Rettungsweste aus Blei

Wahrscheinlich habt ihr es mitgekriegt: Hier war ein paar Wochen Sendepause. Aus Gründen und sowieso. Das war nicht geplant und schon gar nicht für so lange und eigentlich… total egal. Am Anfang war ich ja noch n büschen auf Entzug, aber mittlerweile muss ich sagen: Ich hab kein Bock auf Blog.

Im Grunde hat sich der Sinn dieses Blogs – so er denn je einen hatte – erübrigt. Ich habe keine Lust mehr, mich mit meinen Befindlichkeiten auseinanderzusetzen. Es ist enorm ermüdend, und wie ihr mitbekommen habt, immer wieder das Gleiche in Variationen. Und es führt zu absolut nichts.

In den vergangenen Wochen ist in meiner kleinen Welt allerhand passiert, manche Dinge einfach so, andere habe ich angestoßen, einige wurden von außen angeschubst. Ich kann’s sehr kurz zusammenfassen: Es hat sich praktisch nix verändert. Ich kann strampeln wie ich will, wilde Sprünge wagen, alles einstellen: Irgendjemand setzt mich immer wieder in mein bekacktes Hamsterrad zurück und ich kann überhaupt nichts machen. Es ist im wahrsten Sinne des Wortes zu Heulen.

Ich habe auch keine Lust mehr, mich mit den Befindlichkeiten von irgendwelchen Typen auseinanderzusetzen. Leider kann ich ja nicht einfach mit irgendwelchen x-beliebigen Typen rumvögeln, ich muss ja immer auch irgendwas mit denen anfangen können. Kack Hirn, das mitfickt. Dumm nur, dass wirklich jeder Mensch mit seinem eigenen Päckchen daherkommt. Entweder, man macht das Hirn aus, oder man setzt sich eben damit auseinander. Beides will ich nicht. Allein, was ich in den vergangenen Monaten mit verschiedenen Männern erlebt habe… nä! Dafür ist der Sex, den ich habe, nicht gut genug. Das ist schon bitter: Wenn ich drüber nachdenke und mich richtig ehrlich mache, hatte ich zuletzt wirklich guten Sex, als das mit No. 3 frisch war. Das ist jetzt halt auch schon 7 Jahre her. Da kann ich den Laden auch dicht machen. Und dass ich mich so lange nicht mehr locker machen konnte, zeigt auch noch mal sehr deutlich, dass ich mich in einer gewaltigen Abwärtsspirale befinde (und dass es immer zwei Leute braucht für schlechten Sex). Gut, dass ich derzeit eh keine Lust habe…

Mir ist im Moment alles eine Last, der Blog, das Leben und vor allem ich selbst. Selbst ein Sommerurlaub wie damals, mit nur barfuß im Sand und immerzu die Haare nass vom Meer und Sonnenbrand, bis sich die Pelle häutet, bringt nix Gutes.

Denn Starren aufs Meer (SCHLIMMER Anblick übrigens)

– also, richtig schlimm –

und in Sternschnuppen (enorme Ausbeute dieses Jahr) führt bloß zu Grübeleien, die bei mir ja ausschließlich Unfreundliches hervorbringen.

Da ist mir so viel Dreck widerfahren im Leben und ein Strandurlaub reißt mich in das möglicherweise tiefste Loch… Kein Tag vergeht, ohne dass ich nicht wegen irgendwas reichlich grundlos rumheule, und jeder klare Gedanke, den es mir zu fassen gelingt, löst eine Panikattacke aus. Alles geht in Zeitlupe und dabei rast die Zeit so schnell, dass mir von der Erdrotation schlecht wird.

Mir ist das Leben zu schwer geworden, um mich weiter damit auseinanderzusetzen. Und das führt ja doch zu nix.

24 Kommentare zu “Rettungsweste aus Blei

  1. „immer wieder das Gleiche in Variationen“
    Korrigiere mich, wenn ich mich irre, aber so ist das Leben der meisten Menschen.

    Interessanterweise habe ich gerade vor ner Stunde mit nem Kumpel geschrieben, der mir geschildert hat, weshalb er die Suche nach ner Frau aufgibt und dass das alles ja sowieso nichts bringt und bla…
    Liegt das irgendwie an dem Tag heute?

