, die einige IQ-Punkte für besseres Aussehen hergeben würden. Ich geb euch die Hälfte von meinem IQ und dafür seh ich aber megabombe aus!
    Denn wer doof is, merkt nich, dass er doof is. Ich merke aber sehr wohl Nachteile durch fehlende Attraktivität. Wer doof is, denkt weniger an wäre, hätte, könnte, sollte und macht mehr. Auch wenns doof ist.
    Also, ich nehm dann einmal saudoof!
  4. Wenn du am 31. Dezember 2018 auf das Jahr zurückblickst, worauf möchtest du besonders stolz sein?
    Dass ich meinen Superjob super mache.
  5. Gib deinem Jahr 2018 einen Claim!
    Alles neu!

Diese Fragen darf jeder beantworten, für sich oder öffentlich. Ich gebe sie euch allen weiter!

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30

Andere Leute in meinem Alter haben ein Haus, ein Auto, eine Familie. Kann ich nichts mit anfangen. So viel Verantwortung, so viel Kanonenkugel am Bein. So viel Rücksichtnehmen auf Bedürfnisse anderer.

Ich sehe junge Leute mit Kind und denke, die sind ja selber noch Kinder. Dann denke ich: Naja, sie sind in meinem Alter. Ein ganz normales Alter, um eine Familie zu gründen.

Ich bin noch nicht soweit. Ich fühle mich immer noch wie 17 3/4. Hätte nichts dagegen, wenn Mama mir noch jeden Abend das Essen macht.

Ich kann immer noch keine Ordnung halten. Vor nicht allzu langer Zeit musste ich mir neue Kopfhörer kaufen, weil ich auf meine – achtlos hingeworfenen – draufgelatscht war. Jede Sechsjährige hätte dafür nen Anschiss gekriegt. Zurecht.

Ich habe noch imaginäre Freunde. Die sind echt zuverlässiger als die realen. Und wirklich immer zur Hand 😉 Manchmal helfen sie mir, eine andere Sicht auf die Dinge einzunehmen, den Knoten meines Problems aus einer anderen Perspektive zu betrachten und ihn dadurch zu lösen. Wenn ich mich grade gut genug für die Müllkippe der Menschheit halte, erinnern sie mich an meine Stärken.

Ich kann manchmal immer noch nicht glauben, dass ich meine Rechnungen allein bezahle. Meine eigene Wohnung hab hatte. Mein eigenes Zeug einkaufe. Mit meinem eigenen Geld. Das ich mit meiner Arbeit verdient habe. Dass ich ne Steuererklärung mache. Und mich wirklich mal mit Versicherungen und so was beschäftigen sollte. Fräulein 17 3/4 hat nämlich nicht mal ne Haftpflicht…

Ich weiß immer noch nicht, was ich mal werden will, wenn ich groß bin.

Ich habe den Lebenslauf artig abgehakt. Bachelor, Master, gute Noten, in weniger als der Regelstudienzeit. Mehrere, längere Auslandsaufenthalte. Volontariat. Einige Jahre Berufserfahrung. Führungsposition.

Das alles hat mich geprägt. Aber es hat mich nirgendwohin gebracht.

Ich könnte mich heute wie vor 10 Jahren in eine Berufsberatung setzen und sagen: Weißnichwasichwerdensoll.

Diese Frage: Wo sehen Sie sich in fünf Jahren? WEIßICHDOCHNICH. Hellsehen kost extra. Wollen Sie mal wissen, wo ich mich vor fünf Jahren in fünf Jahren gesehen habe? Nicht hier. Aber da, wo ich dachte, dass ich sein würde, will ich auch nicht mehr sein. Falls ich überhaupt je ne klare Vorstellung hatte. Eher diffuse Wünsche.

An denen ich mich zwar immer grob orientiert habe. Aber letztlich habe ich immer nach dem gehandelt, von dem ich dachte, dass man es von mir erwartet. Zum ersten Mal bin ich aus diesem Muster ausgebrochen. Muss mich neu sortieren. Und ja, ich habe Angst vor dem, was kommt. Ja, ich bin unsicher, was mein nächster Schritt sein soll. Aber irgendwie ist es auch gut so, wie es ist.

Darf man das? (30) - noch ganz oke in Form

Darf man das? (30) – noch ganz oke in Form

Die Suppe, die man sich einbrockt

Letzter Arbeitstag. Gemischte Gefühle.

