Fucking Feminism

Wir haben da so eine Volontärin… Unter Welt retten geht gar nichts: Wenn ihr ein Thema nicht relevant genug ist, lehnt sie es ab. Oder sie nölt so lange rum, bis es ihr jemand entnervt abnimmt, weil man den Artikel in der Zeit, die sie ins Nölen gesteckt hat, schon längst fertig geschrieben haben könnte.

Als ob Volontäre sich sonst ihre Themen aussuchen könnten… Das geht ihr nur durch, weil sie den Chef amüsiert – noch. Eines Tages wird ein gewaltiges Donnerwetter auf sie herabgehen.

Sie ist vegan, Feministin, ehrenamtliche Flüchtlingshelferin, linke Demoteilnehmerin… das ganze Paket – im Grunde so wie ich. Nur viel penetranter. Sie reibt es jedem unter die Nase. Moralisiert permanent. Sie sagt im Grunde dauernd das Richtige. Nur klingt es, als käm sie grad aus dem linksgrün-versifften Emanzenseminar. Wenn sie anfängt, Vorlesungen über „toxische Maskulinität“ und was Kant gesagt hat zu halten, muss ich immer spontan aufs Klo – ich, die ich sonst so sehr auf Intello-Geschwafel abfahre.

Ich will das gar nicht schlecht reden, sie hat ja meistens Recht. Ich frage mich allerdings, ob man damit was erreichen kann, wenn sie selbst mich damit nervt. Ob man sich nicht ein bisschen der Realität anpassen muss, um viel subtiler das Richtige zu erreichen. Oder ob es Leute wie sie braucht, die als das Engelchen auf unserer Schulter immer wieder darauf pochen, dass sich Zeug gefälligst zu verändern hat und dass wir schon viel zu viel Zeit verplempert haben.

Mich alte Zynikerin straft sie jedenfalls immer mit höchst missbilligenden Blicken, wenn ich wieder unpassende Witze mache, mit den Macho-Sprüchen der Kerls mitgehe und immer noch einen draufsetze (immerhin bin ich die Sexismus-Beauftragte) oder ausführlich über Blow-Jobs und Pornos spreche.

Wochenlang hat man ihr eine gewisse Verachtung angemerkt: Wir Online-Lümmel waren ihr einfach nicht korrekt genug – und ich ganz besonders nicht. Da kommt so eine mit eng anliegenden Klamotten und hohen Absätzen an und kommentiert Gespräche wie: „irgendwas mit Mob“ – „hier ist kein Mops“ mit: „nee, nur Möpse“ und ruckelt ihre Brüste in ihrem BH zurecht. Findet es nicht TOTAL verwerflich, wenn in einer Überschrift „Weib“ steht (passte halt zum Inhalt). Verwerflich von mir.

Und dann drücke ich ihr auf, etwas zu dem Buch „Das ist Alpha“ von Kollegah zu schreiben und sie nölt. Immerhin: Sie liest ein paar Artikel dazu. Liest mir Zitate vor wie:

Sex zu bekommen wird dank deiner Bossaura für dich so alltäglich und selbstverständlich werden wie pissen gehen.

Die Frau hat natürlich ein Mitspracherecht bei Entscheidungen, aber der Initiator und Durchsetzer, der das letzte Wort hat, bist du.

…ich darf dir verraten, dass es ganz sicher nicht am Geiz ihres Gemahls liegt, wenn sich eine 23-jährige Millionärsgattin kleidet wie eine Hure. Vielleicht fehlt der Dame einfach Stil.

Ich will jetzt gar nicht die Chauvi-Macho-Keule auspacken, aber wenn ich mir die unüberschaubare Menge an Bitches ansehe, die nach jedem Konzert auf den Boss wartet, dann weiß ich, wie die Realität aussieht.

Und ich bekomme Schnappatmung. Einen Tourette-Anfall. Ich will ihr das Thema entreißen. Auf 5000 Zeichen abkotzen. Tue es dann doch nicht, weil ich weiß, dass das nicht gut ausgeht.

Und sie macht große Kulleraugen. „Wusste gar nicht, dass du dich auch für Feminismus-Themen interessierst…“

Schätzchen… Ich bin eine Frau in einem Männerberuf, in einem Team, das vor deiner Ankunft nur aus Typen und mir bestand. Ich habe mir in kurzer Zeit eine Menge Respekt erarbeitet. Ich habe recht viel Verantwortung an mich gerissen – oder sie wurde mir überlassen. Ich hab die allergrößte Klappe. Und ich kann, was ich tue.

Ja, ich trage weibliche Kleidung. Weil ich da Bock drauf hab. Ja, ich lasse die Jungs ihre Kleine-Chauvi-Seite raushängen. Weil ich da Spaß dran hab und weil sie sich bei mir eh nix trauen. Und ja, ich quassel permanent über Sex. Mache Witze darüber. Ich sende sexuelle Signale und ich habe Sex – und dann rede ich da drüber. Das alles – und ich meine wirklich das ganze Paket – ist Teil meiner sexuellen Selbstbestimmung. Ich tue, was Männer tun. Kann man gut finden, man kann es auch lassen. Aber was ich tue, ist mein Ding. Das ist Fucking Feminism.

Und das ist mein Beitrag für die Gesellschaft, den ich weit verbreite, aber niemandem aufdränge. Wer sich gestört fühlt, darf mir das sagen, der wird dann nicht mehr beschwallt…

Aber ich wiederhole mich gerne: Die Welt muss weniger verklemmt sein. Sex muss aus der Schmuddelecke. Sex ist Alltag – behandelt ihn so. Je mehr vor Menschen – vor allem junge Menschen – über Sex wissen und je weniger sie glauben, dass es was „Schmutziges“ ist, desto bessere und sicherere Entscheidungen können sie treffen. Eigene (!) Entscheidungen.

Es ist übrigens nicht besonders feministisch, mich dafür schief anzugucken. „Ich bin gar keine Schlampe – ich hab heut erst drei Typen gehabt“, sprach ich und zog ab.

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18 Kommentare zu “Fucking Feminism

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