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  2. Es kommt viel zusammen, gerade in diesem Jahr. Gefasste Pläne wurden umgeworfen und neue Sachen anschieben ist derzeit schwierig.
    Ich hoffe doch, du schreibst weiter und findest etwas, was dich ermutigt 🖤

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  3. Das klingt mir auf jeden Fall nach einer Veränderung. Von allem. Job, Wohnung, Freunde, keine Ahnung. Aber wahlloser Sex ist da vermutlich nicht die Lösung. Eher echte Freunde, mit denen du reden kannst.
    Gibt es Hobbys, die du ausüben kannst, um da Menschen mit gemeinsamen Interessen kennenzulernen? Ist ja nicht alles verboten.
    Schade, es tut mir so leid, dass du darunter so leidest. Vielleicht doch eine Therapie?
    Oder eine andere Herangehensweise? Ein neuer Blickwinkel?
    Du siehst, ich habe auch keine Lösung, aber die kannst nur du finden. Ich drücke dir die Daumen und dich gleich mit dazu!

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  4. Puh, das klingt echt schwierig.
    Aber: Du weißt ja, dass Du Dinge ändern möchtest.
    Dann mache es doch auch. Glaubst Du wirklich, dass es immer beim ersten Mal funktioniert?
    Nein, natürlich nicht.
    Bei der Software-Entwicklung wurde mir gelehrt:
    „Die erste Version funktioniert irgendwie, die zweite dann schon besser, die dritte Version ist erst wirklich prima.
    Wenn Du wirklich, wirklich gut bist, gehst Du von Version #1 zu Version #3“.
    Irgendwann einmal habe ich gelernt, dass das mit dem Leben auch so ist.
    Vielleicht ein Gedanke für dich?

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    • Ich habe schon sehr viel unternommen, irre viel versucht und manches verändert. Meistens werde ich durch äußere Umstände gehindert, aber auch angesichts der Dinge, die ich schon getan habe, kann ich qualifiziert sagen: bringt alles nüscht. Bin ja nicht zum ersten Mal an diesem Punkt. Ich hab alles hingeschmissen, alles neu aufgesetzt und das schon mehrfach. Und trotzdem bin ich wieder hier.

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  5. Ich frage mich, wie vielen Menschen es gerade ähnlich geht, weil ich selbst gerade so ein Päckchen vor mir stehen sehe. Es ist mein eigenes und ich wage nicht, es mit deinem zu vergleichen, nur ist es jetzt gerade da und es verwundert mich ein wenig, weil mir der Sommer so untypisch dafür erscheint.

    Auf der Suche nach Lösungen habe ich mit so vielen Menschen gesprochen und mir angehört, wie sie ihr Leben meistern. Ich bin sehr oft auf tiefe Frustrationen getroffen, die zum Teil nicht zugegeben werden, weil man sich sonst damit beschäftigen müsste. Ich weiß nicht, ob eine gewisse Form der Ignoranz nicht manchmal ganz sinnvoll ist.

    Das Leben erscheint mir aktuell sehr blass und schwer. Neben den eigenen, fehlenden Zielen, scheint auch die Welt kein großes Ziel mehr zu verfolgen und das hängt zu allem Überfluss über uns.

    Ich habe allerdings erkannt, dass ich all die Gespräche und die neuen Gesichter, die mich in ihr Leben blicken ließen, beschenkt haben. Sie ließen mich erkennen, dass wir alle immer wieder durchhängen und dass uns allen immer wieder die Lust an diesem Leben ausgeht. Du bist jemand, der das eigene Leben nicht einfach stumpfsinnig vor sich hinleben möchte. Wie der Weg aussehen soll, der das Leben besser macht, weiß ich nicht. Aber mach dir klar, was du für ein Mensch bist. Was für eine Kämpfernatur in dir steckt, die du immer wieder in deinem Job unter Beweis stellst.

    Ich wünsche dir ein paar Sonnenstrahlen auf deiner Nasenspitze, die dich kitzeln und dich lachen lassen, so dass du die Schwere deiner Gedanken für ein paar Momente vergessen kannst und spürst, wie dein Herz pocht und wie das Leben durch deinen Körper fließt.

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  6. Maßlose Grübelei führt immer dazu, dass sich die eigenen Sorgen wie in einer Echokammer vervielfältigen. Ich wünsche dir, dass du mit dem Schritt zum Abstand genau das richtige machst. Jeden Tag ein bisschen echtes Leben. „Einfach“ mal loslegen. Das Grübeln verbannen. Und nach einer Weile (so ging es mir jedenfalls) findet sich auch ein Gleichgewicht zwischen Reflektion und Leben.

    Gib dich nicht auf!

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