Ich bereue es sicher nicht, den Job gekündigt zu haben. Hätte ich viel früher machen sollen.

Ich bin froh, wenn ich mir den Saftladen heut Abend vom Leib duschen kann.

Trotzdem reißts mir grad den Boden unter den Füßen weg. Kein Job, keine Wohnung und auch nicht gerade der Traum eines Vermieters.

Das war einfach blöd von mir, meine Wohnung zeitgleich mit dem Job zu kündigen. War ja klar, dass ich keine Zeit haben würde, mir was zu suchen. Der Impuls, von hier weg zu wollen, war stärker als jeder klare Gedanke. Stand schon im meinem ersten Schulzeugnis: Darf man das? ist zu impulsiv. Manches ändert sich nie.

Nun gut, im schlimmsten Fall muss ich meinen Krempel irgendwo einlagern und vagabundieren.

Was ich jobtechnisch machen werde, ist mir wirklich völlig unklar. Ich lese Stellenanzeigen und traue mir nix zu.

Ich fühle mich als gescheiterte Existenz.

Nicht, dass meine Existenz vorher irgendwas Tolles hatte, aber wenigstens war es eine trostlose Existenz mit regelmäßigem Einkommen.

Ich versuche, mir immer wieder einzureden, dass es auch eine Chance sein kann, dass ich grade alles umgeschmissen habe. Aber es fällt mir im Moment sehr schwer, wirklich daran zu glauben.

 

Wir mussten reden

– Und, haste das Maul aufgemacht?, fragt mich No. 1a.

No. 1a kennt mich gut. Denn natürlich habe ich das Maul nicht aufgemacht. Laute bilden, Worte, Sätze gar, wenn es mir womöglich zum Vorteil gereichen könnte – never!

Wir mussten also reden.

Die ganze Zugfahrt über ermahne ich mich: Du sollst sie nicht einfach knutschen! Nur weil das in deinem Kopf irgendwie zur Normalität geworden ist, heißt das nicht, dass das auch wirklich normal (oder erwünscht) ist.

Sie ist dann eh irgendwie hektisch und grummelig – keine Gefahr.

Sie schleppt mich in ein fancy Restaurant – ein wahrlich wunderbarer Ort zum Reden.

Sie steigt noch leicht ein, ob ich mit ihr im März zur Buchmesse gehe, bütte bütte. Das Kopfkino geht schon wieder ab, drei Tage mit ihr, na warum nicht…

Und dann patscht sie schön mit dem Finger in die Wunden, ach was, sie geht bis zum Ellenbogen rein. Was wird nu, was machst du, was willst du? Sie weiß genau, wo sie nachfragen muss, um die ganz empfindlichen Nervenbündel zu treffen, zielsicher kitzelt sie meine Existenzkrise aus mir heraus. Verdammt was tu ich nur, wann ist es von „geil, läuft, alles richtig gemacht“ in „verdammt, falsch abgebogen, scheiße, jetzt klebt der Karren an der Wand, war doch alles falsch“ umgeschlagen und was zum Teufel mach ich jetzt nur mit mir?

Ich sitze im fancy Restaurant und heule.

Sie sagt all die Dinge, die alle sagen und die ich selber schon weiß. Ja danke.

Sie macht nicht mal Anstalten, mich ein bisschen zu knuddeln. Ja danke.

Sie spricht No. 2 an, der – bei genauerer Betrachtung (und das sind längst nicht alle Begegnungen) – viel präsenter in meinem Leben ist, als mir lieb ist. Und das viel zu selbstverständlich.

Und sie rührt ewig in dem Thema rum…

Da wechsel ich doch lieber zurück zu meinem „mein Leben ist die reinste Katastrophe“-Geheule. Ist doch viel erhebender!

Ich merke an, dass ich ja auch einfach nicht um Hilfe bitten kann. Das Maul aufmachen und so. Mir käme es nie in den Sinn, irgendwelche Freunde anzurufen, um ihnen mein Leid zu klagen. Sie haben ja auch Besseres zu tun. Und im Zweifel schlimmere Probleme.

Sie fordert mich dringend auf, sie doch bitte anzurufen, bevor ich mich von der Brücke stürze. Oder einfach vorbeizukommen.

Ich würde sie eigentlich gerne fragen, ob ich den Rest des Abends auf ihrer Couch versacken könnte. Mit ihrer Therapiekatze auf der Plautze. Aber ich mache das Maul nicht auf.

Und sie verkündet, dass sie sich schon darauf freut, sich gleich mit ner Kippe in die Wanne zu klatschen.

Nein, ich mache das Maul nicht auf.

Sie fährt mich noch zum Bahnhof, wo sie mich nicht wie üblich knuddelt.

Ich muss das Maul auch nicht mehr aufmachen…

Und No. 1a zieht mir die virtuelle Bratpfanne über den Schädel.

3, 2, 1, Aufprall (2)

Ich war eigentlich ganz entspannt.

Kein Job in Aussicht? Dann is das halt so.

Keine Ahnung, wo ich ab Dezember wohnen werde? Da findet sich schon was.

Hauptsache, dieser Job hier ist bald vorbei und ich bin dann hier weg. Das hat mir einen enormen inneren Frieden gegeben. Ich hab mich schon gewundert, wann endlich die Schnappatmung einsetzt.

Nun, dafür brauchte es offensichtlich Freunde und Verwandte: Hast du schon? Aber was wenn? Willst du nicht? Solltest du nicht?

SCHNAPPATMUNG! PANIK!

Byebye, innerer Frieden, es war sehr nett…

Die ewige To-Do-Liste II

  • Job gekündigt ✅
  • Wohnung gekündigt ✅
  • Strom gekündigt ✅
  • mich mit dem DSL-Anbieter abgekaspert ✅
  • beim Arbeitsamt stramm gestanden ✅
  • Kram und Möbel bei eBay-Kleinanzeigen feilgeboten ✅
  • Kram und Möbel erfolgreich losgeworden ✅
  • total beklopptem Termin für ein Vorstellungsgespräch zugestimmt ✅
  • wildes Dienstplangeschacher betrieben, um den Termin wahrnehmen zu können ✅
  • Trip zum Vorstellungsgespräch am Arsch der Heide organisiert ✅
  • 3,5 Überstunden gesammelt ✅

Gestatten: Duracell-Hase.

Amaaaaaazing (also, das meiste davon).

Ok. – Und nun?

Kündigung abgeliefert.

Kurz und schmerzlos.

Der Chef sagte nur: Ok.

Kein: Neiiin, bitte bleib. Kein: Aber waruuum?

Er hats wohl wirklich schon erwartet.

Ich bin ja ein bisschen beleidigt.

Nun geht also kein Weg mehr zurück. Was mach ich n nun?

Mal sehen:

  • Was mit Medien ist echt scheiße. (Erfahrungswert)
  • Was mit Sprachen ist echt scheiße. (Erfahrungswert)
  • Was mit Menschen wär echt scheiße. Ich hasse Menschen. Wirklich. Sehr. Das ist der einzige große Vorteil meines derzeitigen Jobs: Ich kann 90 Prozent des Tages allein vor mich hinmuffen. Ich bin auch nicht teamfähig. Da nerven mich die Menschen nur. Und meistens ist es Zeitverschwendung. (Erfahrungswert – ich habe allerdings auch noch nie versucht, ein Hochhaus zu bauen oder so)
  • Was mit Computern und Software und so is nur so medium. Ich find den Knopf zum Einschalten. Ich kann das Worddokument öffnen. Ende. Beim kleinsten Problem rufe ich hysterisch No. 2 an. Ich bin auch nur sehr bedingt lernbereit. Wie wird das nur, wenn ich 80 bin? (Wird mal ein Erfahrungswert)
  • Was mit den Händen wär auch doof. Erstens sind beide linke und zweitens krieg ich bei Stress direkt fieses Ekzem und kann nix mehr anfassen. Zumindest nix, was irgendwie feucht ist, die Hände feucht macht, die Haut reizt oder an ihr rubbelt. Also nix. (Erfahrungswert) Der Dermatologe hats auch verboten.

Halten wir fest: Ich bin faul und unmotiviert. Da findet sich bestimmt was… Zur Not greife ich auf mein Kunstprojekt zurück.

(Ich klinge wirklich wie ein RTL-II-Hartzer, dem keine Ausrede zu doof ist… Rosige Zukunft voraus.)